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Vierbeiner besuchen alte Menschen im Johanniterstift: Welpenbesuch im Meckenheimer Seniorenhaus

Vierbeiner besuchen alte Menschen im Johanniterstift : Welpenbesuch im Meckenheimer Seniorenhaus

Es sind besondere Begegnungen, die im Garten des Johanniterstift Meckenheim stattfinden: Begegnungen der Erinnerung, der Freude und auch der Traurigkeit. Fünf Welpen mit ihren Besitzern sind zu Besuch.

Die kleinen Hunde tollen zwischen den Hausbewohnern herum, lassen sich streicheln, suchen den Kontakt und auch wieder das Weite, und öffnen so bei einigen der alten Menschen Türen zu vergessen geglaubten Momenten. Initiiert hat das „Treffen von Hund und Alt“ die Physiotherapeutin und Hundeerzieherin Annette Panz.

Die vier Monate alte braune Australian-Shepherd-Hündin Frieda und der nur eine Woche jüngere braun-weiße Kleine Münsterländer Henry besuchen gemeinsam die Welpenstunde von Panz. Sie kennen sich. Kaum treffen die beiden aufeinander und die Leinen werden gelöst, beginnt ein wildes Spiel quer durch Menschenbeine, Gehhilfen, Rollstühle und Rollatoren. Schnell erfolgt ein kleiner Abstecher auf die Wiese, dann geht es zurück auf die Terrasse, wo die Menschen und vor allem auch die beiden Herrchen der Hunde warten.

Nur wenige Minuten dauert es, dann ergießt sich der Inhalt des bereitgestellten Wassernapfes auf den Boden. Das kleine Malheur der Hunde löst Gelächter bei den Zuschauern aus, die um die munteren Vierbeiner einen Kreis gebildet haben und das Treiben verfolgen. Fast von selbst strecken sich die Hände nach unten, um die Hundefelle zu berühren. „Mögen Sie Frieda mal streicheln?“, fragt Annette Panz eine Hausbewohnerin im Rollstuhl und legt ihr den Welpen auf den Schoß.

Freudig wendet sich die Hündin dem ihr unbekannten Menschen zu, legt freundlich die Ohren an und genießt die Zuwendung, während die alten Hände zärtlich durch ihr Fell streichen, ganz so, als hätten sie das früher tagtäglich getan. Dann darf auch Henry eine Streichel-Pause auf einem anderen Schoß einlegen, bevor die beiden sich wieder einander zuwenden, um mittlerweile im Liegen auf dem Hundekissen kleine Scheinkämpfe auszuführen. „Das macht mich ganz traurig“, erklärt eine Seniorin, die früher immer eigene Hunde hatte. Sie geht – doch einige Minuten später ist sie wieder da und krault die Vierbeiner.

Gleich drei zehn Wochen alte Australian-Shepherd-Welpen, die Wurfgeschwister Rosi, Hermine und Finn, hat Janine Michler ins Seniorenhaus mitgebracht. Die Lüftelberger Züchterin legt Wert darauf, wesensfeste, ausgeglichene und selbstbewusste Hunde an ihre späteren Besitzer abzugeben und nutzt den Termin, um ihre Schützlinge eine neue Situation erleben zu lassen. „Der Welpenbesuch im Seniorenhaus ist eine Win-win-Situation für alle“, erläutert Panz. „Die jungen Hunde durchleben bis zur 16. Lebenswoche eine wichtige Sozialisierungsphase. Alles, was sie jetzt kennenlernen, ist ihnen später vertraut. Hier gewöhnen sie sich ganz nebenbei an Rollatoren und Rollstühle und die Bewegungen von alten Menschen.“

"Hunde wecken Erinnerungen an frühere Zeiten“

Auch für die Heimbewohner stelle das Zusammentreffen mit den Welpen eine Bereicherung dar. „Sie erfreuen sich an der Lebendigkeit, die für einen Moment in ihr Leben rückt – die Hunde geben Impulse und wecken Erinnerungen an frühere Zeiten“, meint Panz. Die Physiotherapeutin ist beinahe täglich im Johanniterstift im Einsatz. Ihr eigener Hund, die Australian-Shepherd-Hündin Casey, ist immer dabei. Die Leitung des Seniorenhauses unterstütze die Hundebesuche und habe auch dem Welpen-Termin bereitwillig zugestimmt. „Viele Bewohner freuen sich über Caseys Kommen eindeutig mehr als über mich“, lacht Panz. Hausbewohnerin Karin Krüger (77) genießt das Welpen-Streicheln mit strahlendem Gesicht. „Ich liebe Hunde“, erklärt sie. Auch auf der Straße bleibe sie stehen, wenn ihr Hunde begegnen. Sie selbst habe früher Katzen als Hausgenossen gehabt.

Jetzt ist der tapsige Blue-merle-Rüde Finn mit seiner auffälligen grau-schwarz marmorierten Fellfarbe ihr Favorit. Sie hat eine Idee: „Wir könnten doch einen Haushund für uns alle anschaffen!“