Flüchtlinge im Kreis Ahrweiler: Der lange Weg der Integration

Flüchtlinge im Kreis Ahrweiler : Der lange Weg der Integration

Der Rat der Gemeinde Grafschaft wird sich darauf verständigen, weitere 90.000 Euro für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Dies geht aus der Vorlage zur heutigen Sitzung (18 Uhr, Rathaus Ringen) hervor.

Zudem wird sich das Gremium weiterhin für eine dezentrale Unterbringung der Asylbewerber in der Grafschaft sowie für ein stärkeres gemeindliches Engagement bei deren Integration aussprechen. Alleine 20 000 Euro werden für eine Dolmetscherin ausgegeben.

Auf den Landkreis Ahrweiler entfallen nach dem Verteilerschlüssel 3,2 Prozent der zugewiesenen Flüchtlinge, im vergangenen Jahr waren das 1100. Die weitere Verteilung auf die Kommunen erfolgt ebenfalls auf der Basis eines Schlüssels, der entsprechend dem Anteil der jeweiligen Einwohner festgesetzt wurde. Für die Gemeinde Grafschaft bedeutet dies, dass sie 8,6 Prozent der Flüchtlinge aufzunehmen hat.

Die Zuweisungen an die Kreise werden von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion des Landes organisiert. Dabei gibt es eine durchschnittliche Vorlaufzeit von etwa zwei Wochen. Allerdings: Es gab auch schon Fälle, die lediglich eine Vorlaufzeit von nur einer Stunde hatten, berichtete die Gemeindeverwaltung.

Am Tag ihrer Zuweisung in die Gemeinde Grafschaft werden die Flüchtlinge mit dem Taxi von der Kreisverwaltung zur Gemeindeverwaltung transportiert. Dort erfolgt die Aufnahme im sogenannten „Abrechnungsprogramm mit Ausstellung eines Leistungsbescheides und Zahlbarmachung der vorgesehenen Leistungen“ (Scheckzahlung).

Hinter dieser etwas holprigen Formulierung verbirgt sich ein einfacher Vorgang: Die Flüchtlinge erhalten einen Scheck, der beispielsweise in der gegenüber dem Rathaus gelegenen Bank eingelöst oder auf ein Konto eingezahlt werden kann. Gleichzeitig werden die Asylbewerber im Einwohnermeldeprogramm aufgenommen. Als nächstes erfolgt die Anmeldung bei der Kreisverwaltung in das System der Krankenhilfe. Flüchtlinge erhalten im Krankheitsfall vom Kreis nämlich einen Behandlungsschein. Damit können sie sich bei einem niedergelassenen Arzt oder einem Facharzt untersuchen und behandeln lassen. Es folgt dann die Unterbringung in einer vorbereiteten Unterkunft.

In der Grafschaft stehen Wohnungen aus gemeindeeigenem Bestand aber auch von privaten Mietern zur Verfügung. Gezahlt werden die Miete und die Nebenkosten von Vater Staat, in diesem Fall von der Kreisverwaltung. Bis Ende Februar hatte die Grafschaft insgesamt 25 Wohnungen angemietet.

In den Jahren 2003 bis 2009 betrug die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge jährlich etwa 21, in der Zeit von 2011 bis 2014 wurden im Jahresschnitt 28 Personen aufgenommen. Diese Zahl explodierte in 2015: 150 Hilfesuchende galt es zu betreuen. Aktuell sind in den Unterkünften der Gemeinde 104 Asylbewerber gemeldet.

Zu ihnen gehören auch die Brüder Hassan (36) und Ali (31) Alghzalla aus Syrien. Imad Mardo, ebenfalls ein Syrer, lebt seit zwei Jahren auf der Grafschaft und hilft als Übersetzer. Um sich verständigen zu können, war die Einstellung eines arabischsprechenden Dolmetschers zwingend notwendig.

Auch eine Mitarbeiterin mit sozialpädagogischer Ausbildung erwies sich als nötig. Wichtigstes Ziel sei, den Flüchtlingen Deutschunterricht zu erteilen, erklärte die Gemeindeverwaltung. Auch dies setzt viel Manpower und Engagement voraus. Gerade Imad Mardo legt ein solches Engagement an den Tag. Rund um die Uhr ist er als Dolmetscher ansprechbar, hilft beim Ausfüllen von Formularen oder beim Gang zur Bank.

Um die Neubürger gut integrieren zu können, vermittele man ihnen zunächst, wo sie einkaufen gehen können und werden Arzttermine oder Vorsprachen bei der Kreisverwaltung oder dem Jobcenter vereinbart, erklärte Grafschafts Bürgermeister Achim Juchem. In aller Regel würden die Flüchtlinge dorthin auch begleitet. Damit nicht genug: Es werden Hilfestellungen gegeben bei der sachgerechten Mülltrennung, bei der Nutzung von Haushaltsgeräten oder der Beschaffung von individuellen Bedarf. Die Einrichtung eines Kontos oder die Anmeldung in Schule oder Kindergarten stellen weitere Hürden dar, die nur mit Hilfestellungen aus der Gemeinde gut überwunden werden könnten.

Abgesehen von den Sprachkursen, den notwendigen Behördengängen und den normalen täglichen Gängen haben Asylbewerber nur wenige Möglichkeiten, sich strukturiert zu beschäftigen. Grafschafts Bürgermeister Juchem: „Wir nutzen als Gemeinde im Rahmen der Möglichkeiten die Chance, unseren Flüchtlingen zeitlich eingeschränkte Arbeitsgelegenheiten zu gewähren. So haben wir eine kleine Arbeitsgruppe geschaffen, die aus einem Hausmeister und einigen Flüchtlingen besteht. Sie leisten zusätzliche Arbeit, beispielsweise beim Transport von Möbeln und der Einrichtung unserer Unterkünfte.“

Diese „Arbeit“ wird mit einem „Stundenlohn“ von einem Euro symbolisch vergütet. Hassan Alghzalla aber nutzt diese Möglichkeit gern: Gestern war er mit dem Rasenmäher auf dem Grün rund um das Ringener Rathaus unterwegs. „Die Aufnahme und Betreuung hier in der Grafschaft ist einfach super gewesen“, meint er.