Verkehrspuppenbühne der Polizei: Ruhestand - Charly Bechtel spielt zum letzten Mal den Kasper

Verkehrspuppenbühne der Polizei : Ruhestand - Charly Bechtel spielt zum letzten Mal den Kasper

Nach mehr als 1000 Vorstellungen mit der Verkehrspuppenbühne der Polizei geht Charly Bechtel in den Ruhestand.

Aufgeregt sitzen die Robert-Koch-Schüler vor der Verkehrspuppenbühne der Bonner Polizei und warten, dass der Vorhang endlich aufgeht. Ein lautes "Guten Morgen, lieber Kasper" tönt durch die Turnhalle, als die Puppe gefolgt von Hund Struppi die Bühne betritt.

Die Erst- bis Viertklässler ahnen nicht, dass sie bei einer quasi historischen Aufführung dabei sind. Denn Charly Bechtel, Polizeihauptkommissar und Puppenspieler, ist zum letzten Mal mit von der Partie. Der (fast) 62-Jährige geht in den Ruhestand - nach mehr als 1000 Vorstellungen.

"Es ist mir gar nicht so bewusst, dass es das letzte Mal ist", gab sich der Meindorfer vor der Vorstellung noch gelassen. Nachdem aber Kasper, Pixie und Co. (lautstark unterstützt von den Kindern) gut 45 Minuten lang Straßen überquert, am Zebrastreifen fast überfahren worden wären und gelernt haben, dass man keine Flaschen leer trinken darf, die man in Büschen gefunden hat, ist Bechtel doch ein wenig wehmütig.

"Mir ist auf einmal durch den Kopf geschossen, dass es das letzte Mal ist. Jetzt schwingt schon ein wenig Wehmut mit", sagt Bechtel, der nicht nur den Kasper spielt, sondern auch einen Jungen, der ohne zu gucken die Straße überquert, und einen Autofahrer, der ihn fast überfahren hätte. Und ihn lautstark auf Kölsch beschimpft.

Die Arbeit mit der Verkehrspuppenbühne sei stets ein Abenteuer gewesen. Zwar gebe es einen festen Text, aber die Kinder regierten unterschiedlich, man müsse sich auf verschiedene Begebenheiten einstellen. "Jeder Tag ist ein Erlebnis", sagt Bechtel, und erinnert sich an eine Vorführung. "Es war in einem Kindergarten. Als Struppi auf die Bühne kam, fing ein Kind an zu bellen. Die anderen machten mit - und hörten gar nicht mehr auf."

"Als ich 1975 angefangen habe, da gab es noch einen Ober- und einen Unterteufel", erinnert sich Bechtel. Der eine habe den anderen angestiftet, Unsinn zu treiben. "Am Schluss wurde er mit einer Bratpfanne erschlagen. Das machen wir heute natürlich nicht mehr", sagt Bechtel, der trotz aller Wehmut keine Sorge hat, dass es ihm ohne Arbeit zu langweilig werden könnte.

Denn Hobbys hat Bechtel genug. Da sind zum Beispiel der Männergesangverein und das Blasorchester, Auftritte mit dem Männerballett und Motorradfahren. Außerdem wollen seine Frau und die beiden Söhne nebst Schwiegertöchtern wohl auch etwas von ihm haben. Und vielleicht wird ja auch nochmal bei Heinrich Seiffer, Harald Pamin und seinem Nachfolger Jochen Haas vorbeischauen. Wer dann das Kasperle spielt, steht allerdings noch nicht fest. Auf jeden Fall gilt schon jetzt: "Auf Wiedersehen, lieber Kasper."

Mehr von GA BONN