Hochmoderne Messgeräte: Neue Wetterstation in Troisdorf

Hochmoderne Messgeräte : Neue Wetterstation in Troisdorf

In dem Troisdorfer Stadtteil entsteht eine hochmoderne Wetterstation, inklusive Klimagarten mit 90 Bäumen. Die Station soll Schulklassen und andere Besucher über Klima und Wetter aufklären.

In manchem Vorgarten liegt ein Stein mit der Aufschrift: „Wenn Stein nass, dann Regen“. Mit einer solchen Allerweltsweisheit können Meteorologen und Klimaforscher indes nichts anfangen. Wetterkarten und Wetterberichte entstehen in mühsamer Kleinarbeit und werden aus so vielen Daten wie möglich zusammengesetzt. Diese Daten werden für gewöhnlich aus mittlerweile fast völlig automatisch arbeitenden Wetterstationen gewonnen.

Da wird es im Troisdorfer Stadtteil Sieglar an der Evrystraße alsbald anders aussehen. Dort baut der promovierte Klimaforscher Karsten Brandt (donnerwetter.de) derzeit auf einem 3000 Quadratmeter großen Grundstück eine Wetterstation mit und für Menschen. Denn nach der Fertigstellung, so Brandts Idee, sollen zum Beispiel Schulklassen oder andere Interessierte dort erfahren, wie es um Klima und Wetter steht.

Ein großes Metallgerüst ragt auf dem Grundstück auf. Dort wird ein Windturm gebaut, mit Aggregaten, die die Windrichtung, die Windgeschwindigkeit, aber auch die Stärke der Sonneneinstrahlung messen. An anderer Stelle wird ein kleines Radar aufgestellt, das mittels Mikrowellen die Größe von Regentropfen misst. Und natürlich werden in einer solchen Anlage auch die Regenmengen gemessen.

Klimagarten mit 90 Bäumen

So weit, so gut, könnte man meinen. Das reicht Klimaforschern wie Brandt und seinen Kollegen in Deutschland und in der Welt nicht. In der neuen Wetterstation werden in einem sogenannten Klimagarten 90 Bäume angepflanzt, wie etwa Apfel- und Kirschbäume, aber auch Olivenbäume. Die Bäume stammen von einer speziellen Baumschule im Schwabenland und sind alle genetisch gleich und sortenrein. Diese Bäume wachsen weltweit in 90 Klimagärten. Durch die Sortenreinheit und Gengleichheit können die Klima- und Wetterforscher genau beobachten, wie das Klima auf die Bäume wirkt.

So berichtet Brandt, dass das Rheinland im Jahresdurchschnitt mittlerweile 1 bis 2 Grad Celsius wärmer geworden ist und sich dadurch die Vegetationsperioden verschieben – sie beginnen früher und enden später. Aber Spätfröste können die gesamte Blüte zerstören, wie im Frühjahr viele Obstbauern leidvoll erfahren mussten.

Diese Gefahren würden durch die Erwärmung nicht kleiner, ist Brandt überzeugt. Das seien wichtige Signale, die auch neue Risiken etwa für die Landwirtschaft bergen. Selbst Pollenfallen werden in der Station installiert, um herauszufinden, welche neuen Pollen möglicherweise nach Deutschland gelangen, die nicht nur Allergikern Probleme bereiten könnten, sondern auch die heimische Flora verändern. „Wir wollen mit der Station bei unseren Besuchern ein Grundverständnis für Wetter und Klima erzeugen“, sagt Brandt. Und da seien auch Fragen willkommen, wie man Heizkosten einsparen kann, ob alte Bauernregeln stimmen, oder ob es wirklich immer weniger Schnee gibt.

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