Insolventes Kölner Autohaus: Dirkes schließt Standorte in Bonn und Region

Insolventes Kölner Autohaus : Dirkes schließt Standorte in Bonn und Region

150 Mitarbeiter des insolventen Kölner Autohauses Dirkes wurden am Freitag freigestellt. Die Standorte in Bonn, Troisdorf, Sankt Augustin und Frechen werden im September geschlossen.

Beim insolventen Autohaus Dirkes wurden am Freitag 150 Mitarbeiter unwiderruflich freigestellt. Im September würden die Standorte Frechen, Bonn, Troisdorf und Sankt Augustin geschlossen, so der Insolvenzverwalter Jens Schmidt. Drei Kölner Standorte waren zuletzt bereits geschlossen worden. Jetzt werde der Geschäftsbetrieb auf den Standort in Ehrenfeld konzentriert, aber auch hier bis spätestens Ende Oktober eingestellt, so Schmidt. Darüber hat er die Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung informiert.

Warum muss der Betrieb eingestellt werden?

„Trotz intensiver Gespräche und Verhandlungen war kein Investor bereit, die Dirkes-Autogruppe zu übernehmen“, teilte Insolvenzverwalter Schmidt mit. Bereits zuvor hatte er mitgeteilt, dass insbesondere die Neuwagenverkäufe des Hauses, das Anfang Juni Insolvenz angemeldet hatte, „existenzvernichtend“ gering seien. So ist der Gruppe wohl das Geld ausgegangen. Dirkes-Eigner Frank Perez hat vor der Belegschaft zwar die Hoffnung geäußert, dass es doch noch eine Lösung geben könnte. Schmidt schätzt dagegen die Chancen auf Fortführung als gering ein.

Ein Krisenfall ist das Unternehmen laut Schmidt schon länger. Die Gruppe sei in den letzten Jahren stark gewachsen, etwa durch einen bundesweiten Gebrauchtwagen- und Ersatzteilehandel. Dafür habe es nicht die richtigen Strukturen gegeben. Auch habe es eine Ballung von Niederlassungen gegeben, darunter allein vier Standorte in Köln.

Was wird aus den Mitarbeitern?

Dirkes hat insgesamt 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 70 sollen noch laufende Aufgaben erledigen. Da geht es etwa um Fahrzeugauslieferungen und den verbliebenen Service. Im Wesentlichen wird der Geschäftsbetrieb geordnet zurückgefahren. Mit dem Betriebsrat soll es Gespräche über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan geben. Voraussichtlich im September würde den Mitarbeitern gekündigt. Die 70 Mitarbeiter bekommen noch Gehalt von Dirkes. Wenn sie gekündigt werden, dann mit einer Frist von drei Monaten zum Monatsende.

Was bedeutet „unwiderruflich freigestellt“?

Die 150 Mitarbeiter müssen zum einen nicht mehr arbeiten. Sie sind beschäftigungslos, wie die NRW-Regionaldirektion der Arbeitsagentur erklärt. Sie bekommen auch kein Geld von Dirkes. Sie können aber Arbeitslosengeld zwischen 60 und 67 Prozent des Nettoentgelts erhalten. Diese Mitarbeiter sollten sich bald bei der Arbeitsagentur melden und Arbeitslosengeld beantragen, empfiehlt die Agentur.

Wie sieht es mit neuen Jobs in der Branche aus?

Wie ihre Chancen auf einen neuen Job sind, hängt natürlich von den einzelnen Mitarbeitern und den ausgeübten Berufen ab. Autoverkäufer hatten sich zum Teil schon während der Insolvenz neue Arbeitgeber gesucht und gefunden. Und generell gibt es einen Fachkräftemangel im Kfz-Gewerbe. Schon jetzt würden sich bei Dirkes Wettbewerber melden, die Mitarbeiter suchen, so ein Sprecher des Insolvenzverwalters.

Was bedeutet das für die Kunden?

Mindestens 150 Verbraucher haben Anzahlungen geleistet oder ihren alten Wagen in Zahlung gegeben. Mit dem Insolvenzantrag Anfang Juni wurden aus den Anzahlungen Insolvenzforderungen, hatte Insolvenzverwalter Schmidt bereits vorher erläutert. Für sie gibt es aber noch Hoffnung. Zuletzt haben Autohersteller den Neuwagenkäufern Hilfe angeboten. Mitsubishi lässt die Autos über andere Händler ausliefern und rechnet Anzahlungen oder komplette Kaufpreis vollständig an. Nissan sucht nach eigenen Angaben individuelle Lösungen für jeden Kunden. Und auch Citroen und Fiat suchen Kontakt zu den Kunden.

Was ist mit Garantieleistungen?

Bei von Anfang an fehlerhafter Ware hat der Händler innerhalb von zwei Jahren eine Pflicht zur Gewährleistung. Er muss die Ware kostenlos reparieren oder austauschen. Im Falle einer Insolvenz muss sich der Kunde an den Insolvenzverwalter wenden, der entscheidet, ob er die Ansprüche erfüllt. Für Neuwagenkäufer gibt es aber die freiwillige Garantie der Hersteller. Mangelhafte Ware können die Kunden im Rahmen der Garantie direkt dort beanstanden.

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