Lemmerzfreibad in Königswinter: Geschäftsführer: „Das Bad ist nicht rentabel zu betreiben“

Lemmerzfreibad in Königswinter : Geschäftsführer: „Das Bad ist nicht rentabel zu betreiben“

Die Geschäftsführer des Betreibers des Lemmerzbad in Königswinter, Elke Stoll und Ingolf Pott, blicken im Interview auf keine gute Schwimmbad-Saison zurück. Die Besucherzahl ist von 38 000 im Vorjahr auf 18 500 gesunken.

Montag Mittag. 20 Grad trübes Wetter. Am Vormittag hat es geregnet. Wieder einmal, wie so oft in diesem Sommer, schließt das Freibad um 14 Uhr. Und am 31. August endet definitiv die Saison. Ein Interview mit den Geschäftsführern des Betreibers, Elke Stoll und Ingolf Pott.

Wie sieht die bisherige Bilanz im Freibad angesichts des doch sehr bescheidenen Sommers aus?

Ingolf Pott: Wir hatten bis Sonntag knapp 18 500 Besucher. Zum Vergleich: 2015 waren es genau 38 233. Wir hoffen, dass wir, wenn das Wetter jetzt noch sechs Tage gut ist, auf 23 000 kommen. Dann würden wir aber immer noch 7000 Besucher unter dem Plan liegen.
Elke Stoll: Das Wetter war in diesem Jahr eine Katastrophe. Es ist da schwer, den Einsatz von Personal und Waren zu planen. Wir hatten unseren Imbiss vielleicht gerade mal an zehn Tagen geöffnet.
Pott: Da helfen auch keine Attraktionen. Der Besuch steht und fällt mit dem Wetter.

Pott: Wir hatten dort bisher 94 000 Besucher. Wir sind damit voll im Plan und werden Ende des Jahres wieder bei 140 000 bis 145 000 Badegästen liegen.

Vor der Saison gab es ein heftiges Ringen um das Frühschwimmen, das die Initiative letztlich durch ihre Kostenbeteiligung rettete. Wie sind hier die Zahlen?

Stoll: Wenn die Temperatur stimmt, liegt die Zahl zwischen zehn und 20, sonst im einstelligen Bereich. Das ist nicht einmal ein Drittel der Besucher im Hallenbad. Auch die Zahl der verkauften Saisonkarten ist sicher nicht so hoch, wie die Initiative das erwartet hatte. 2015 haben wir 15, in diesem Jahr insgesamt 20 verkauft.
Pott: Die Leute, die im Freibad zum Frühschwimmen gehen, würden auch niemals ins Hallenbad gehen. Denen können wir am 31. August bereits ein frohes neues Jahr wünschen.

Im Herbst oder Winter muss der Stadtrat neu entscheiden, ob das Freibad geschlossen wird. Was raten Sie den Politikern?

Pott: Man muss sich im Klaren sein, dass jeder Euro, den man in das Freibad investiert, nur für einen Zeitraum von höchstens vier Monaten pro Saison ist und je nach Wetter vielleicht auch nur für zwei Wochen. Der Stadtrat sollte sich fragen, ob das Geld dort gut ausgegeben ist oder ob man es nicht vielleicht doch besser ins Hallenbad, das elf Monate genutzt wird, steckt.
Stoll: Das Freibad ist schon erhaltenswert, aber aus unternehmerischer Sicht nicht rentabel zu betreiben. Es war uns wichtig, ein familienfreundliches Bad mit einem großen Kursprogramm aufzubauen. Das ist unsere Philosophie.
Pott: Wir betreiben das Hallenbad 2017 bereits seit 20 Jahren. Die Stadt hat den Vertrag mit uns gerade bis Ende 2017 verlängert – mit einem Sonderkündigungsrecht. Der Vertrag gilt auch fürs Freibad.

Könnten Sie sich eine Kooperation mit der Initiative vorstellen, falls diese das Freibad von der Stadt übernehmen würde?

Stoll: Ich stelle mir eine Zusammenarbeit schwierig vor. Mich hat furchtbar aufgeregt, dass keiner von denen gekommen ist und gefragt hat, ob er helfen kann, als bei uns im Juli eingebrochen wurde und wir echt am Ende waren. Ich frage mich wirklich, wie ernst die das meinen, wenn einige von ihnen am liebsten bei Regen schwimmen gehen, weil dann das Becken so schön leer ist.

Im Hinblick auf das Hallenbad tendiert die Politik momentan zu Abriss und Neubau an gleicher Stelle. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Stoll: Dass es bei einem Neubau an gleicher Stelle bis zu 24 Monate kein Schwimmangebot gibt, ist natürlich alles andere als glücklich
Pott: Egal, ob saniert oder an gleicher Stelle neu gebaut wird: Wir werden einen Großteil unseres Kundenstammes verlieren, zumal auch in Bonn ein neues Kombibad entstehen soll. Die Frage ist auch, wo die Schulen und die DLRG dann untergebracht werden. Die ganze Diskutiererei wird auf jeden Fall darauf herauslaufen, dass der Betreiber anschließend wieder bei Null anfängt. Der Betrieb wird europaweit ausgeschrieben und jeder andere Betreiber wird mit einer anderen Konzeption als der unsrigen an den Start gehen. Dann wird es vielleicht gar keine Kurse mehr geben. Stattdessen Wellness und höhere Eintrittspreise.
Stoll:Dann werden vielleicht auch nicht mehr 250 Kinder in den Sommerferien – wie in diesem Jahr bei uns – schwimmen lernen oder an Kursen für Fortgeschrittene teilnehmen.

Berater der Stadt haben das Szenario an die Wand gemalt, dass das Hallenbad wegen gravierender statischer Mängel von heute auf morgen geschlossen werden muss. Teilen Sie diese Befürchtung?

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