Spritzhubschrauber im Kreis Ahrweiler: Im Tiefflug gegen Schädlinge

Spritzhubschrauber im Kreis Ahrweiler : Im Tiefflug gegen Schädlinge

"Es ist ziemlich viel Bewegung im Weinbau." Das sagt Hubert Pauly, alter und neuer Präsident des 150 Mitgliedsbetriebe zählenden Weinbauverbandes Ahr. Dabei hadert der Weinbaufunktionär vor allem mit "zunehmender Bürokratisierung und Gängelung der Winzer durch alle möglichen Vorschriften und Dokumentationspflichten".

Die Entscheidungsfreiheit der Winzer nehme mehr und mehr ab, etwa durch die Beschränkung der Einzellage nur noch auf Qualitätsweine über 80 Grad Öchsle beim Spätburgunder. "Das ist ein Riesenproblem für einige Winzer, die seit Hunderten von Jahren ihre Weine als Einzellage vermarkten und das jetzt plötzlich wegen eines Öchslegrades zu wenig nicht mehr dürfen", so Pauly. Nun komme zum Überdruss noch die Kirschessigfliege als Schädling hinzu, gegen den es noch kein brauchbares Gegenmittel gebe.

Auch die zunehmenden Anforderungen der Lebensmittelüberwachung hielten mittlerweile beim Wein Einzug. So müsse inzwischen beim Federweißen der Alkoholgehalt angegeben werden, und demnächst wohl auch noch sämtliche Inhaltsstoffe im Wein. Außerdem sei seitens der EU geplant, bei sämtlichen alkoholhaltigen Getränken Warnhinweise bezüglich der drohenden Gesundheitsgefahren anzubringen, wie man es bereits von den Tabakwaren her kenne.

Das geplante Freihandelsabkommen TTIP und die Globalisierung überhaupt bedrohten die Winzer im kleinen Weinanbaugebiet Ahr ebenfalls. "Alles in allem keine guten Aussichten", so Pauly. Auch die insgesamt neun Hubschrauberspritzungen bis August, die an der Ahr gerade gestartet wurden, gerieten immer mehr in die Diskussion. "Da müssen wir noch mehr als bisher Rücksicht auf die Belange von Anwohnern und Touristen nehmen", sagte der Weinbaupräsident. Der Einsatz des Spritzhubschraubers sei jedoch besonders wegen der Steillagen notwendig: "Ohne Heli geht's nicht." Obendrein gilt an der Ahr ob des wie eine Libelle wirkenden Tieffliegers in Sachen Rebschutz ein geflügeltes Wort: "Bitte nicht füttern."

Probleme gebe es auch mit der Flurbereinigung in Walporzheim. Es sei schlichtweg ein Ding der Unmöglichkeit, die Sanierung der insgesamt 27 Kilometer langen privaten Weinbergsmauern den Weinbergsbesitzern alleine aufzubürden. Die Kosten dafür beliefen sich auf mehr als 30 Millionen Euro. "Wahnsinn, was da abläuft", schüttelte Pauly den Kopf. Letztlich müsse man den ökologischen Wert dieser überwiegend aus dem Mittelalter stammenden Trockenmauern noch deutlicher machen und über diesen Weg versuchen, an Fördermittel, etwa der EU oder auch des Bundes, zu kommen.

Schließlich gehe es darum, die Weinberge in der Walporzheimer Gemarkung attraktiv zu halten für die junge Winzergeneration. Von der könne er gottlob nur Gutes berichten, denn die wollten allesamt das Weinbaugebiet so erhalten, wie es ist und lediglich Lücken schließen oder ihre bereits vorhandenen Lagen ergänzen. Hier werde die Tradition weitergeführt, an einem Strang zu ziehen, um das kleine Weinbaugebiet gegen die großen Konkurrenten in Stellung zu bringen.

Die aktuell eingesetzten Mittel und Flugtermine der Hubschrauberspitzung werden unter www.add.rlp.de und www.mittelrheinische-rebschutz.de veröffentlicht.

Der Spritzplan

Der raubmilbenschonende Spritzplan in den einzelnen Gemarkungen ist in Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum erstellt worden. Die Spritzungen wurden durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion genehmigt. Sie finden im Auftrag der Spritzgemeinschaften Ahr und Öko Ahr in den Gemarkungen Ahrweiler, Altenahr, Bad Neuenahr, Dernau, Heimersheim, Lohrsdorf, Mayschoß, Rech und Ringen statt.

Insgesamt gibt es noch weitere acht Spritzungen: 20. bis 22. Mai, 29. Mai bis 2. Juni, 10. bis 12. Juni, 19. bis 22. Juni, 2. bis 3. Juli und 6. Juli, 13. bis 15. Juli, 23. bis 24. und 27. Juli sowie 3. bis 5. August.