Sinziger Turmgespräch: Vom Acker zum Ehrenfriedhof

Sinziger Turmgespräch : Vom Acker zum Ehrenfriedhof

In der Reihe der Turmgespräche im Sinziger Schloss stand dieses Mal die Geschichte des Ehrendfriedhofs in Bad Bodendorf auf der Agenda. Franz Krämer referierte über die wechselvolle Geschichte des Ortes in seiner Verbindung zum alliierten Kriegsgefangenen-Durchgangslager Remagen-Sinzig.

War Franz Krämer am Anfang seines Vortrags nicht ganz klar, ob der antike Dichter Horaz das "Sterben für das Vaterland" nun für gut oder schlecht befunden hat, so stellte er mit Bertolt Brecht fest, dass nur "Hohlköpfe" den Tod suchen. Echte Menschen fliehen den Tod. Am 7. März 1945 lag der Zweite Weltkrieg in Remagen und Umgebung in seinen letzten Wehen. Die Brücke war eingenommen und in den Rheinwiesen entlang der "Goldenen Meile" richteten die Amerikaner ein Durchgangslager für die Kriegsgefangenen ein.

Doch die Bezeichnung trügt: Insgesamt 300 000 Kriegsgefangene haben dort auf das ungewisse Ende dieses Krieges und seine Folgen gewartet. Lag die Sterberate mit drei Prozent auch weit unter dem üblichen Durchschnitt, so kam es doch bald zu Todesfällen, entweder durch Flüchtlinge, die auf der Flucht erschossen wurden, die aufgrund der schlechten Witterung starben oder durch Ruhr- und Typhuserkrankungen. Bis zum 28. April 1945 wurden die Toten auf den umliegenden Friedhöfen begraben, die jedoch schnell überfüllt waren.

So beschlagnahmten die Alliierten einen Acker etwa einen Kilometer von Bodendorf entfernt und ließen dort einen Friedhof errichten. Bis zur Aufgabe des Friedhofs am 15. Juli des Jahres - fünf Tage vor Auflösung des Lagers durch die Franzosen - wurden dort 1090 Lagertote begraben. Insgesamt finden sich auf dem Friedhof heute 1213 Gräber. Erst an Allerheiligen 1945 wurde das Gräberfeld als Friedhof eingesegnet.

Bis dahin waren die Toten einfach im Boden verscharrt worden. 1947 kam dann die Kapelle hinzu, die als weithin sichtbares Zeichen auf den Friedhof hinweist, an dem heute traditionell die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag im Kreis Ahrweiler begangen werden.

Hitzige Diskussion

Diese geschichtlichen Fakten würzte Krämer mit den damit verbundenen Geschichten. Er erzählte von Gerhard Dreißigacker, der aus dem aufgezwungenen Dienst bei der Waffen-SS desertierte und im Anschluss unter Lebensgefahr auch die Flucht aus dem Kriegsgefangenenlager schaffte.

Der damalige Bodendorfer Pfarrer, Oskar Czecholinski, sorgte zum einen für die Errichtung des Friedhofs, versorgte Gefangene und Enteignete und verhalf schließlich Klaus Ronken zum Posten des Friedhofswärters, den dieser bis zum 9. Juni 1947 ausübte.

Im Anschluss an den mit Beifall aufgenommenen Vortrag kam es noch zu hitzigen Diskussionen über die sanitäre Lage im Lager, die von einer Legendenbildung überwuchert ist, die den Blick auf die historischen Fakten vernebelt. Auch waren sich die historisch Interessierten im Publikum nicht einig, was genau mit den restlichen Gefangenen nach Auflösung des Lagers geschehen ist. Einig wurde man sich darüber, dass sie nach Andernach transportiert wurden, wo sich dann viele Spuren beispielsweise nach Frankreich hin verlieren.

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