Kunst im öffentlichen Raum: Lichtsäule am Rathaus Oberpleis leuchtet wieder

Kunst im öffentlichen Raum : Lichtsäule am Rathaus Oberpleis leuchtet wieder

Das Kunstwerk des Bildhauers G.F. Ris, der auch den Wasserlichtfeldspiegel am Bonner Stadthaus und die Plastiken im Park der Villa Leonhart schuf, war defekt. Zwei Königswinterer sorgten nun dafür, dass es im Dunkeln wieder strahlt.

Wer das Oberpleiser Rathaus besucht, kommt an diesem Kunstwerk vorbei. Seine wahre Schönheit zeigt es allerdings erst seit Kurzem wieder. Seit der vergangenen Woche erstrahlt die Lichtsäule des vor 13 Jahren verstorbenen Königswinterer Künstlers Günter Ferdinand Ris wieder in hellem Glanz – dank zweier Königswinterer Bürger.

Werner Dahm, sachkundiger Kenner von Architektur und Stadtgeschichte, der regelmäßig auch Führungen leitet, und Heinz-Willi- Dahmen, der sich als Wirt des Nonnenberger Hofes einen Namen machte und einst von Ris als Mitarbeiter in dessen Atelier in Oberpleis geholt wurde, setzten sich bei der Stadt dafür ein, dass die Lichtsäule ihrem Namen wieder Ehre macht. In der vergangenen Woche installierte der Bauhof die neuen Leuchten.

Brandt und Schmidt schätzten seine Kunst

G.F. Ris, wie sich der Bildhauer nannte, hatte das Kunstwerk um das Jahr 1980 der Stadt geschenkt. Zwei weitere Stelen befinden sich am Zugang zum Ratssaal. Der 1928 in Leverkusen geborene Künstler, der seit 1961 in Oberpleis-Wahlfeld sein Atelier hatte, war einer der führenden Köpfe in der Ära von Willy Brandt und Helmut Schmidt. Er schuf Lichtwände, Lichtpfeiler und Lichtfelder als Kunstwerke im öffentlichen Raum, die für Klarheit, Transparenz und Offenheit in Politik und Gesellschaft standen.

Zu seinen Werken gehören auch der Wasserlichtfeldspiegel aus dem Jahr 1977 am Bonner Stadthaus oder die Lichtwand im Foyer des Bonner Bundeskanzleramtes. Seine Werke wurden auch international bewundert und geschätzt – wie die Brunnenanlage vor der deutschen Botschaft in Brasilia.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich eine Handvoll kunstinteressierter Ruheständler, unter ihnen Werner Dahm, dafür eingesetzt, dass das „Zweifigurige Denkmal“ von Ris im Park der Villa Leonhart aufgestellt wurde. Die beiden monumentalen Betontafeln zeigen einen Mann und eine Frau. Insgesamt sechs Skulpturen hat G.F. Ris zu Lebzeiten der Stadt vermacht. Das „Zweifigurige Denkmal“ hatte er 1996 zur Aufstellung im öffentlichen Raum übergeben.

Skulpturen lagerten im Bauhof-Schuppen

Zuvor hatte die Plastik 30 Jahre lang in seinem Ateliergarten in Wahlfeld gestanden, nachdem sie bei der Documenta 1964 in Kassel ausgestellt worden war. Nach der Schenkung wurde sie lange in einem Schuppen des städtischen Bauhofs gelagert, bis Heinz-Willi Dahmen, der einstige Assistent des Künstlers und selbst Bildhauer, vor einigen Jahren auf die Skulptur hinwies.

Auch jetzt war eher ein Zufall dafür verantwortlich, dass das Kunstwerk vor dem Oberpleiser Rathaus wieder leuchtet. Bei einer seiner Stadtführungen wies Werner Dahm vor einem Jahr den Ersten Beigeordneten Dirk Käsbach auf die dunkle Lichtsäule hin. „Ich habe ihm gesagt, dass er seinen Dienstsitz verschönern könnte“, berichtet Dahm.

Zunächst verschwanden die rot-weißen Begrenzungspfähle und wurden durch Betonpoller ersetzt. „Sie stören nicht wirklich, weil der Platz ja auch aus Beton ist“, so Dahm. Als zweiter Schritt wurden die Leuchtmittel im Inneren der Lichtsäule erneuert. Dabei setzte die Stadt vor einigen Tagen einen Hubwagen ein. Zuvor hatten Dahm und Dahmen bei der Honnefer Firma Trimborn recherchiert, wie der Austausch technisch abzulaufen hat. „Ohne das Wissen von Heinz-Willi Dahmen wäre das nicht möglich gewesen“, sagt Werner Dahm.

Einziger Wermutstropfen ist für ihn jetzt noch die Umgebung der Säule. „Zu dem klaren Kunstwerk gehört ein klares Umfeld. Der Rathausvorplatz ist aber im Laufe der Zeit mit Schildern, Pollern, Streuguttonnen und parkenden Fahrzeugen so zugestellt, dass die ursprüngliche Wirkung verloren ist“, bedauert er. Auch die Platzbeleuchtung könnte nach seiner Auffassung besser auf die Lichtsäule abgestimmt werden. „Da wäre noch Verbesserungspotenzial“, so Dahm.

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