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Zahlen zum Weltflüchtlingstag: Wohnraum im Vorgebirge ist rar

Zahlen zum Weltflüchtlingstag : Wohnraum im Vorgebirge ist rar

Das Schicksal von Flüchtlingen steht heute weltweit im Fokus: Im Jahr 2001 haben die Vereinten Nationen den 20. Juni zum Weltflüchtlingstag auserkoren. Der General-Anzeiger hat bei den Kommunen nach dem aktuellen Stand gefragt.

Alfter

Am Stichtag 31. Mai betreute die Gemeinde Alfter 204 Flüchtlinge. Das teilte Sozialamtsleiter Markus Jüris auf GA-Anfrage mit. 100 Personen davon befänden sich aktuell noch im Asylverfahren, 30 Männer und Frauen seien geduldet. Sprich: Die eigentlich vorgesehene Abschiebung ist vorübergehend ausgesetzt. 74 von der Gemeinde betreute Flüchtlinge besitzen laut Jüris einen Aufenthaltstitel, haben aber noch keinen eigenen Wohnraum.

„In der Unterkunft am Rathaus leben zurzeit 55 Personen“, erläutert Jüris weiter. Diese wurde erstmals Ende September 2015 bezogen. Damals steuerte die Gemeinde auf den Höhepunkt des Zuzugs von Flüchtlingen zu. „Ende Dezember 2015 waren 450 Personen in Alfter“, sagt Jüris. Neben der Unterkunft am Rathaus waren beziehungsweise sind die Menschen in angemietetem Wohnraum oder ehemaligen Kindergartengebäuden untergebracht. Das Alfterer Schloss diente eine Zeit lang als Notunterkunft.

Wie auch in anderen Kommunen ist die Hilfsbereitschaft der Bürger groß. Im Herbst 2015 hatte sich der Asylkompass Alfter gegründet. Seitdem koordiniert die Flüchtlingsinitiative der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden die ehrenamtlichen Kräfte und ihre Angebote.

Bornheim

714 Flüchtlinge sind derzeit der Stadt Bornheim zugewiesen. Fast die Hälfte von ihnen, 346 Personen, wohnt bereits in privaten Mietverhältnissen. Das sei insbesondere auch dem ehrenamtlichen Engagement zu verdanken, sagt Beigeordnete Alice von Bülow. So bemüht sich ein Bornheimer Verein gezielt um die Vermittlung von Wohnraum. 368 Flüchtlinge leben nach Angaben der Verwaltung in städtischen Unterkünften – sprich in einer der zehn Containeranlagen, die in neun verschiedenen Ortsteilen errichtet wurden, oder in einer der 27 Wohnungen, die die Stadt anmietet beziehungsweise die in ihrem Eigentum sind.

Bis auf die Container in Hemmerich und an der Herseler Allerstraße sind laut von Bülow sämtliche Anlagen belegt – teils zur Hälfte, teils zu einem Drittel, es gibt also jeweils noch freie Plätze. Das handhabe die Stadt bewusst so, betont die Beigeordnete. Zum einen hätten die Menschen so mehr Platz in den doch beengten Räumlichkeiten der Container. „Zum anderen sind sie schon sehr integriert in die Orte, das ist ja auch Teil unseres dezentralen Konzepts zur Unterbringung“, erklärt von Bülow. Auch hier greife das Engagement von Ehrenamt und Sozialarbeitern.

Die größte Anzahl an Flüchtlingen beherbergt derzeit der Container in Sechtem, in dem 50 Personen wohnen – bis zu 100 Plätze wären möglich. Bei 283 Flüchtlingen läuft das Asylverfahren laut Stadt noch. Anerkannt wurde der Asylantrag bei 205 Personen, die für drei Jahre Aufenthalt gewährt bekommen.

Für ein Jahr bleiben dürfen 112 Menschen, die subsidiären Schutz erhalten haben, der auch verlängert werden kann. Bei 101 Personen wurde der Asylantrag abgelehnt und die Abschiebung ausgesetzt, sprich sie sind geduldet. Bei 13 Personen handelt es sich laut von Bülow um Einzelfälle, darunter Neugeborene und Flüchtlinge, deren Asylgesuch abgelehnt wurde und die sich zur freiwilligen Ausreise entschlossen haben. Die Hochphase an Flüchtlingszuweisungen hatte Bornheim im Juli und August 2015 erreicht. Rund 1200 Personen waren laut Verwaltung damals in der Stadt untergebracht. Ab diesem Zeitpunkt nutzte die Stadt auch die Turnhalle der Johann-Wallraf-Grundschule in Bornheim als Notunterkunft, weil die regulären Anlaufstellen des Landes überfüllt waren.

Meckenheim

Eine ständig fallende Tendenz an Zuweisungen verzeichnet auch die Stadt Meckenheim, wie Pressesprecherin Marion Lübbehüsen auf GA-Anfrage sagt. Waren Ende 2015, zur Hochzeit der Flüchtlingswelle 421 Flüchtlinge in Meckenheim registriert gewesen, sind es jetzt rund 100 Menschen weniger. „Das heißt nicht, dass es weniger Arbeit bedeutet“, meint Lübbehüsen. Da viele, selbst anerkannte Flüchtlinge keine Wohnung fänden, hält die Stadt nach wie vor einige Unterkünfte bereit.

Rheinbach

Die Stadt Rheinbach hat derzeit 230 Flüchtlinge in der Betreuung, die zum Personenkreis des Asylbewerberleistungsgesetzes zählen, wie Stadtpressesprecher Norbert Sauren auf GA-Anfrage sagte. Diese sind in städtischen Unterkünften und in angemieteten Objekten untergebracht. Weitere rund 138 Flüchtlinge, die bereits anerkannt sind, konnten bislang keine eigene Wohnung finden. Sie sind deshalb zur Vermeidung einer Obdachlosigkeit weiterhin in den städtischen, respektive angemieteten Flüchtlingsunterkünften untergebracht.

Insgesamt verfügt Rheinbach derzeit über 698 Unterbringungsplätze, hiervon sind 375 belegt. „Da nach derzeitigem Stand ausreichend Plätze zur Verfügung stehen, ist es vorgesehen, dass noch in diesem Jahr mit der Rückgabe von angemieteten Objekten an die Eigentümer begonnen wird“, sagte Sauren. Im laufenden Kalenderjahr sind – neben Neugeborenen – vier weitere Flüchtlinge neu zugewiesen worden. Den höchsten Stand an Flüchtlingen verzeichnete die Glasstadt mit 505 Personen aus 27 verschiedenen Nationen am 31. Januar 2016.

Swisttal

In Swisttal leben derzeit 270 Flüchtlinge – zur Hochzeit der Flüchtlingswelle 2015 waren es 313. Seit Anfang 2016 geht die Anzahl der Zuweisungen zurück, berichtet Jeannine Kunz von der Pressestelle der Gemeinde. Aufgrund dieser Entwicklung hatte der Swisttaler Rat im Dezember vergangenen Jahres beschlossen, den vorgesehenen Bau von zwei neuen Übergangswohnheimen vorerst zurückzustellen. Untergekommen waren die Asylsuchenden in den vorhandenen Übergangswohnheimen in Heimerzheim, Ludendorf und Odendorf. Um die Menschen dezentral unterzubringen, bekamen sie außerdem angemietete Wohnungen zugewiesen.

Seit Jahresbeginn 2017 sind lediglich zwei Zuweisungen im Zuge von Familienzusammenführungen erfolgt, berichtet Kunz. Durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wurden bisher 98 Personen anerkannt. Diese erhalten Leistungen vom Jobcenter. Die anerkannten Flüchtlinge werden von der Verwaltung bei der Wohnungssuche im Gemeindegebiet unterstützt. Insbesondere kommt der Verbleib in angemieteten Wohnungen in Betracht.

„Wir arbeiten an der Entwicklung eines Integrationskonzepts“, sagt Hans Dieter Wirtz, Erster Beigeordneter der Gemeinde. In dieser Entwicklungsphase hat bereits ein Workshop stattgefunden, an dem Flüchtlingshelfer, Vertreter von Kirchen und kirchlichen Institutionen, Mitarbeiter des Kreisjugendamtes, des Kommunalen Integrationszentrums, der Katholischen Jugendagentur, Schulleiter und Mitarbeiter des Sozialamtes der Gemeinde teilnahmen. „Die Integrationsarbeit wird vorrangig von den Helferkreisen, den Schulen und Kindergärten, den Vereinen sowie von privaten und kirchlichen Institutionen geleistet. Nur durch die großartige Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer war und ist es möglich, den Flüchtlingen das Einleben in ihrer neuen Wohngemeinde erheblich zu erleichtern“, sagt Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner.

Wachtberg

Zum Stichtag 1. Mai verzeichnete die Gemeinde 245 Asylbewerber, 53 anerkannte Flüchtlinge und 50 abgelehnte Asylbewerber. Im Laufe des Monats kamen drei hinzu, davon zwei Neugeborene von Asylsuchenden. Derzeit leben 73 Menschen in Übergangsheimen in Fritzdorf, Werthhoven und Ließem, 123 in angemieteten Gemeinschaftsunterkünften in Pech, Adendorf, Berkum, Fritzdorf, Gimmersdorf, Villip und Werthhoven. Die Übrigen sind unter anderem in Wohnungen untergebracht.