Nachwuchssorgen in der Gastronomie: Weniger junge Menschen wollen Koch lernen

Nachwuchssorgen in der Gastronomie : Weniger junge Menschen wollen Koch lernen

Kochsendungen sind im Fernsehen besonders beliebt – aber immer weniger junge Menschen wollen Koch lernen. Am Montag vergab die Industrie- und Handelskammer Zeugnisse an 31 Prüflinge aus dem Hotel- und Gastrofach.

Die Ausbildung gilt als stressig – ein Drittel der Azubis brechen vorzeitig ab. Auch in anderen Bereichen der sich über steigende Umsätze und eine Rekordzahl an Übernachtungen erfreuenden Gastrobranche werden Nachwuchskräfte händeringend gesucht. Restaurant- und Hotelfachleute werden zunehmend zur Mangelware.

Am Montag vergab die Industrie- und Handelskammer im Ahrkreis Zeugnisse an 31 Prüflinge aus dem Hotel- und Gastrofach. Entgegen dem Trend waren dies an Rhein und Ahr acht mehr als im vergangenen Jahr. Dennoch trügt der Schein. IHK-Geschäftsführer Bernd Greulich: „Von den Zahlen vor zehn Jahren, wo wir noch regelmäßig über 100 Prüflinge im Jahr verabschiedet haben, sind wir jedoch inzwischen weit entfernt.“

„Die Zahl der Ausbildungsverträge ist stark rückläufig. Wir haben ein richtig großes Problem“, so die Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbandes, Ingrid Hartges. Laut Bundesagentur für Arbeit stehen der Zahl der gemeldeten Lehrstellen nicht einmal halb so viele Bewerber gegenüber. Drei Gründe sind hierfür maßgeblich: der demografische Wandel, der Trend zum Studium und das Imageprobleme der Branche. Zu viele Überstunden, zu ungünstige Arbeitszeiten, zu wenig Geld, klagt der Nachwuchs. Nicht nur, dass die Zahl der Schulabgänger stark rückläufig ist. Es hat längst auch ein Run auf die Unis eingesetzt.

Ein Trend, der das Reservoir potenzieller Lehrstellenanwärter schrumpfen lässt. Zudem verschärfen gewöhnungsbedürftige Arbeitszeiten und vergleichsweise geringe Verdienste im Gastgewerbe den Nachwuchsmangel zusätzlich. In einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung kam man 2013 zu dem Ergebnis, dass zwei Drittel der Beschäftigten in der Branche unterhalb der Niedriglohnschwelle entgolten werden.

Dabei steht die Branche eigentlich sehr gut da. 2014 erreichte der Gesamtumsatz des Gastgewerbes in Deutschland mit 73,2 Milliarden Euro ein Allzeithoch. Das Plus gegenüber dem Vorjahr lag bei über drei Prozent. Im Vergleich zu 2010 setzten Restaurants, Hotels, Bars, Gasthöfe, Kneipen, Pensionen und Caterer sogar zehn Prozent mehr um. Parallel dazu stieg die Beschäftigung. Nach Angaben des Branchenverbandes Dehoga waren 2014 rund 1,78 Millionen Menschen in den gut 220 000 Betrieben des Gastgewerbes beschäftigt.

„Insgesamt hat sich die Situation für Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen, in den vergangenen Jahren stark verbessert. Das Angebot an Lehrstellen ist größer geworden. Die Bereitschaft der Betriebe, Azubis einzustellen, ist weiter gestiegen. Wir wissen aber auch, dass es für die Betriebe immer schwieriger wird, geeignete und leistungsfähige Azubis zu finden. Der Wettbewerb um die besten Schulabgänger hat längst begonnen, die Betriebe erhalten immer weniger Bewerbungen und viele Lehrstellen bleiben aus Mangel an Bewerbern unbesetzt“, sagte Greulich zur Schwindsucht beim Nachwuchs.

Der Landkreis besitze im Tourismus einen Schwerpunkt seines wirtschaftlichen Potenzials. Die Ausbildungsbereitschaft in diesem Wirtschaftszweig sei ungebrochen hoch. „Damit das so bleibt und die Restaurants und Hotels weiterhin gute Azubis gewinnen können, muss sich das Gastgewerbe als Arbeitgeber nach außen positiv darstellen. Marketing zur Nachwuchsgewinnung ist also notwendig“, so der IHK-Geschäftsführer.

Auch Kreisbeigeordneter Horst Gies gratulierte den Prüflingen zum Abschluss ihrer Ausbildung. Er betonte, dass gerade im Kreis Ahrweiler der Tourismus einen wichtigen Wirtschaftszweig darstelle. Daher komme der Ausbildung im Gastgewerbe ein hoher Stellenwert zu. Michael Helling, Präsidiumsmitglied des DEHOGA Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz, beglückwünschte die Jugendlichen zu ihrer Berufswahl und zeigte ihnen Perspektiven auf, in dem er über die Stationen seiner eigenen beruflichen Laufbahn berichtete.

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