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Generalsanierung des Bonner Münsters: Erste Paten suchen sich ihren Stein aus

Generalsanierung des Bonner Münsters : Erste Paten suchen sich ihren Stein aus

Was für ein Stein darf's sein? Wie wäre es beispielsweise mit Gewändestein 2 in einem der unteren Bogenfenster der Münsterbasilika hinter den rollenden Köpfen der Stadtpatrone Cassius und Florentius für 1000 Euro?

Wer höher hinauf möchte, findet vielleicht am Münsterstein 735 gleich unter dem Dreiecksgiebel der Ostapsis für 300 Euro Gefallen. Ein besonderes Schnäppchen ist fraglos der prominente Zierstein 114 für 500 Euro. Der thront ganz oben an der Spitze des Ziergiebels.

1325 Steine aus der Ostfassade der Bonner Hauptkirche hat der Münster-Bauverein seit gestern im Angebot. Nicht zum Verkauf versteht sich, auch wenn an einigen der Zahn der Zeit offenbar so stark genagt hat, dass sie ausgetauscht werden müssen. Um Mittel für die anstehende Generalsanierung einzuwerben, sucht der Verein symbolische Steinpaten, die sich mit ihrer Spende engagieren. "2016 feiern wir 1325 Jahre seit der ersten Erwähnung einer Kirche für Cassius und Florentius", erklärte Stadtdechant und Münsterpfarrer Monsignore Wilfried Schumacher die Zahl der Patensteine, als er die Aktion mit Bauvereinsvorstand Karl-Wilhelm Stracke vorstellte.

Alle Patensteine sind in der romanischen Ostfassade verbaut, die nach ersten Sondierungen besonders baufällig ist. Einen höheren Millionenbetrag würden die Arbeiten in jedem Fall kosten, schätzte Reinhard Sentis, Pressesprecher des Stadtdekanats Bonn. Im Frühjahr 2016 werde das komplette Sanierungskonzept vorliegen. Pietro Esposito hat sich seinen Stein schon gesichert. "Ich sehe das Münster jeden Tag. Die Vorstellung, dass es bedroht ist, tut mir im Herzen weh", bekannte der Gastwirt der benachbarten Pizzeria Tuscolo freimütig. Er trägt für ein Kapitell Verantwortung.

Auch Juwelierin Patricia Richarz engagiert sich. Zusammen mit Esposito und dem ebenfalls beteiligten Bauentwickler Jörg Haas wagte sie sich - obgleich nicht ganz höhenfest - sogar in einen Hublifter, um "ihren" Stein zu inspizieren. "Von oben erkennt man erst das ganze Ausmaß der Schäden", erklärte Immobilien-Experte Haas, nachdem das Trio sicher wieder auf dem Pflaster stand. Nur der Stadtdechant musste auf die hydraulische Himmelfahrt kurzfristig verzichten und wieder aussteigen. Das überladene Gerät hatte die Auffahrt verweigert.

Interessierte können sich im Internet mit einem Mausklick ihren Patenstein reservieren. Schriftliche Antragsformulare sind in einem Flyer enthalten, der in den nächsten Tagen an vielen Stellen in der Stadt ausgelegt werden soll. Paten erhalten neben der Spendenquittung eine Urkunde, die ihren Stein benennt. Im Laufe der Sanierung soll eine Liste aller Paten in einer Zeitkapsel ins Mauerwerk eingelassen werden, "damit kommende Generationen sehen können, was wir zu Anfang des 21. Jahrhunderts für das Münster getan haben", sagt Schumacher.

Mehr infos auf www.mein-bonner-muenster.de/steinpatenschaft

Die Ostapsis

Für die Baugeschichte an Rhein und Maas wurde die Ostapsis des Münsters zu einer Art Initialzündung. Nachdem der Kirchenbau ab etwa 1050 in West-Ost-Richtung gedreht worden war, ließ Domprobst Gerhard von Are ein Jahrhundert später den östlichen Anbau errichten. Durch römische Großbauten wie die Porta Nigra in Trier inspiriert, entstand ein nach innen gerichteter Torbau, in dem jedes Stockwerk eigenständig gegliedert ist. Für die Region wirkte diese Neuheit stilbildend. An vielen romanischen Kirchenbauten, darunter St. Gereon in Köln und die Abtei Maria Laach, wurde der Etagenchor des Bonner Münsters fortan immer wieder imitiert.