Flamingo und Igel: Königliches Croquet im Bilderbuchmuseum in Troisdorf

Flamingo und Igel : Königliches Croquet im Bilderbuchmuseum in Troisdorf

Besucher reisen im Bilderbuchmuseum in der Troisdorfer Burg Wissem mit Alice ins Wunderland. Bei der Ausstellung, die bis Februar zu sehen ist, ist mitmachen und Anfassen ausdrücklich erwünscht.

Für die Reise ins Wunderland braucht es nicht viel. In erster Linie Fantasie, dazu Lust an Skurrilitäten und eine große Portion Mut. Denn die wundersame Welt öffnet sich nur jenen, die den Sprung ins Kaninchenloch wagen. Springen muss im Troisdorfer Bilderbuchmuseum niemand, wohl aber durch das Loch im Vorhang schlüpfen – und schon ist das wundersame Land erreicht.

Der Besucher steht mittendrin in der Mitmachausstellung „Alice im Wunderland – Eine Wunderwelt im Bilderbuchmuseum“. Zur Eröffnung gibt es am Sonntag eine Lesung und verschiedene kreative Angebote.

Eigentlich hatte Lewis Caroll die Geschichte von Alice, die ins Wunderland reist und dort zusammen mit allerlei kuriosen Wesen immer neue Abenteuer erlebt, nur für die Tochter einer befreundeten Familie erdacht und auch selbst illustriert. Seine Idee kam offensichtlich gut an, so gut, dass daraus 1865 ein Buch wurde, zu dem der Illustrator John Tenniel nach strengen Vorgaben des Autors die Bilder schaffte.

„Damit, dass sein Roman auch mehr als 150 Jahre später noch ein hoch geschätztes Werk sein würde, wird er damals vermutlich nicht gerechnet haben“, sagt Museumspädagogin Jennifer Walther-Hammel. Wie sehr das Original Künstler bis heute inspiriert, zeigt der Rundgang durch das Erdgeschoss im Herrenhaus.

„Wir haben uns auf die zeitgenössischen Arbeiten ab 2000 konzentriert“, sagt Walther-Hammel. Die ausgestellten Bilder und Bilderbücher korrespondieren mit den Mitmach-Stationen im zu einem wahren Wunderland umfunktionierten Museum. Die Troisdorfer Künster Rolf Mallat, Masoud Sadedin und Tor Michael Sönksen haben dafür gesorgt, dass sich nicht nur die jungen Besucher wie in Alices Fantasiewelt fühlen.

Mit viel Liebe zum Detail haben sie übergroße Blumen und Pilze, zu klein geratene Häuser geschaffen, die Grinsekatze, das weiße Kaninchen wie auch die blaue Raupe zum Leben erweckt oder auch das königliche Croquet-Feld entworfen.

Begleitprogramm bietet Führungen oder Mitmachaktionen

Anfassen und mitmachen ist ausdrücklich gewünscht. „Die Kinder sollen in die verrückte Welt von Alice abtauchen“, so Walther-Hammel. Spiegel verzerren ihre Körper, so wie auch Alice immer wieder wächst oder schrumpft. Mit Kostümen verwandeln sie sich selbst in den verrückten Hutmacher, Hase, Maus oder Alice und sind so Teil der Teegesellschaft. „Sag ein Gedicht auf“ fordert die Raupe – und die Papierrolle nebenan liefert die passenden Worte.

Wenn Igel zu Bällen und Flamingos zu Croquet-Schlägern werden, ist eine Partie königliches Croquet angesagt. Dann gilt es, die stacheligen Bälle durch die Karten-Tore zu stoßen. „Es gibt verschiedene Aufgaben, die erfüllt werden können, und auch Möglichkeiten, kreativ zu werden“, sagt Walther-Hammel. Bis zum Ausstellungsende im Februar bietet das Begleitprogramm auch Führungen oder Mitmachaktionen.

Dank einer Spende der Firma Reifenhäuser ist die Lesung am Eröffnungstag kostenfrei. Die gestalten Mathias Jeschke und Karsten Teich mit ihrem Buch „Der Wechsstabenverbuchsler“. Darin geht es vordergründig nicht um Alice und ihr Wunderland, sondern vielmehr um Sprachverdreher und schräge Bilder. Schräg im besten Sinne ist auch das Werk von Lewis Carroll – und für einige Wochen auch die Welt im Bilderbuchmuseum.

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