Kommentar zum Bonner Münster: Transparenz gefragt

Kommentar zum Bonner Münster : Transparenz gefragt

In der Finanzaffäre um das Bonner Münster sollten sich sowohl das Erzbistum als auch die Schumacherunterstützer hinterfragen, findet GA-Redakteurin Bettina Köhl. Im Fokus sollte nun die Zukunft stehen.

Man muss nicht einer Meinung sein, um einen öffentlich ausgetragenen Streit zu beenden. So auch im Fall des ehemaligen Bonner Stadtdechanten Wilfried Schumacher: Die gemeinsame Pressemitteilung des Erzbistums Köln und der Bonner Initiative um Jürgen Nimptsch liest sich wie ein Signal der Entspannung. Dass Schumacher nicht zurück ins Amt des Bonner Stadtdechanten kann, war von Anfang an klar, egal ob mit oder ohne Petition. Nun scheint zumindest ein priesterlicher Einsatz denkbar, sollte Schumacher aus dem Ruhestand zurückkehren wollen. Es wird wohl keine eigene Gemeinde mehr werden, aber priesterliches Wirken kennt ja viele Facetten. Ein Kreis alter Bonner Freunde und Wegbegleiter hat jedenfalls mit der Petition deutlich gezeigt, dass er Schumacher weiter in seiner Mitte sieht.

Also viel Lärm um nichts? Keineswegs: Das Erzbistum muss sich an der selbst auferlegten Transparenz messen lassen und die endgültigen Untersuchungsberichte zur Bonner Finanzaffäre dann auch öffentlichen machen. Sollte die Misswirtschaft am Münster 2014 beendet gewesen sein – der Zeitraum danach wird geprüft – muss das auf den Tisch.

Die Bonner Schumacher-Freunde sollten sich fragen, was ihre Rolle in der angeblichen „Medienkampagne“ des Erzbistums war. Zwei Pressetermine vor den Bonner Märtyrerköpfen und ein prominenter Ex-Minister, der demonstrativ Joseph Ratzingers Buch „Die christliche Brüderlichkeit“ in die Kameras hält, waren sicher nicht geeignet, um Schumacher aus dem medialen Fokus zu nehmen. Die Pressestelle des Erzbistum reagierte dagegen zu Beginn eher schwerfällig, die klaren Worte von Weihbischof Ansgar Puff kamen erst nach Wochen.

Nun muss es um die Zukunft des Münster und der Gemeinde gehen. Da ist das Erzbistum genauso gefragt wie die Bonner, die für volle Kirchenbänke und eine volle Baukasse sorgen könnten.

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