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Neues Konzept in Brühl: Mehr als schicke Arbeitsplätze

Neues Konzept in Brühl : Mehr als schicke Arbeitsplätze

Der neue „Workspace“ in der Brühler Villa Kaufmann soll Unternehmern Gelegenheit zum Netzwerken bieten.

Vom Internetanschluss über den Besprechungsraum bis zum Empfangsservice und der Tasse Kaffee aus dem Vollautomaten: Einen Arbeitsplatz mit allem Drum und Dran sollen die Nutzer des „Full-Service-Workspace“ in der Brühler Villa Kaufmann vorfinden. Nach mehreren Jahren des Leerstands sind in dem denkmalgeschützten Bau am Rande des Volksparks heute modern gestaltete Büroräume entstanden, in die Unternehmen und Einzelpersonen sich einmieten können.

Doch es geht um mehr als schicke Arbeitsplätze in einem Gebäude mit historischem Charme: „Die Villa war früher für verschiedene Jugendorganisationen schon ein Ort des Austauschs und des Zusammenkommens. Das wollen wir jetzt wieder aufleben lassen“, erklärt Niklas Weiler. Der 25-jährige Betriebswirt ist einer von drei Geschäftsführern des im Frühjahr gestarteten „Workspace“ in der Villa Kaufmann. Die Philosophie dabei: Unternehmer zu vernetzen und sie so erfolgreicher zu machen. Vom gegenseitigen Austausch und der Inspiration innerhalb des Netzwerks sollen alle profitieren.

Vom Rechtsanwalt bis zum Uhrenhersteller

Und das läuft im Alltag unter den „Mitbewohnern“, wie Weiler sie nennt, offenbar ziemlich locker ab – nicht nur beim „Feierabendbierchen“ am Freitag. So stehen beim Rundgang durchs Haus sowohl bei der Brühler Wirtshaus GbR als auch beim Uhrenhersteller Daniel Wellington die Bürotüren zum Flur offen. „Es ist positiv, dass die Infrastruktur schon da ist – Telefon, Internetzugang und vor allem die Besprechungsräume“, findet Wirtshaus-Inhaber Kai Forschbach (39).

Um die administrativen Aufgaben, Personal und Buchhaltung für die drei Häuser in Brühl, Hennef und Bergisch Gladbach kümmere sich sein Team vom angemieteten Büroraum in der Villa aus. In den Wirtshäusern sei es aufgrund des Gästeverkehrs schwierig, in Ruhe Gespräche mit Geschäftskunden und Lieferanten zu führen, sagt Forschbach: „Und es macht natürlich etwas her, hier in eine Villa einladen zu können.“

Ein Bauträger, der in Brühl ein Baugebiet erschließe, wolle die Räume für Beratungsgespräche mit potenziellen Käufern nutzen, sagt Weiler. Und die CDU hatte das Außengelände für ihr Sommerfest gemietet. Für Rechtsanwalt Ulrich Koch (64) hat es nicht nur wirtschaftliche, sondern auch emotionale Gründe, warum er sich ein kleines Büro in der Villa leistet. „Meine Kinder sind in dem Haus bei den Pfadfindern ein- und ausgegangen“, erklärt der pensionierte Geschäftsführer einer Abfallwirtschaftsgesellschaft, der sich nun der Beratung für Interkommunale Zusammenarbeit widmet.

Villa diente früher Jugendorganisationen als Heimat

Ab den 1970er Jahren waren in der 1860 errichteten Villa lange Zeit verschiedene Brühler Jugendorganisationen untergebracht, ehe das Gebäude mehrere Jahre leer stand. „Das Haus war ziemlich ramponiert. Jetzt sagt jeder, der reinkommt: Bohr!“, findet Koch.

1,8 Millionen Euro sind nach Angaben der drei Geschäftsführer Niklas Weiler, Daniel Lublinsky (30) und Pascal Tedjagutomo (30) in die Renovierung der Villa geflossen. Der Vermieter ihrer früheren Büroräume, zu dem sie ein sehr partnerschaftliches Verhältnis hätten, habe den Bau gekauft, saniert und langfristig an sie vermietet, erklärt Weiler. Die drei Partner führen bereits zusammen das Bureau Akkurat für Kommunikation und Branding, mit dem sie samt 13 Mitarbeitern Büros in der Villa nutzen.

Bewusst hätten sie sich für Brühl entschieden: „Das ist nicht so anonym wie vielleicht in Köln oder Bonn“, meint Weiler. Zudem hätten sie alle drei einen Bezug zur Region: Weiler kommt ursprünglich aus Brühl, Tedjagutomo aus Erftstadt, beiden wohnen jetzt in Köln. Lublinsky lebt in Heimerzheim und stammt aus Merten. Als ihre Firma nach und nach gewachsen sei, hätten sie gemerkt, was es bedeute, sich nach neuen Büroräumen umsehen und sich um alles kümmern zu müssen. „Wir wollen unseren Mitbewohnern administrative Zeitfresser abnehmen“, erklärt Weiler. „Wir wollen ihnen die Infrastruktur bieten, damit sie den Fokus direkt auf das richten können, was ihr Geschäft ausmacht.“

Bei Koch kommt das an: „Es gibt Parkplätze für Besucher, der Kühlschrank ist aufgeräumt, ich brauche mich um nichts kümmern, und es herrscht eine fröhliche Arbeitsatmosphäre.“ Nur die Musik zum Feierabendbier am Freitag, die sei „grauenhaft“.

Synergieeffekte und Austausch mit Gästen

Neben dem lockeren Austausch gebe es aber auch Unterstützung untereinander – etwa indem Aushilfen schon mal für verschiedene Nutzer tätig seien – und es komme zu Synergieeffekten, betont Weiler. So kümmere sich das Bureau Akkurat nun um die Programme bei den Kölner Abfalltagen, bei denen Koch Mitinitiator ist. Von Marketingtipps des Bureaus profitiere ein Mieter, der gerade einen Flüchtlingshilfeverein aufbaue. „Und für uns ist seine Arbeit spannend, weil sie den Alltag hier bunt macht.“

Auch ein Austausch mit Gästen von außen ist gewollt. Eine „Kunststunde“ soll vier bis fünf Mal im Jahr mit Musik, Wortakrobatik oder Ausstellungen Besucher in die Villa locken. Zu Themen wie „Führung“, „Marketing“ und „Organisation“ sprechen interne und externe Referenten beim „Impuls-Labor“. Damit wollen die jungen Geschäftsführer Unternehmer aus der Region ansprechen. Für Donnerstag, 19. Oktober, ist der erste Termin geplant.