Wegen Niedrigwasser: Auf Sieg und Agger ist Wassersport zurzeit tabu

Wegen Niedrigwasser : Auf Sieg und Agger ist Wassersport zurzeit tabu

Die wochenlange Trockenheit macht sich bemerkbar. Sieg und Agger führen seit Wochen Niedrigwasser. Für die Sportler des Kanu-Clubs Delphin Siegburg heißt das: Die Boote müssen an Land bleiben.

Normalerweise sind Thilo Dreckmann und sein Kajak regelmäßig auf Agger, Sülz oder Sieg anzutreffen. Im Moment aber liegt sein Boot an deren Ufern auf dem Trockenen – oder reist auf dem Dach seines Autos bis an den Rhein. Denn der große Fluss ist momentan der einzige in der näheren Umgebung, auf dem der erste Vorsitzende des Kanu-Clubs Delphin Siegburg und seine Mitstreiter ihrem Hobby nachgehen können. Und das seit bald fünf Wochen. Denn Sieg und Agger führen seit Wochen Niedrigwasser.

Das ist etwa am Siegburger Siegwehr nicht mehr zu übersehen. Wo sonst der Wasserfall rauscht, herrscht derzeit Ruhe. Das steinige Flussbett ragt empor, Wasser ist kaum auszumachen. Am anderen Ende der Stadt auf dem Vereinsgelände des Kanu-Clubs Delphin berührt die Agger nicht einmal mehr die erste Stufe der Anlegestelle. Wo die Vereinsmitglieder sonst fast bis zur Brust im Wasser versinken, umspielt es jetzt kaum noch ihre Knie. Ein Blick auf die Pegelstände von Sieg und Agger zeigt, dass die Marken, bis zu denen ein Befahren mit Kanus, Kajaks und Schlauchbooten erlaubt ist, weit unterschritten sind. In Eitorf etwa müsste die Sieg einen Pegel über 30 Zentimeter haben, seit Beginn der Woche erreicht dieser aber nur noch 18 Zentimeter. Für die Agger ist der Pegel in Overath ausschlaggebend. Statt bei mindestens 70 liegt er aktuell aber nur bei 41 Zentimetern.

Der Kanu-Verband Nordrhein-Westfalen informiert auf seiner Internetseite über die aktuellen Pegelstände. Und erklärt auch, was auf den Kleinflüssen der Region erlaubt ist. Zum Schutz von Flora und Fauna stehen diese wie ihre Auen unter Naturschutz. Deswegen sind dort Grillen, Zelten, offenes Feuer und laute Musik untersagt. Baden ist nur an beschilderten gewässernahen Erholungsgebieten gestattet und auch für das nicht motorisierte Bootsfahren gelten Regeln. So dürfen Boote nur von ausgewiesenen An- und Ablegestellen starten und müssen bei Niedrigwasser auf dem Trockenen bleiben.

Das hat neben den Kanu- und Rudervereinen entlang von Sieg und Agger im vergangenen Jahr auch schon die Verleihfirmen stark getroffen. „Wir konnten 2018 weniger als die Hälfte der Saison auf der Sieg nutzen“, berichtet Folker Deinert von „Aktive Elemente“. Auch jetzt ruht sein Betrieb wieder seit vier Wochen – ein Ende ist nicht in Sicht. „Es müsste schon über mehrere Tage gleichmäßig regnen, damit der Pegel wieder dauerhaft steigt“, sagt er. Ein heftiger Gewitterschauer lasse den Wasserstand kleiner Flüsse zwar schnell ansteigen, aber auch ebenso schnell wieder sinken.

Eigentlich sind seine Kollegen und er täglich mit rund 20 Booten auf der Sieg unterwegs. Ähnlich sei das Angebot der anderen drei Verleihfirmen. Auch deren Boote stehen derzeit in den Hallen. „Die Untere Landschaftsbehörde schaut sehr genau hin, wer sich an die Verbote hält“, sagt Deinert. Da riskiere niemand etwas. Naturwächter sprächen auch Privatleute an, die mit eigenem Boot auf den Flüssen fahren. „Die wird man im Moment aber auch nicht sehen, denn der Wasserstand ist so niedrig, da kann wirklich niemand Boot fahren.“

Thilo Dreckmann und die Kanuten vom Club Delphin richten sich ebenfalls darauf ein, dass sie in diesem Sommer nicht mehr auf Sieg, Agger oder Sülz paddeln werden. „Vermutlich sind die Pegel erst Ende Oktober wieder hoch genug“, sagt er. „Eine echte Alternative ist der Rhein aber nicht“, so der Kajakfahrer. Für Jugendliche und ältere Kanuten sei die Strecke zu schwierig. „Um neben den großen Schiffen fahren zu können, braucht es viel Erfahrung“, sagt Dreckmann und verweist auf deren Sogwirkung. Zudem werde auf dem Rhein eher die Ausdauer trainiert. Ihre Wildwasserfahrten müssen sie daher auf den Herbst verschieben, wenn auch die kleinen Flüsse wieder ausreichend Wasser führen.

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