Bonn: Buschmücken sind auf dem Vormarsch

Bonn : Buschmücken sind auf dem Vormarsch

Ssssssss...! Dieses nervtötende Geräusch hören Menschen rechts und links des Rheins zur Zeit öfter, als ihnen lieb ist. In Ufernähe, aber auch in Wald, Flur und Garten haben sich Stechmücken mit dem seit Wochen anhaltenden schwülwarmen Wetter massenhaft vermehrt.

Unter ihnen ist auch die besonders aggressive Asiatische Buschmücke. Die Kombination aus Nässe und Wärme bietet Mücken und Bremsen dieses Jahr ein ideales Klima, insbesondere in Hochwassergebieten verbreiten sie sich explosionsartig.

Zwar ist die Anzahl sogenannter "Überflutungsmücken" am Rhein nicht so hoch wie an der Elbe, dennoch hat der viele Regen auch in der Bonner Region zu einer verstärkten Ansammlung der blutrünstigen Quälgeister geführt. "Es gibt in diesem Jahr deutlich mehr Mücken als im Vorjahr", so Doreen Werner, Mückenexpertin des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg.

Durch die Globalisierung gelangen immer öfter auch exotische Mücken nach Europa. Zu den 50 verschiedenen Stechmückenarten in Deutschland gehört seit einiger Zeit auch die gefährliche Asiatische Buschmücke, die als Überträger des West-Nil-Virus und möglicherweise weiterer Viren bekannt ist. Wissenschaftler des ZALF und des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) wurden auf den asiatischen Eindringling das erste Mal im Jahr 2011 in Baden-Württemberg aufmerksam.

Um die Mückenvorkommen im gesamten Bundesgebiet besser erfassen zu können, startete das Team um die Biologen Doreen Werner und Helge Kampen anschließend das Projekt "Mückenatlas", das Bürger dazu aufruft, Mückenexemplare aus dem heimischen Garten zu fangen und einzusenden (www.mueckenatlas.de).

Einsendungen der Asiatischen Buschmücke aus Bonn überraschten die Forscher dann im Sommer vergangenen Jahres. In NRW hatte man diese Mückenart zunächst nicht vermutet. Doch auch diesen Sommer wurden erneut Tiere aus Bonn eingeschickt. "Wir gehen davon aus, dass die Asiatische Buschmücke im Bonner Raum mittlerweile fest etabliert ist und dort in Zukunft auch erst mal nicht wieder verschwin- den wird", so Kampen. Larvenfunde gab es außerdem in Alfter und Troisdorf.

Insgesamt umfasst das Territorium der Mücke entlang des Rheins eine Fläche von rund 2000 Quadratkilometern zwischen Köln und Koblenz. Und der asiatische Blutsauger ist auf dem Vormarsch - im Juli wurden erste Funde aus Niedersachsen bekannt.

Für den Laien ist die Asiatische Buschmücke mit bloßem Auge nicht zu erkennen, sondern kann lediglich unter dem Mikroskop identifiziert werden. Das Team des "Mückenatlas"-Projekts freut sich über jedes eingesendete Exemplar und schickt ein individuelles Antwortschreiben mit wissenschaftlichen Daten zurück. "Im letzten Jahr haben wir circa 2000 Mückenexemplare zugeschickt bekommen. In diesem Jahr sind es bereits mehrere Hundert. Unsere Forschung wird dadurch sehr unterstützt", sagt Kampen.

Dass es in diesem Sommer besonders viele Mücken gibt, bestätigen auch Mitarbeiter in Bonner Apotheken. "Die Verkaufszahlen belegen, dass in diesem Jahr deutlich mehr Mückenschutzmittel verkauft werden als im vorigen Jahr", sagt Alexandra Raasch, Inhaberin der Münster-Apotheke am Münsterplatz. Teilweise leiden die Apotheken unter Engpässen, da einigen Händlern bereits die Ware ausgeht. Bei dem beliebten Mückenschutz "Anti Brumm" und einigen Produkten aus dem Sortiment der Marke Autan wurde ein Lieferstopp verhängt.

Um die lästigen Plagegeister vom Haus und nachts vom Schlafzimmer fernzuhalten, rät Expertin Doreen Werner Gartenbesitzern dazu, permanente Wasseransammlungen im Garten möglichst zu vermeiden. "Besonders beliebt bei Mücken sind Regentonnen. Hier sollten Besitzer darauf achten, diese regelmäßig zu kontrollieren und abzuschöpfen, damit sich dort keine Larven bilden können."

Richtig schützen

  • Mückenschutz-Mittel: Von 21 Mitteln, die die Stiftung Warentest untersucht hat, ist nur jedes dritte mit "gut" bewertet worden. Manches, was der Markt bietet, sei sogar völlig wirkungslos, so die Stiftung. Die wirksamsten Mückenmittel im Test hielten die Plagegeister aber für mehrere Stunden zuverlässig fern. Sehr gut gegen Mücken wirkte Anti Brumm forte, gut wirkten Autan Protection Plus Insektenschutz, Azaron before Mücken- und Insektenschutz Spraylotion, Care Plus DEET Anti-Insect Spray 40%, Parazeet Mückenschutz Normale Haut, Nobite Hautschutzgel und Autan Family Care Mückenschutz (mehr auf www.test.de).
  • Ätherische Öle: Als Alternative zu den chemischen Präparaten hält Apotheker Dr. Martin Allwang von der Apotheken-Umschau ätherische Öle nur für bedingt geeignet. "Die Haut mancher Menschen reagiert empfindlich, sie bekommen Allergien", so der Fachmann. Außerdem störe der Geruch manche Nutzer.
  • Vorbeugung: Apotheker Allwang empfiehlt, mehrere Methoden zu kombinieren. Da Mücken mit Vorliebe in der Abenddämmerung stechen und auf Schweiß stehen, sollte man am frühen Abend duschen. Außerdem bevorzugen die Tiere laut Allwang Menschen mit dunkler Kleidung; also besser helle Sachen tragen. Hilfreich sei auch, am Schlafzimmerfenster engmaschige Fliegengitter anzubringen. Für etwas Ruhe in der Nacht.
  • Unbedingt vermeiden: Mückenexpertin Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum rät davon ab, im Falle eines Stiches an der betroffenen Stelle zu kratzen. "Jeder Mensch hat Dreckpartikel unter seinen Fingernägeln. Wenn diese in die Wunde gelangen, kann das zu bösen Entzündungen führen."
  • Übrigens: Dr. Allwang sagt, dass Licht Mücken kaum anlockt. Jemand, der im Hellen lese, werde nicht mehr zerstochen als jemand, der im Dunkeln sitze.
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