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Bademeister und Rettungsschwimmer: Den Bonner Freibädern fehlt Personal

Bademeister und Rettungsschwimmer : Den Bonner Freibädern fehlt Personal

Damit am heißen Wochenende sechs Freibäder in Bonn öffnen können, muss die Stadt mit dem vorhandenen Personal jonglieren. Neue Angestellte zu finden wird immer schwieriger.

Sobald die Temperaturen über 25 Grad klettern, haben die sechs Bonner Freibäder Hochsaison. Damit sie öffnen, muss die Stadtverwaltung viel Personal einsetzen – und das so flexibel wie möglich. Deshalb werden ab Mittwoch Aushilfen vom Rüngsdorfer Panoramabad in das Römerbad im Bonner Norden beordert. Doch es wird immer schwieriger, Schwimmmeister und Rettungsschwimmer zu finden, die diese Dienste übernehmen. Der Job gilt als fordernd, ist für viele jedoch auch eine Berufung. „Mit Baywatch und Mädchen hinterhergucken hat das nichts zu tun“, sagt Peter Harzheim, Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister.

Wenn bei Hochbetrieb bis zu 6000 Gäste in das Römerbad strömen, sind allein 15 Mitarbeiter für die Spätschicht notwendig. Sie kümmern sich um die Technik, halten als Retter die Becken im Blick und sitzen an der Kasse. „Unser Personal, selbst die Festangestellten, aber vor allem die Aushilfen, müssen flexibel sein“, sagt Isabel Klotz vom Bonner Presseamt. Sie werden in allen Bädern je nach Bedarf eingesetzt. Heißt: Heute das Römerbad, morgen das Melbbad und übermorgen geht es ins Rüngsi. „Das kommt vor allem dann vor, wenn sich zeigt, dass in dem einen Bad mehr Leute als nötig auf dem Einsatzplan stehen, in dem anderen Bad aber jemand fehlt“, so Klotz. Angestellte sind meist Schwimmmeister und Fachkräfte für Bäderbetriebe, Aushilfen vor allem Rettungsschwimmer und Kassenkräfte.

Kaum noch Studenten als Aushilfen

Derzeit stehen auf den Einsatzplänen der Bonner Freibäder etwa 125 Aushilfen. Der Großteil ist nur individuell einsetzbar, was die Planung erschwert. Deutschlandweit sind die Schwimmbäder auf Saisonkräfte angewiesen, wie Peter Harzheim erklärt. „Aber es wird immer schwieriger, Personal zu finden.“ Die Aushilfe im Freibad sei früher ein typischer Studentenjob gewesen. Doch mittlerweile sei die unterrichtsfreie Zeit nicht unbedingt Freizeit, die vollends für Jobs genutzt werden könne. „Zudem sind die Anforderungen an die Retter hoch“, sagt Harzheim. Die Aushilfsrettungsschwimmer müssen über 18 Jahre alt sein, das DLRG-Rettungsschwimmerabzeichen in Silber besitzen und einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben. Zudem müssen sie in Bonn ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Dass es bei den Fachkräften für Bäderbetrieb und Schwimmmeistern Engpässe gibt, habe laut Harzheim mit dem schlechten Ruf des Jobs zu tun. „Man muss dann arbeiten, wenn andere Freizeit haben.“ Auf der anderen Seite sei der Beruf vielseitig: „Als Schwimmmeister ist man Chemiker, Techniker, Biologe, Kassierer, Tröster und Retter. Man erlebt unglaublich viel.“ Wer nach Tarif im öffentlichen Dienst bezahlt werde, könne sich glücklich schätzen – private Betriebe hätten wesentlich niedrigere Löhne von 1500 bis 1800 Euro brutto.

Mit Folgen: Nach Angaben des Verbands Deutscher Schwimmmeister arbeiten in den 6500 deutschen Bädern rund 26 000 Fachkräfte für Bäderbetriebe – immer mehr Stellen bleiben unbesetzt. Schätzungen zufolge fehlen 2500 bis 3000 ausgebildete Schwimmmeister. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sehe die Situation besser aus als in anderen Bundesländern. Doch auch in NRW werden pro Jahr nur noch 80 bis 100 Schwimmmeister ausgebildet. Vor einigen Jahren waren es noch rund 150.