GA-Interview: Florian Schroeder über seine Generation und das Bonner Publikum

GA-Interview : Florian Schroeder über seine Generation und das Bonner Publikum

Man lobt Florian Schroeder als Galionsfigur unter den jungen deutschen Kabarettisten und Entertainer der Extraklasse mit schwarzem Humor. "Offen für alles und nicht ganz dicht" heißt sein Programm am 16. Juni um 20 Uhr im Pantheon, Bundeskanzlerplatz. Mit Florian Schroeder sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

Sie waren schon einmal im Pantheon: Wie kommen Sie bei den Bonnern an?
Florian Schroeder: Die Stimmung ist immer sensationell. Ich mag das über Jahre etablierte Pantheon sehr gerne. Da spürt man, dass da Menschen sitzen, die sich auf das Spiel mit dem Publikum, das das Kabarett ja immer ist, gerne einlassen. Ich mag es aber auch nicht, alles aufs Publikum abzuwälzen, wenn etwas nicht funktioniert. Der, der oben steht, muss sich fragen: Liegt's an mir?

Ihr Programm beschreibt Ihre Generation: "Offen für alles und nicht ganz dicht". Nicht ganz dicht, die Mittdreißiger, was?
Schroeder: Richtig. Wir haben nicht alle Latten am Zaun (lacht). Aber im Programm geht es auch um ein Lebensgefühl. Um den Widerspruch unserer Zeit: also auf der einen Seite offen für alles, mobil, flexibel sein zu müssen. Auf der anderen Seite besteht ein unglaublicher Druck, sich festzulegen und schon mit 17 genau zu wissen, welchen Job man ein Leben lang machen will, von dem einem aber leider keiner sagen kann, ob es den in fünf Jahren noch gibt. Diese Paradoxie auszuhalten, dazu versuche ich auf unterhaltsam nachdenkliche Art beizutragen.

Wer sitzt im Publikum? Genau die, die nicht ganz dicht sind?
Schroeder: Am Anfang war mein Publikum älter. Über die freue ich mich natürlich weiter. Mittlerweile hat sich das aber wunderbar durchmischt. Bei mir sitzen jetzt viele zwischen 20 und 40, von denen man sonst immer sagt: "Die erreicht Kabarett gar nicht mehr."

Sie sind durch Ihre pointierte Promi-Parodie bekannt. Wer geht da eigentlich immer?
Schroeder: Ach, ich nutze Parodie heute nur noch als Stilmittel. Am besten funktioniert Angela Merkel. Vor allem, wenn es mir als Mann gelingt, sie überzeugend darzustellen.

Ihre "Perle der Uckermark"...
Schroeder: Richtig. Leute wie Westerwelle sind vorbei. Sehr schade, dass so wenig von Oettinger aus Brüssel kommt. Steinbrück ist natürlich eine tolle Figur.

... der wohnt nur ein paar Straßen vom Pantheon entfernt...
Schroeder: Ach ja? Dann könnte er ja vorbeikommen und was lernen. Dass er an seiner Ironie scheitern wird zum Beispiel. Meine kabarettistische These ist, dass man Steinbrück bewusst verbrennt, um dann in vier Jahren mit Hannelore Kraft durch die Decke zu gehen. Damit hat man alle zufrieden gestellt: Die Kanzlerin kriegt ihre Große Koalition, und Steinbrück wird sich zurückziehen.

Welche Koalition wäre Ihnen kabarettistisch am liebsten?
Schroeder: Als Kabarettist sage ich: Eindeutig Schwarz-Grün. Das kommt sowieso früher oder später. Die Koalition meiner Generation. Grün denken, schwarz handeln. Dann heißt es nicht mehr, Vegetarier zu sein, sondern Gefühlsvegetarier. Also nur Tiere zu essen, die man hässlich findet. Schwarz-Grün ist die Koalition der Konservativen und der Spießer. Wobei man nicht genau weiß, wer ist wer. Und wenn Sie den Privatmann fragen: Ich wäre für die Koalition Grün-Schwarz (lacht).

Sie arbeiten immer Tagesaktuelles ins Programm ein?
Schroeder: Genau. Ich setze mich jetzt gleich hin und recherchiere. Und heute Abend geht's los.

Können Sie sich noch in Ihrem Starbucks sehen lassen?
Schroeder: Aber sicher. Regelmäßig schaue ich, ob es da noch so ist, wie ich es im Programm erzähle. Die Thailänderin ist immer noch tätig. Mein Lieblingsgetränk ist der half decaf coffee, ein Espresso halb mit Coffein, halb ohne. Ineinander geschüttet. Mit nicht zu wenig und nicht zu viel Coffein. Schwarz-Grün als Kaffee.

Sie ziehen Talkrunden durch den Kakao. Werden Sie noch eingeladen?
Schroeder: Immer wieder gerne. Talkshow heute heißt: Es treffen sich fünf Leute, die sich letztlich nichts zu sagen haben und reden über Themen, von denen sie keine Ahnung haben.

Auf Ihrer Homepage antwortet "Oma Lisbeth" auf die Fanpost...
Schroeder: Ja, das ist wirklich meine Oma, die Tag und Nacht zurückschreibt.

Kritisiert die Sie auch mal?
Schroeder: Doch, wenn ich zu viele Kraftausdrücke benutzt habe. Da zahle ich zwei Euro für einmal "Scheiße". Das ist Ihre Schlagzeile: "Schroeder: Seine Oma macht ihn arm."

Zur Person

Der Kabarettist, Buchautor, Hörfunk- und Fernsehmoderator Florian Schroeder, 33, wuchs in Lörrach auf und studierte Germanistik und Philosophie. Als 14-Jähriger machte er im Fernsehen bei Harald Schmidt mit Parodien Prominenter auf sich aufmerksam. Seit 2004 tritt er im Radio und TV auf und geht bundesweit auf Tour.

Karten zu gewinnen

Karten für die Vorstellung am 16. Juni im Pantheon gibt es für 20,80 Euro an den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen. Außerdem verlost der General-Anzeiger dreimal zwei Freikarten. Leser, die an der Verlosung teilnehmen möchten, rufen bitte unsere Hotline an: 01379/88 68 11*. Oder schicken Sie eine SMS mit dem Kennwort GAB3 an die Kurzwahl 1111*. Bitte geben Sie Ihren Namen und Ihre Adresse an. Die Hotline ist bis Mittwoch, 29. Mai, 24 Uhr, freigeschaltet.

Mehr von GA BONN