Touristenmagnet in Königswinter: Jährlich 600.000 Besucher auf dem Drachenfels

Touristenmagnet in Königswinter : Jährlich 600.000 Besucher auf dem Drachenfels

Fast 600.000 Besucher im Jahr kommen seit der im Jahr 2013 abgeschlossenen Neugestaltung des Plateaus auf den Drachenfels. An Spitzentagen statten bis zu 11.000 Menschen der Ruine einen Besuch ab.

Fast 600.000 Besucher im Jahr kommen seit der im Jahr 2013 abgeschlossenen Neugestaltung des Plateaus auf den Drachenfels. An Spitzentagen statten bis zu 11.000 Menschen der Ruine einen Besuch ab. Für die Gastronomie im neuen Glaskubus ist das eine riesige logistische Herausforderung. Als zusätzliches Angebot kommen künftig vermehrt Kulturveranstaltungen in den Abendstunden hinzu.

Längst ist der Drachenfels aus dem langen Winterschlaf erwacht. An den ersten Schönwetterwochenenden des Jahres nahmen bereits wieder die Massen den Berg in Besitz. Seit der Neugestaltung, als das Plateau in den Jahren 2011 bis 2013 für insgesamt 9,3 Millionen Euro ein völlig neues Gesicht bekam, ist die Besucherzahl erheblich gestiegen. Auch die Sperrung des oberen Eselsweges ab Schloss Drachenburg bleibt da offensichtlich ohne Folgen.

Für Andreas Pätz, Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG), ist die Entwicklung auf dem Drachenfels eine Erfolgsgeschichte. „Dass seit der Sanierung jährlich allein 100.000 Wanderer mehr den Berg besuchen, zeigt, wie sinnvoll die Städtebaufördermittel des Landes eingesetzt wurden.“ Weil die Touristen jetzt deutlich mehr Geld im Siebengebirge ließen, sei das „Wirtschaftsförderung par excellence“.

Bis zu 11.000 Besucher am Tag

„Der Drachenfels ist ja traditionell eher eine große Imbissbude. An Tagen mit bis zu 11.000 Besuchern kann man eigentlich nur Fast Food bieten“, sagt Drachenfels-Gastronom Hermann Nolden, der einen Nutzungsvertrag über 15 Jahre mit der WWG als Eigentümerin abgeschlossen hat. Seinen Versuch, die beiden Sterneköche Martin Tetzner und Philipp Bahle ins Unternehmen einzubinden, hat er beendet und arbeitet nun mit einem Kölner Caterer zusammen.

Bei besonderen Events stehen die beiden Köche aber weiterhin auf Abruf. „Es war für beide Seiten auf Dauer unbefriedigend. Für mich war das kaufmännisch nicht die optimale Lösung. Und aus Sicht der Sterneköche war es ebenfalls suboptimal, ihre Zeit mit dem Zubereiten von Würstchen und Pommes zu verbringen“, sagt er.

Nolden ist heilfroh, seinen Fokus jetzt ganz auf den Drachenfels legen zu können. „Welcher Gastronom hat schon das Glück, eine so hohe Gästezahl zu haben, ohne etwas dafür tun zu müssen?“ Erleichtert ist er vor allem, das Millionenobjekt Villa Leonhart „mit einem kleinen blauen Auge“ im Jahr 2016 weiterverkauft zu haben. Die Villa wird jetzt von einem Beratungsunternehmen für Tagungen, Seminare und Events genutzt.

Auch seine Zeit als Betreiber des Inselcafés auf der Insel Grafenwerth läuft in diesem Jahr nach 33 Jahren ab. Hier sucht die Stadt Bad Honnef nach einem neuen Pächter. „Ich hätte vielleicht wirklich schon vor fünf Jahren Abschied nehmen sollen“, sagt Nolden. Stattdessen kam es zum Rechtsstreit mit der Stadt, die den Pachtvertrag beenden wollte. Das Gericht erklärte die Kündigung jedoch für unwirksam.

„Der Drachenfels und das Inselcafé sind zwei so hoch spezialisierte Läden, die beide wetterabhängig sind. Das bekommt man nur schwer unter einen Hut“, so Nolden. Bei Sonnenschein würde auf dem Drachenfels und auf Grafenwerth gleichzeitig sehr viel Personal gebraucht. „Das macht dich im Kopf unglücklich.“

Neue kulturelle Reihe

Zurzeit ist der Gastronom aber alles andere als unglücklich. Im vergangenen Jahr hat er kurz vor seinem 60. Geburtstag geheiratet. Seine Ehefrau, die Theater-, Fernsehschauspielerin und Sängerin Christiane Klimt, die zuletzt als Ärztin in der Psychiatrie arbeitete, spielt sowohl für sein persönliches Wohlbefinden als auch für das geplante kulturelle Angebot auf dem Drachenfels eine wichtige Rolle.

Die 36-Jährige, die die Hauptrolle in der RTL-Daily-Soap „Alles was zählt“ spielte und nach dem Studium in Gesang, Tanz und Schauspiel noch Humanmedizin studierte, eröffnet die neue Reihe „Drachenfels Kultur“ am Freitag, 27. April, mit einem Liederabend unter dem Titel „Beziehungswaisen“ – gemeinsam mit dem Pianisten Wolfram Schmitz. Zu den bisher rund 80 Firmen- und Privatfeiern pro Jahr an den Abenden sollen zwei bis drei eigene Events pro Monat hinzukommen. Noldens Traum: Ein vorzüglicher Pianist spielt auf dem neuen Flügel die Mondscheinsonate – bei Vollmond.

Aus der Sicht des Pächters wird es höchste Zeit, dass das gesamte Untere Mittelrheintal eine zentrale Vermarktung erhält. „Bisher macht jeder Akteur nur sein eigenes Ding. Die Protagonisten müssen an einen Runden Tisch gebracht werden“, fordert er. Am liebsten würde er mit der verbesserten Kooperation gleich vor der eigenen Haustüre anfangen. „Warum sollte der Weihnachtsmarkt auf Schloss Drachenburg nicht auf dem ganzen Berg stattfinden?“, fragt Nolden.

Besucheransturm

Vom 1. April 2017 bis 31. März 2018 haben rund 560.000 Menschen den Drachenfels besucht. An den von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WWG) aufgestellten Zählstellen am unteren Eselsweg, am Kutschenweg und am Aufstieg von Rhöndorf wurden exakt 272.300 Wanderer registriert. Im Jahr zuvor waren es 258.000.

Die Zahl der Fahrgäste der Bergbahn, die diese auf den Drachenfels beförderte, liegt noch etwas höher als die der Wanderer. Vor der Sanierung wurden in der seit dem Jahr 2009 geführten Statistik 157.000 Fußgänger gezählt.

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