Bonner Logistik-Konzern: Post sieht sich auf Wachstumskurs

Bonner Logistik-Konzern : Post sieht sich auf Wachstumskurs

Post-Vorstandschef Frank Appel rechnet fest damit, dass sich die Umstrukturierungen in der Frachtsparte auszahlen werden.

Frank Appel kommt der Name Amazon auf der Bilanzpressekonferenz nicht über die Lippen. Lieber spricht der Vorstandschef der Deutschen Post DHL von „unseren Kunden“ und dem Markt: „Es ist schön, wenn sich Unternehmen für unseren Markt interessieren“, sagt Appel betont gelassen auf die Frage, wie er die Pläne des Internetunternehmens wertet, eine eigene Zustellung aufzubauen. In München testet der Onlinehändler die Zustellung in Eigenregie. Derzeit ist Amazon ein großer DHL-Postkunde. Die Branche ist angesichts der Amazon-Pläne in Aufruhr.

Vorstandskollege Jürgen Gerdes ist da unbefangener: „Amazon wird unser Kunde bleiben“, sagt Gerdes, der für das Paket- und Briegeschäft der Post zuständig ist. Aus den Ausführungen Amazons zu den Zustellplänen sei zu schließen, dass dadurch keine tiefgreifenden Veränderungen zu erwarten seien. „Wir sind völlig entspannt und unaufgeregt“, sagt Briefchef Gerdes. Diese Mal veranstaltete die Post ihre Bilanzpressekonferenz im Innovationszentrum in Troisdorf zwischen Formel-1-Boliden, 3-D-Druck-Anwendungen und einem DHL-Lastwagen.

Grundsätzlich sieht sich die Post auf dem richtigen Wege. Nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr nach Problemen mit einem neuen Computersystem in der Frachtsparte die Notbreme gezogen und die Gewinnprognose gesenkt hatte, soll in diesem Jahr der Gewinn der eigentlichen Geschäftstätigkeit vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2,41 auf 3,4 bis 3,7 Milliarden Euro steigen. 2015 war der operative Gewinn auf 2,41 Milliarden Euro eingebrochen, nachdem er im Vorjahr bei 2,97 Milliarden Euro gelegen hatte.

Appel rechnet fest damit, dass die positiven Effekte der Umstrukturierungen in der Fracht- und der Supply-Chain-Sparte sich auszahlen werden. Die Post erledigt bei Supply Chain für eine Reihe von anderen Unternehmen, die so ihre Kosten drücken können, die Logistik. Bei ihrer Frachtsparte konnte die Post erstmals seit mehr als zwei Jahren den Gewinnrückgang stoppen. Belastet wurden die Geschäfte im vergangenen Jahr durch einen langen Streik. Finanzvorstand Larry Rosen bezifferte die Gesamtbelastung durch den Streik auf 170 Millionen Euro. Es seien vor allem Belastungen durch Umsatzausfälle gewesen. Die Bonner schütten eine zum Vorjahr unveränderte Dividende von 85 Cent je Aktie aus.

Die Grenzkontrollen in Europa im Zuge der Flüchtlingskrise, durch die andere Logistikunternehmer längere Fahrtzeiten und höhere Kosten befürchten, sieht Appel gelassen. Die Konflikte wirkten sich auf die wirtschaftliche Entwicklung der Post nicht sehr stark aus. „Die Stimmung des Kapitalmarktes ist deutlich schlechter als die Realität“, so der Vorstandschef.

Die Post will laut Gerdes ihr Paketgeschäft von Deutschland, den Benelux-Staaten, Polen, Tschechien, der Slowakei und Österreich auf Frankreich, Schweden, Dänemark, Norwegen, Estland, Lettland und Litauen ausweiten. „Am Ende wird ein flächendeckendes Netz entstehen“, sagte er. Inwieweit die Post ihre in Deutschland erfolgreichen Packstationen in weiteren Ländern aufbaut, will der Konzern noch nicht sagen. Bisher betreibt der Konzern in seinem Heimatland etwa 2750 Packstationen sowie weitere 150 verteilt auf Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Österreich. Dort können die Kunden ihre Pakete abholen oder eigene aufgeben. Ausweiten will die Post ihr System der Paketkästen, die sowohl an Ein- oder Mehrfamilienhäusern aufgestellt werden. Auch die Zustellung mit einer Drohne wird weiter erprobt. Zuletzt, so Jürgen Gerdes, startete der „Parcelcopter“ aus einer Packstation, deren Dach sich öffnete, und landete auch so wieder. „Der sicherste Platz ist an der Spitze der Bewegung“, sagte Gerdes über die Innovationstätigkeit des Konzerns.

Beim E-Postbrief, wo Emails so sicher wie Briefe verschickt werden sollen, hat die Post im vergangenen Jahr einen Umsatz von 500 Millionen Euro erzielt und die Gewinnzone erreicht. Gerdes setzt in diesem Jahr auf einen weiteren Ausbau des Geschäftes in Deutschland. Eine Ausweitung des Angebotes auf andere Länder ist noch nicht geplant.

Der Krankenstand der Beschäftigten bei der Post liegt bei fünf Prozent und liegt damit deutlich höher als in anderen Branchen. Personalvorstand Melanie Kreis sieht als Ursache vor allem das Alter der Beschäftigten in Deutschland mit einem Durchschnitt von 46 Jahren. Es werde im Vergleich zu anderen Branchen auch körperlich hart gearbeitet. Die Post setze deshalb auf Hilfsmittel wie Elektrofahrräder und Gesundheitsschutz.

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