Bonner Kopf: Der Milchschaum-Meister aus Bonn

Bonner Kopf : Der Milchschaum-Meister aus Bonn

Carlo Graf Bülow ist Bonner, Barista und deutscher Meister in der Disziplin „Latte Art“. Und ein Kinderbuch hat er auch noch geschrieben.

Carlo Graf Bülow gießt gerne Bilder in den Espresso und er ist außergewöhnlich gut darin. Der kreative Bonner hat in den vergangenen Jahren mehrere Preise und Wettbewerbe gewonnen. Jetzt ist er auch deutscher Meister. „Mein erster Gedanke war: endlich! Und der zweite war: Oh Gott, ich brauche 'nen Reisepass!“ Der 31-jährige Carlo Graf Bülow sitzt zwei Tage nach seinem größten Erfolg in seinem Wohnzimmer und kann es immer noch nicht ganz glauben. Er ist deutscher Meister in „Latte Art“.

Dabei muss man die Milch so feinporig schäumen, dass man damit Bilder und Muster in den Kaffee gießen kann. Benotet werden Technik, Kreativität und Ausführung. Als deutscher Meister darf er nun bei der nächsten „Latte Art“-Weltmeisterschaft antreten und die findet in Brasilien statt. Dafür braucht man natürlich einen Reisepass. Seiner sei aber nicht etwa abgelaufen, erklärt Bülow breit grinsend, er habe bisher einfach keinen gebraucht und nie einen besessen.

Bei „Bülow“ denken die meisten wahrscheinlich an Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, den bekannten deutschen Humoristen, der als Loriot Generationen zum Lachen brachte. Ein ganz entfernter Verwandter von Carlo Graf Bülow. „Im Geiste mehr, als auf dem Papier“ sagt Bülow, der Jüngere. Mit Käppi, Vollbart und Kapuzenpulli sieht er auch mehr aus wie ein Hip-Hopper als ein Graf. Die Familiengeschichte finde er aber schon „interessant“ und „faszinierend“.

Seine Stimme wird wieder ernst, als er das sagt. Der Stammbaum lasse sich bis in das 13. Jahrhundert und zu historischen Ereignissen zurückverfolgen. Ein Verwandter sei zum Beispiel bei der Schlacht von Waterloo dabei gewesen. „Aber, ganz ehrlich, wenn ich Müller heißen würde, wäre das für mich auch in Ordnung, denn ich habe für den Titel nie was geleistet.“

Eigenes Kinderbuch für die Tochter entworfen

Viel wichtiger als die adelige Abstammung sei ihm die Familie. So hat er, als seine Tochter ihre Zähne nicht putzen wollte, kurzerhand angefangen, ein Kinderbuch zu schreiben. Er steht auf und holt den Stoß loser Seiten. Es sei noch nicht ganz fertig, sagt er, aber man sieht, er hat mit viel Liebe zum Detail illustriert und getextet. Durch und durch Künstler eben, mit Hang zum Perfektionismus.

Der gebürtige Bonner mag seine Stadt. Und mal abgesehen von einigen Jahren in Alfter-Witterschlick, hat er sie auch nicht verlassen. Er hat in Bonn studiert. 14 Semester lang Jura – wie der Vater. Abgeschlossen hat er das Studium aber nicht. Das wurmt ihn immer noch ein bisschen. „Ich bin eigentlich der Typ, der gerne Dinge zu Ende bringt“, versichert er.

Statt Studium hat er dann eine Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie bei Vapiano in Rekordzeit von eineinhalb Jahren als Jahrgangsbester abgeschlossen. Nach der Ausbildung wechselte Bülow erst zum „First Flush Tearoom“, dann zum „Elements of Taste“ in Troisdorf und schließlich zu „Schamong“, Kölns ältester Kaffee-Rösterei. Hier fühle er sich ausgesprochen wohl. Nach Köln gezogen ist er aber nicht. Er sei glücklich und zufrieden in Kessenich und ein Umzug nicht geplant.

Am Anfang war das Herz. Zum ersten Mal sieht Bülow „Latte Art“, als ihm eine Kollege bei Vapiano ein Youtube-Video zeigt. „Hast du Lust, dass wir das hier auch lernen?“ fragte der ihn dann. Er hatte. Zuerst das Herz, dann das Blatt, später den Indianer und den Schwan. Es klingt, als wäre es einfach, einen Indianer in den Cappuccino zu malen. Aber dafür brauche es viel Übung, sagt er. „Wochenlang haben wir Youtube-Videos angeschaut und ausprobiert.“ Nur durch Zufall habe er 2012 dann davon erfahren, dass es sogar „Latte Art“-Wettbewerbe gibt. Die wichtigsten werden von der „Specialty Coffee Association“, kurz SCA veranstaltet.

2015 beschließt Bülow in der Disziplin „Latte Art“ teilzunehmen. Er wurde direkt Dritter und im darauffolgenden Jahr wieder. Da packte ihn dann der Ehrgeiz und es war klar, 2018 würde nur ein Sieg zählen. „Gut ist, wenn die Bilder zusammen eine Geschichte ergeben“, verrät er. „Die richtigen Motive zu finden, war aber gar nicht so leicht. Ursprünglich wollte ich ein Märchen erzählen. Ganz klassisch. Mit einem Ritter, einem Drachen und der Prinzessin.“ Doch die Motive funktionierten nicht.

Er entschied sich dann für seine persönliche Geschichte, wie er zum Barista wurde. „Ich komme aus Bonn, und hier habe ich zum ersten Mal an einer Siebträger-Maschine gearbeitet.“ Dafür gießt er das Siebengebirge mit dem Rhein. Für Köln gießt er den Geißbock. Das dritte Motiv sollte für Brasilien stehen und seine Ambitionen verdeutlichen. Aber mit Humor. „Ich dachte, ein Faultier wäre total witzig“. Und der Plan ging auf.

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