Verwertung der Bonner Müllreste: 70.000 Tonnen Metall trotzen 1000 Grad

Verwertung der Bonner Müllreste : 70.000 Tonnen Metall trotzen 1000 Grad

Vom Bonner Hausmüll bleibt mehr übrig als nur Schlacke. Die Reste werden im Oberbergischen deponiert. Doch vorher wird getrennt, sortiert und gesiebt.

Haben Sie heute schon den Müll rausgebracht? Wenn ja, dann in der Gewissheit, dass er richtig entsorgt wird und in der Bonner Müllverwertungsanlage (MVA) auf den Rost gelegt wird. Und dann? Alles weg, verschwunden, verflüchtigt? In Rauch aufgelöst? Keineswegs: Von dem in Bonn verbrannten Hausmüll bleibt neben Energie für die Strom- und Fernwärmeproduktion eine ganze Menge übrig, nämlich 28 Prozent.

Diese sogenannte Schlacke, bis zu 70.000 Tonnen pro Jahr, fällt in der MVA zuerst peu à peu in ein Wasserbad zum Abkühlen und wird dann abtransportiert. Wohin? Früher in private Aufbereitungsanlagen, seit Januar in das kommunale AVEA-Entsorgungszentrum Leppe in der Gemeinde Lindlar-Remshagen.

Der Besuch in der rund 70 Kilometer von Bonn entfernten Aufbereitungsanlage offenbart vor allem eins: Weg ist hier noch lange nichts, vieles wird irgendwie noch verwertet. Wenn also Max Mustermann sich zu Hause ein Bier öffnet und den Kronkorken in die Tonne wirft, landet der zuerst in der Bonner MVA und dann im Oberbergischen. Und man staunt: Der Kronkorken ist noch gut erkennbar nach der Behandlung mit bis zu 1000 Grad Celsius. Nur Gummidichtung und Farbe sind weg.

„Die Temperatur der Müllverbrennung reicht nicht aus, um Metalle zu schmelzen“, erklärt MVA-Geschäftsführer Manfred Becker. Der Spaten, an dem später nur der Stiel fehlt, Konservenbüchsen, Pfannen und Töpfe überstehen die Verbrennung auch relativ schadlos, sind aber von Farbe, Beschichtungen und Kunststoffgriffen „befreit“ – gut für die spätere Wiederverwertung. Sie werden in einem ersten Arbeitsgang von der übrigen Schlacke getrennt.

Dazu schwenkt zunächst ein Bagger mit einem riesigen Elektromagneten über die Verbrennungsreste. Und alles, was Eisen ist, bleibt daran hängen und kommt auf einen großen Haufen. Das Spatenblatt, die Bremsscheibe, ganz viele Sprungfedern aus Matratzen, aber auch unser kleiner Kronkorken. Und alles ist noch erkennbar: die Haken von Kleiderbügeln, der Korkenzieher und Bohrerspitzen. „Manchmal findet sich hier sogar Münzgeld“, berichtet Andreas Möller, Geschäftsführer der „refer“-Gesellschaft und Betreiber der Aufbereitungsanlage.

Dann liegt da noch das FE-Material (für Eisen) herum. „Ein Regen und der Metallberg sieht rostbraun aus“, sagt Betriebsleiter Roland Weiß. Das macht aber nichts, das Eisen wird später von Schrotthändlern abgeholt, die es zum Einschmelzen im Hochofen weiterverkaufen.

Der zweite Arbeitsschritt ist noch lukrativer, wenn zwei Männer am Sortierband stehen und noch Verwertbares und wertvolle Bestandteile wie Aluminium oder Messing abfischen. Doch bis die beiden Arbeiter eine Tonne davon gesammelt und in die Container unter ihrem Band geworfen haben, dauert es lange. „Die unterschiedlichen Materialien gehen zu unterschiedlichen Verwertern“, sagt Möller.

Was nicht verwertet werden kann, wird gesiebt, von größeren Steinen befreit und in einer Körnung bis 60 Millimeter wieder ausgespuckt. Es ist ein mineralisches Material von grauer Farbe, das beim Reiben zwischen den Händen auseinanderbröckelt. Es nennt sich HMV-Schlacke, die Abkürzung bedeutet Hausmüllverbrennung.

Eingesetzt werden kann die Schlacke für Straßenbau und Lärmschutzwände, in Holland auch für den Dammbau. „Aber es wird zunehmend schwieriger, es zu vermarkten“, sagt Weiß. Das liege daran, dass weniger gebaut werde und dem Material die Akzeptanz fehle.

„Anderes Recyclingmaterial wie Bauschutt steht höher im Kurs.“ Außerdem, so Becker, lohne die Vermarktung oft nicht wegen der hohen Transportkosten. Deshalb wird es auf der Deponie „eingebaut“, also von einem Lastwagen hingekippt, mit einer Raupe verteilt und verdichtet. Bis 2020 wird das noch so gehen, dann läuft die Genehmigung für diese Deponie aus.

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