Museum in Bonn: Im Museum Koenig lagert die größte Vogeleiersammlung

Museum in Bonn : Im Museum Koenig lagert die größte Vogeleiersammlung

Unter dem Dach des Bonner Museums Koenig lagert die größte ornithologische Sammlung Deutschlands. Allein 60.000 Vogeleier finden sich hier. An den Ostertagen ist das Museum geöffnet.

In Sachen Berufswahl hatte der junge Alexander schon früh präzise Vorstellungen. Bereits mit 14 Jahren hortete er mit großer Leidenschaft Vogeleier und Tierpräparate. Damals legte er für seine eigene Sammlung kleine Inventarlisten an, die er bereits ganz selbstbewusst mit "A. Koenig, Direktor" unterzeichnete.

"Er war Zeit seines Lebens von Eiern fasziniert", weiß Till Töpfer, Kurator der Ornithologie im Museum Koenig. Heute verfügt die Forschungseinrichtung an der Adenauerallee mit rund 60.000 Exemplaren über die größte Vogeleiersammlung eines deutschen Museums. Etwa 40.000 davon hat Gründer Alexander Koenig selbst gesammelt oder zugekauft. Dazu gehören Kolibrieier mit einem Gewicht von etwa ein bis zwei Gramm ebenso wie Straußeneier von immerhin rund 1,5 Kilogramm. "Über die Eier hat Koenig wohl letztendlich einen Zugang zur Biologie bekommen", ergänzt der Ornithologe.

Die außergewöhnliche Sammlung ist noch immer im Dachgeschoss jenes Gebäudetrakts untergebracht, der 1898 bis 1900 als ornithologisches Privatmuseum an die Villa Alexander Koenigs angebaut wurde. Nach wie vor lagern die Exponate in schweren Schubladen aus Eichenholz, die mit den handschriftlichen Etiketten des Zoologen versehen sind. "Daran kann man deutlich sehen, dass er sich sein Leben lang um die Sammlung gekümmert und sie betreut hat. Einige Einträge sind gestochen scharf geschrieben, andere hingegen schon mit zittriger Hand", zeigt Töpfer.

Koenig ließ sich allein von seinem ästhetischen Empfinden leiten. "Für ihn musste ein Ei vor allem schön und formvollendet sein", lächelt Töpfer. Damals war das Sammeln von Gelegen noch ein ganz alltägliches Hobby. Mittlerweile drohen allerdings empfindliche Strafen, wenn man gegen die nun geltenden Bestimmungen des Natur- und Artenschutzes verstößt.

Eier von ausgestorbenen Arten

Fein säuberlich platzierte Koenig seine "Schätze" in Schachteln, die mit schwarzer Watte gepolstert sind. "Heute nehmen wir natürlich ungebleichtes Material. Aber der schwarze Kontrast war für Koenig ebenfalls aus ästhetischen Gründen wichtig."

So unterschiedlich die Vogelarten, so verschieden die Eier: Frisch gelegt, glänzt beispielsweise die Brut der Steißhühner aus Südamerika von smaragdgrün bis himmelblau. Kolonienbrüter wie Trottellummen finden ihr Nest offenbar nur aufgrund der individuellen Muster auf der Schale wieder.

Ganz besonders wertvoll sind natürlich die Exemplare von Tieren, die längst ausgestorben sind. Wie beispielsweise die Eier der Wandertauben. Nur noch als Replik präsentiert das Museum zudem das rund zehn Kilogramm schwere Ei des vor 20.000 Jahren ausgestorbenen Madagaskar-Strauß in einer Museumsvitrine.

Damit sich die Exponate halten, werden sie - ähnlich wie bei den Vorbereitungen fürs Osterfest daheim - "ausgepustet". Dafür werden sie seitlich angebohrt und anschließend ausgespült. Zurück bleibt nur die leere Schale.

Eier beruhigten Alexander Koenig im Alter

Ein kurzer Blick genügt um festzustellen, dass längst nicht ein Ei dem anderen gleicht. "Es gibt länglich-elegant wie beim Alpensegler oder rundlich wie beim Wendehals. Eine These, wonach die Kegelform die Eier von Felsenbrütern vor dem Herunterfallen schützt, ist nicht belegt", klärt der Experte auf. Es sei genauso gut möglich, dass diese Form den Vögeln das Brüten erleichtere, weil sich die Eier im Nest mit den Spitzen zusammenschieben lassen. Der größte Teil der wissenschaftlichen Sammlung lagert zwar sicher in der Asservatenkammer und ist nicht öffentlich zugänglich, aber "es gibt im Museum einige Vitrinen, in denen Besucher die verschiedenen Eier sehen", verspricht Töpfer.

Und noch eine Geschichte kennt er über Alexander Koenig und seine Leidenschaft für Eier. "Es wird berichtet, dass Koenig im Alter an Parkinson litt. Nur wenn man ihm ein Ei in die Hand legte, hörte das Zittern auf und er wurde ganz ruhig."

Das Museum Koenig ist am Ostersonntag sowie Ostermontag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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