Der Beueler Samstagmarkt: Die Butter gibt's vom Block

Der Beueler Samstagmarkt : Die Butter gibt's vom Block

Der Markt in Beuel hat zwei Standorte, was nicht bei jedem Beschicker für Freude sorgt. Der Platzmeister signalisiert Bereitschaft zur Veränderung.

Wie eine Wagenburg formieren sich jeden Samstag in aller Frühe die Händlerstände auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus, sodass ein windgeschützter kleiner Dorfplatz entsteht. In Kisten, Auslagen und Theken liegen, akkurat gereiht, frisches Gemüse, Obst, Fleisch, Wurst und Geflügel. Das Stück Butter gibt es vom großen Block. Die Portionen werden so abgewogen, wie der Kunde es wünscht: zwei Scheiben Fleischwurst, drei Scheiben Salami, dazu vier Eier, ein halbes Sträußchen Petersilie.

Der Beueler Wochenmarkt hat ein treues Publikum – und treue Händler. Bei jedem Wetter. In den 20 Jahren seines Bestehens sind viele freundschaftliche Beziehungen gewachsen. Statt den Einkaufszettel abzuarbeiten, erfragt mancher Kunde einen Rezeptvorschlag fürs Sonntagsmahl vom Händler seines Vertrauens. Der stellt die Zutaten zusammen, wiegt und packt ein. Eine wunderbar entspannte Atmosphäre. Der Plausch über die Theke hinweg und mit den Nachbarn gehört dazu.

Mittwochs und freitags ist Markt vor dem Krankenhaus an der Hermannstraße. Dort sind die Händler allerdings unzufrieden. Beengte Verhältnisse und zu viele Autofahrer auf Parkplatzsuche machen Probleme. Michael Raditzky aus der Bad Godesberger Händlerdynastie Schlotterbeck steht mittwochs mit seinem Obst- und Gemüsestand mittlerweile allein auf dem Platz. Das gefällt ihm gar nicht, denn es kommen auch immer weniger Kunden. Freitags sind vier Stände aufgebaut.

Früher war der Wochenmarkt an allen Tagen vor dem Rathaus. Wegen der Neugestaltung des Platzes mussten die Händler an die Hermannstraße umziehen. Nach Ende der Baumaßnahme 2014 kehrte allerdings nur der Samstagsmarkt zurück. Auf GA-Anfrage beim Marktamt kann sich Platzmeister Jens Müller aber „gut vorstellen, dass die Händler auch an den beiden anderen Wochentagen ihre Stände vor dem Rathaus aufschlagen. Das muss die Politik entscheiden.“ Von seiner Seite könnte die Sache innerhalb von vier Wochen erledigt sein: „Der Beueler Innenstadt und dem Wochenmarkt würde das guttun.“

Im Gegensatz zum Bonner Wochenmarkt werden in Beuel keine zeitlich befristeten Konzessionen vergeben. „Die Beschicker bewerben sich, unterzeichnen einen Vertrag, zahlen Standmiete und haben ihren Platz so lange sie wollen“, erläutert Müller. Zu den Aufgaben des Platzmeisters gehören Kontaktpflege und Kontrolle. „Die Händler haben Pflichten, beispielsweise die Termine zuverlässig einzuhalten. Urlaub muss angemeldet werden. Die Lebensmittel müssen einwandfrei sein, auch das wird überprüft.“ Die Händler kommen überwiegend aus der Region. Ginge es nach Müller, könnten auch noch ein Feinkost-, ein Käse- und ein Brotstand Platz finden. Doch offenbar ist es gar nicht so einfach, Beschicker zu finden.

„Es ist ein Knochenjob. Auf die Stunde umgerechnet, liege ich manchmal unter Mindestlohn“, sagt Blumenhändler Arno Peters (49), der samstags morgens um drei Uhr aufsteht, den Lkw belädt und sich auf den Weg von Straelen nach Beuel macht. Seit 20 Jahren. Seine Marketingstrategie im harten Konkurrenzkampf mit den Discountern: „Herzlichkeit und Handarbeit.“ Auf Wunsch bindet er die Sträuße. Das kostet nichts extra. Und sie halten mindestens bis zum nächsten Samstag. Regelmäßig gibt es Gelächter, wenn die Kunden bezahlen, denn auf der Geldkassette klebt ein Zettel: „Wer klaut, kriegt keine Tüte!“

Für die meisten Kunden ist es selbstverständlich, zum Einkauf eine große Tasche mitzubringen. Das findet der Obst- und Gemüsehändler Ferdinand Vogt gut. „Unsere Kundschaft ist umweltbewusst. Es herrscht ein gepflegter Umgang.“ Der 70-Jährige und seine Frau stehen seit dem ersten Markttag auf dem Rathausplatz. Sie haben einen Bauernhof bei Asbach. Damals habe er auch frische Milch verkauft. „Aber von einem Hof kann man seine Familie schon lange nicht mehr ernähren.“

Wer beim Einkauf eine Verschnaufpause braucht, verabredet sich am Café-Roller. Auf einer Piaggio als fahrbarem Untersatz mit Dach und Theke ist eine hochwertige Espressomaschine montiert, die ein ausgebildeter Barista bedient. „Anfangs hat man uns keine drei Wochen gegeben“, erinnert sich Mathias Lynders. Nun steht er seit 2005 auf dem Platz. „Die erste Gruppe trifft sich regelmäßig Punkt acht Uhr. Später kommen vielen Familien.“ Der Roller ist ständig umringt. Die kleine Lena zwängt sich zielstrebig durch bis an die Theke. Sie bestellt einen Kakao. Die Eltern kaufen noch ein und wollen dann auch vorbeikommen. Das Wochenende fängt gut an.

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