Studie zum Zustand der Natur: Artenvielfalt in Bonn und der Region bedroht

Studie zum Zustand der Natur : Artenvielfalt in Bonn und der Region bedroht

Eine Vielzahl von heimischen Pflanzen- und Tierarten sind bereits entweder ausgestorben oder stark in ihrem Bestand bedroht. Das geht aus einer Studie der Uni Bonn und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg über den Zustand der Natur im Raum Bonn hervor.

Die gute Nachricht ist, dass die Region Bonn/Rhein-Sieg überdurchschnittlich viele Schutzgebiete für die Natur bereithält. Die schlechte: Eine Vielzahl von heimischen Pflanzen- und Tierarten sind bereits entweder ausgestorben oder stark in ihrem Bestand bedroht. Das geht aus einer Studie der Uni Bonn und der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg über den Zustand der Natur im Raum Bonn hervor.

Dafür haben die Wissenschaftler rund 450.000 Einzeldatensätze aus mehr als 100 Quellen ausgewertet – von Forschungs- und Abschlussarbeiten aus der Uni Bonn bis hin zu ehrenamtlichen Dokumentationen von Initiativen und Vereinen. 28 Autoren aus dem BION-Netzwerk „Biodiversität in Bonn“ haben ihre Erkenntnisse zu einzelnen Lebensräumen oder Fragestellungen beigesteuert.

Viele Pflanzen, Insekten und Wirbeltiere seien aufgrund der landschaftlichen Veränderungen und der Besiedlung des Raumes zurückgedrängt worden, sagt der promovierte Biologe Jens Mutke vom Nees-Institut für Biodiversität der Pflanzen an der Uni Bonn. Bonn und die Region seien einst von Moor- und Sumpfgebieten bestimmt gewesen. Siegburg-Stallberg etwa habe im 19. Jahrhundert viele Gewässer ausgetrocknet, um Malaria auszurotten - ähnliches ließe sich auch von Bornheim-Roisdorf oder vom ehemaligen Regierungsviertel Bonn sagen, so Mutke. Das Gebiet rund um den ehemaligen Bundestag sei bis in die 50er- und 60er Jahre hinein voller Feuchtbereiche und kleiner Ackerflächen gewesen.

Zu dieser Entwicklung komme die intensive Düngung durch die Landwirtschaft und eine starke Versiegelung des Bodens durch Wohnungsbau und Industrie hinzu. Pflanzen wie der Keulen-Bärlapp seien deswegen lokal ausgestorben. Oder der rötlich blühende Efeu-Sommerwurz, der sich als parasitische Pflanze auf Wurzeln anderer Pflanzen setzt, sei äußerst selten geworden. Früher, so der Biologe, habe es auch eine sehr viel buntere Mischung an Ackerwegkräutern gegeben.

Nötige Brachflächen gebe es ebenfalls kaum noch, und der Energiepflanzenanbau wie Raps und Mais sei für viele Tierarten problematisch: „Das hatte Konsequenzen für die Bodenbrüter.“ Lerchen, Kiebitze oder Rebhühner seien dadurch stark zurückgedrängt worden – und auch einige Bienenarten. „Es gibt in Deutschland rund 500 Bienenarten, davon viele Bodenbrüter, die aber in unserer Region kaum eine Chance zu nisten haben“, so Mutke. Entsprechend schlecht fällt die Bilanz aus: „In den vergangenen 30 Jahren wurden in den meisten Bereichen der Region nur noch weniger als die Hälfte der ursprünglichen Arten nachgewiesen. Das mag teilweise, vor allem im östlichen Rhein-Sieg-Kreis, auch an der unausreichenden Dokumentation der Bestände liegen. Eine Art, für die das tatsächliche Aussterben in unserer Region gut dokumentiert ist, ist der Feldhamster. Dieser hatte historisch in den tiefgründigen Lössböden der Zülpicher und Jülicher Börde, aber auch in der Köln-Bonner Bucht eines seiner westlichsten Vorkommen. In unserer Region wurde er zuletzt in den 90er Jahren bei Rheinbach und bei Lohmar nachgewiesen.“ Schlecht sieht es auch für Baummarder, einige Fledermaus-, Amphibien- und Vogelarten aus. Es fehlt an ausreichend Hecken, weil die Ackerflächen immer größer werden, und auch der drastische Rückgang an Insekten wirkt sich aus.

Andererseits komme urbanen Grünflächen eine ständig wachsende Bedeutung für Ökosystemleistungen zu, stellt Professorin Wiltrud Terlau vom Internationalen Zentrum für Nachhaltige Entwicklung der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg fest.

Die Wissenschaftler haben aufgrund ihrer grundlegenden Erkenntnisse eine regionale Differenzierung der globalen Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) gefordert und bereits 57 zusätzliche Indikatoren entwickelt, die beim Schutz der Biodiversität helfen sollen.

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