Wirtschaftsförderung in der Region: Frauen-Power für Bad Honnefs Imagepflege

Wirtschaftsförderung in der Region : Frauen-Power für Bad Honnefs Imagepflege

Seit einigen Monaten verstärken Andrea Hauser, Lucie Leyendecker und Miriam Brackelsberg das Team um Wirtschaftsförderin Johanna Högner - und sie haben in der Stadt viel Potenzial entdeckt.

Der Dialog, sagen Andrea Hauser, Lucie Leyendecker und Miriam Brackelsberg, ist das A und O. „Wir freuen uns jederzeit über Ideen und konstruktive Vorschläge. Es gibt unendlich viele Themen, die wir bespielen wollen und müssen“, so Brackelsberg. Und die sie längst beackern, wie schon der Blick auf die To-do-Liste zeigt, die an der Wand hängt. Die Überschrift lautet „Wirtschaftsförderung“, die Schwerpunkte des Teams im Büro 117 im Bad Honnefer Rathaus sind City-Management, Tourismusförderung und Online-Plattform.

Seit Herbst 2017 ist das Team um Wirtschaftsförderin Johanna Högner komplett. Sowohl Hauser als auch Leyendecker und Brackelsberg kommen aus der freien Wirtschaft – ein Perspektiv-, kein Seitenwechsel. „Es geht darum, Bad Honnef nach vorne zu bringen. Und das geht nur gemeinsam mit allen Akteuren“, sagt Brackelsberg.

Von L'Oréal ins Rathaus

Nach Schulbesuch und Abitur in Remscheid studierte die heute 35-Jährige Betriebswirtschaft in Düsseldorf, schloss mit den Schwerpunkten Marketing, Controlling und Unternehmensführung erfolgreich ab. Sie arbeitete für den Metro-Konzern und L'Oréal. 2012 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit mit Musik und Event-Management, im Sommer 2017 kam der Wechsel ins Rathaus.

Auch Hauser ist Diplom-Betriebswirtin, mit journalistischer Zusatzausbildung. Die 54-jährige Mutter dreier erwachsener Kinder, die in Hennef lebt, hat das Online-Portal unter ihren Fittichen. Als sie das Konzept sah, das im Landesprogramm „Digitalen und stationären Handel zusammen denken“ 100 000 Euro Förderung erhält, fand sie das „extrem spannend“ und bewarb sich auf die befristete Vollzeitstelle. Zuvor war sie unter anderem beim Institut der Deutschen Wirtschaft tätig sowie für die Grüne Kreistagsfraktion und ist auch freiberufliche Journalistin.

„Dienstälteste“ im Team ist Leyendecker. Die 51-jährige gelernte Kinderkrankenpflegerin, die zusätzlich eine kaufmännische Ausbildung in der Tasche hat und schon als Projektmanagerin tätig war, startete im Februar 2017, wie Brackelsberg mit einer halben Stelle. In der Wahlheimat Bad Honnef war sie zuvor Koordinatorin des Generationenprojekts beim lokalen Bündnis „Hauptsache Familie“. Vier Köpfe, drei Stellen: Zusammen mit Högner, die auch Büroleiterin des Bürgermeisters mit etlichen weiteren Aufgaben ist, bilden Hauser, Leyendecker und Brackelsberg den Stabsbereich Wirtschaftsförderung.

Viel Versäumtes aufholen

Das Team bearbeitet ein Thema, das bis zu Högners Start 2015 im Rathaus nicht besetzt war. Unvergessen die Rufe nach einem professionellen „Kümmerer“, die bis dahin verhallt waren. Zugleich werde Wirtschaftsförderung nicht selten als „Einfallstor“ für jede Problemstellung begriffen, meint Hauser. Frei nach dem Motto: Alles gehört ja irgendwie dazu, vom Parkplatz bis zur Geschäftsaufgabe von Filialisten. Leyendecker: „Und jetzt, da endlich gehandelt wird, kriegen wir auch die Watschen für alles, was 20, 30 Jahre lang nicht passiert ist.“

Zuvorderst heiße es, „ganz viel Grundlagenarbeit“ zu leisten, sagt Brackelsberg. Das gilt ausnahmslos für alle Themenfelder, die die „drei Macherinnen“ (Brackelsberg) voranbringen wollen. Weder gab es bisher ein Fotoarchiv, mit dem online gearbeitet werden kann (Hauser: „Die Fotos mache ich jetzt selbst“), noch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Einzelhandel und Gewerbe in der gesamten Stadt, noch einen verzahnten Veranstaltungsprozess. „Da kommt es vor, dass selbst in einem Ortsteil Dinge parallel laufen“, weiß Leyendecker.

Die Zeiten, da Bad Honnef alles in den Schoß fiel, sind sowieso lange vorbei. Kurstadt, Seminaristen im KSI, in der GIZ oder der Telekom-Akademie. „Immer wieder stand irgendwo der Name Bad Honnef, wurde automatisch transportiert. Das ist Vergangenheit.“ Um so wichtiger sei es, endlich gegenzusteuern. „Bad Honnef muss sichtbar sein“, so Leyendecker. Hauser: „Und es braucht ein anderes Bild als das eines verwelkten Blumenstraußes.“

Offen für konstruktive Ideen

Stichwort Dachmarke. Nicht unumstritten oder besser: oft falsch verstanden. „Das ist ein Prozess, er braucht Zeit. Aber er wirkt“, ist Brackelsberg sicher. Zugleich gibt es diese Augenblicke, wenn den Fachfrauen einfach die Worte fehlen – etwa, weil Unbekannte das neue Dachmarkenlogo am Mittelkreis der Menzenberger Halle zerstörten, offenbar mutwillig. Entmutigen lassen sie sich dadurch nicht, ebenso wenig durch unsachgemäße, teils persönlich beleidigende Kommentare.

Brackelsberg: „Wir haben keinen Feenstaub, den wir über alles drüberstreuen, aber wir haben Visionen. Und Bad Honnef hat das Potenzial. Wir wünschen uns konstruktiven, offenen Umgang, aber man muss auch Grenzen aufzeigen.“ Vieles, was jetzt gerade passiere, „hat mit Ängsten zu tun“. Angst vor Veränderung oder die Angst, Kompetenzen abzugeben.

„Ich glaube an das Konzept, es ist alles andere als nullachtfünfzehn“, sagt Hauser etwa zum Online-Portal für den Handel. Freifunk, der Aufbau eines klimaneutralen Lieferservices, letzteres „eventuell eine Chance für ein Start-up“: „Bad Honnef kann Vorreiter sein“, so Hauser. Die Zusammenarbeit bei Beethoven 2020 oder der Radtour NRW, stärkere Kooperation in regionalen und überregionalen Verbänden, Businessfrühstück, Literaturtage und – angesichts des anstehenden Generationenwandels im Handel – die Frage: „Wie kann man eine Stadt so attraktiv machen, dass sich junge Unternehmer ansiedeln?“: Die Aufgaben sind vielfältig. Leyendecker: „Natürlich muss man die Menschen mitnehmen, erst Vertrauen aufbauen – aber sie müssen sich eben auch mitnehmen lassen.“

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