Fünf Tonnen Hilfsgüter für Flüchtlinge: Auf Ernüchterung folgt Spendenflut

Fünf Tonnen Hilfsgüter für Flüchtlinge : Auf Ernüchterung folgt Spendenflut

Eine Kette der Hilfsbereitschaft von Menschen im Kreis Ahrweiler hat eine Eilaktion einer Walporzheimer Marketingagentur ausgelöst. Binnen zehn Stunden hat sie fünf Tonnen an Sachspenden zusammengetragen, die schließlich ankommenden Flüchtlingen auf der griechischen Insel Kos als Erstversorgung zugekommen sind.

"Die Flüchtlingskrise beschäftigt mich persönlich schon seit vielen Wochen. Als Unternehmer hat man auch eine gesellschaftliche Verantwortung. Wir wollten einfach konkret etwas tun", erklärt Initiator Marc Ulrich. Am Montag stellte er fünf seiner Mitarbeiter frei, um einen Tag lang nach Möglichkeiten zu suchen, wo aktiv Hilfe geleistet werden könne. Doch abends waren sie ernüchtert: "Es gab zwar einzelne Aufrufe in der Region zwischen Koblenz und Bonn, aber wenn wir konkret nachgefragt haben, bekamen wir meist die Antwort, dass aktuell kein Bedarf besteht."

Eine Bekannte des Unternehmens lieferte am nächsten Tag den entscheidenden Hinweis: Die erst 18-jährige Marie-Noelle Baron aus Baden-Baden hatte spontan ihren Urlaub gegen Flüchtlingshilfe auf Kos eingetauscht. Inmitten der katastrophalen Situation half sie, Lebensmittel und das Lebensnotwendigste direkt an die ankommenden Flüchtlinge zu verteilen. Zwei Tage waren Zeit, bis ein Flugzeug Hilfsgüter von der Ahr nach Kos fliegen sollte. Bis Mittwochabend mussten also alle Spenden gesammelt, sortiert und fluggerecht verpackt werden.

Spendenaufrufe auf sozialen Netzwerken erreichten schon am ersten Abend 20.000 Menschen. Und lösten eine Welle der Anteilnahme und Solidarität aus. Am Mittwochmorgen stellte die Agentur zwei Teams zusammen, die im Stadtgebiet in Geschäften, bei Zahnärzten und Apotheken um dringend benötigte Sachspenden baten wie Hygieneartikel, Decken, Schlaf- und Rucksäcke sowie Kleidung. Das Mitarbeiter-Restaurant wurde kurzfristig zum Lager umgebaut sowie Speditionskartons, Wegweiser, Etiketten und ein Lkw für den Transport zum Flughafen organisiert. Zusätzlich wurde eine Sortierstraße vor der Agentur eingerichtet, weil für eine effektive Verteilung der Sachspenden am Ziel eine gründliche Vorsortierung aller Waren und die richtige Etikettierung der Kartons wichtig war. "Die Flut der Spenden war enorm. Was uns aber noch mehr begeisterte, war die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Bevölkerung", sagt Ulrich.

In der Spitze seien wohl mehr als 60 Helfer dabei gewesen und beim Anblick von gebündelter Solidarität hätten manche Spender Tränen in den Augen gehabt. Nachdem die Waren bis Mitternacht verpackt worden waren, wurden sie am nächsten Morgen an den Stuttgarter Flughafen transportiert. Da das Volumen indes die Kapazitäten der Airline bei Weitem übertroffen habe und nur in Begleitung einer Person befördert werden könne, entschloss sich Ulrich, mit einer weiteren Ladung nach Kos zu fliegen, auch um sich selbst ein Bild von der Situation dort zu machen.