Kabarett in der Pauluskirche: Vom richtigen und vom falschen Glauben

Kabarett in der Pauluskirche : Vom richtigen und vom falschen Glauben

Die Kabarettistische Glaubenswoche in der Pauluskirche setzt einen Glanzpunkt nach dem anderen: Konrad Beikircher präsentierte sein neues Programm zum Reformationsjubiläum und zog die Protestanten durch den Kakao.

Es war ein schwerer Abend für die Protestanten an diesem dritten Tag ihrer Kabarettistischen Glaubenswoche. Da haute ihnen einer „mit dem richtigen Glauben“, dem katholischen, den ihren, „den falschen“, gehörig um die Ohren. Konrad Beikircher war zur Premiere seines neuen Reformationsjubiläums-Programms in die Pauluskirche gekommen.

Und ließ den Schwestern und Brüdern „mit dem angesäuerten Gewissen“ bei seinem Parforceritt durch die Kirchengeschichte kaum eine Chance. Was ein Fest für das ökumenisch zusammengesetzte Publikum bedeutete. Immerhin war es am Eingang von Pfarrer Siegfried Eckert mit einer präventiven „Martin-Luther-Impfung“ versehen worden. Man weiß ja nie.

Denn Beikircher zog alle Register, um aufzuzeigen, wer mehr drauf habe im 500 Jahre währenden Wettstreit der Konfessionen. Steife Bäffchen gegen schwarz-lila Ornat? Das eherne „Ein' feste Burg ist unser Gott“ gegen saftige Kirchenmusik-Schlager? Zerknirschte Selbstkasteiung gegen fröhliche Pilgerreisen? Da sei doch klar, wer den Joker unter den Konfessionen gezogen habe. Und warum wie Luther an einer Amtskirche zweifeln? „Das sind alles Leute, die haben Latein gelernt. Das sind Profis, auf die du dich verlassen kannst. Da musst du dir doch nicht den eigenen Kopf zerbrechen.“

Alle zog der Maestro zwei Stunden palavernd durch den Kakao: den störrischen Luther, der, wenn er Rheinländer gewesen wäre, alle Fünfe gerade gelassen und aus seinem Frust einen frechen Themenwagen im Zoch gebaut hätte, oder „dat lecker Mädsche“ Adelheid aus Pützchen, die „dat Gesocks“ zwischen dem rechtgläubigen Siegburg und Bonn missionierte.

Auch die aktuellen Pfarrer bekamen ihr Fett weg, wie sie ja wohl mit Blick auf mögliche Spenden Kranken die Hand hielten: manche demütig schon für vermutete kleine Summen, „andere kommen erst ab 10.000 Euro ans Krankenbett“, so Beikircher bissig.

Er spende den Erlös seines Abends dem Jugendtreff „One World Café“, sagte er. „Ich hatte so 'nen Hals, so 'ne Krawatte, wie die Stadt auf den Tod von Niklas reagiert hat: indem sie die Sträucher stutzte. Das soll also Transparenz sein?“ 180 000 Euro solle das gekostet haben, da lachten sich die Kandidaten fürs Fegefeuer doch krumm und schief. Aber fürs One World Café lasse die Stadt kaum einen Euro springen.

„Wollen wir Beikircher jetzt auf den Scheiterhaufen schicken?“, fragte Pfarrer Eckert das Publikum am Schluss lachend. Und erntete ein einstimmiges Nein. Er habe ja geglaubt, die sauertöpfischen Protestanten hätten keinen Humor, hatte Beikircher schon vorgesorgt. „Aber immerhin lasst Ihr uns Kabarettisten ja in die Kirche.“

Letzte Karten für die Auftritte von Vince Ebert, Simone Solga, Willibert Paules am 16., 17. und 18. Februar in der Pauluskirche (Beginn jeweils 20) gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

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