Kommentar zur Postbank: Keine Bauruine

Kommentar zur Postbank : Keine Bauruine

Es ist keine Frage, ob weitere Jobs in der Postbank wegfallen werden. Die Frage ist vielmehr, wie viele es sein werden.

Bauprojekte haben lange Planungszeiten, sind teuer und mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Der neue Bürokomplex am Bundeskanzlerplatz entsteht auf einem Bonner Filetstück, am Rande des früheren Regierungsviertels. Der Projektentwickler Art-Invest Real Estate glaubte, mit der Postbank als Mieter einen guten Fang gemacht zu haben. Drei Viertel der 60.000 Quadratmeter Nutzungsfläche sind für das frühere Postunternehmen reserviert. Der Immobilienstandort ist so attraktiv, dass sich inzwischen ein neuer Eigentümer gefunden hat: Den Bürokomplex hat die Immobiliensparte der Union Investment gekauft. Ein Fehlinvestment?

Sicherlich nicht. Bonn ist Zuzugsregion, die Dienstleistungsarbeitsplätze wachsen weiter, Büroräume im Zentrum sind begehrt, und für Vorzeigeimmobilien an diesem Standort werden sich neue Mieter finden. Eine Bauruine wird an der Stelle nicht entstehen.

Von dieser Frage zu trennen ist das Schicksal der Postbank. Es ist leider keine Frage, ob weitere Jobs in dem früher selbstständigen Kreditinstitut mit seiner besonderen Geschichte als ehemaligem Staatsunternehmen wegfallen werden. Die Frage ist vielmehr, wie viele es sein werden. Dabei sind sich die Postbank-Mitarbeiter im Klaren, dass sie ihr Schicksal mit dem anderer Geldinstitute teilen, die dem rauen Wind der Digitalisierung ausgesetzt sind. Dazu kommt die Ertragsschwäche durch die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank, die eine Folge der Finanzkrise ist. Sie dauert nun schon mehr als zehn Jahre. Das ist auch der Zeitraum, in dem Bauprojekte entwickelt werden. Ein Grund für die Unwägbarkeiten.

Mehr von GA BONN