Razzien in Düren und Köln: Polizei nimmt sechs mutmaßliche Islamisten fest

Razzien in Düren und Köln : Polizei nimmt sechs mutmaßliche Islamisten fest

Abgehörte Gespräche veranlassen Ermittler zur Festnahme mutmaßlicher Islamisten. Ein Verdächtiger war ein Imam.

Es war ein Satz, der die Sicherheitsbehörden in größte Alarmbereitschaft versetzte: Ein islamistischer Gefährder (30) sagte in einem abgefangenen Gespräch, dass er bereit sei, „ins Paradies“ zu gehen, dass er den „Aufstieg in die höchste Stufe des muslimischen Glaubens“ anstrebe. Für die Ermittler ein deutliches Zeichen, dass der Verdächtige einen Anschlag verüben könnte. Die Kölner Polizei erhielt am Dienstag Kenntnis über das möglicherweise tödliche Vorhaben und löste einen Großeinsatz aus.

Fahnder nahmen am Donnerstag in Düren und Köln sechs Verdächtige in Gewahrsam – unter ihnen einen Prediger (30) aus der Fussilet-Moschee in Berlin-Moabit. In diesem Gebäude hielt sich vor dem Anschlag am Breitscheidplatz in Berlin der Attentäter Anis Amri auf. Inwieweit der Prediger Wael C. und der Attentäter Kontakt hatten, teilten die Ermittler nicht mit. Bei dem Prediger handelt es sich um einen deutsch-libanesischen Konvertiten, der seit Jahren als Gefährder bekannt ist. Er gilt in dem Fall als Hauptverdächtiger und soll den alarmierenden Satz mit dem „Paradies“ gesagt haben.

In der Berliner Moschee war der Mann längere Zeit stellvertretender Imam. Dann zog er kürzlich zu einem 21-jährigen Freund nach Düren – möglicherweise, um einen Anschlag vorzubereiten. Der Verdächtige gründete laut Polizei eine Trockenbaufirma und arbeitete mit mehreren Männern in einem Gebäudekomplex an der Straße Hohe Pforte in der Kölner Innenstadt.

Dort war der zweite Schwerpunkt der Großrazzia der Polizei am Donnerstag. Befürchtet wurde, dass die Verdächtigen dort Sprengstoff versteckt haben. Ein Sprengstoffspürhund schlug bei einer Durchsuchung an. Experten des Landeskriminalamtes waren bis zum Abend auf der Suche nach dem explosiven Gemisch, fanden aber nichts. Ein Arbeiter auf der Baustelle sagte, dass am Mittwochabend dort sechs verdächtige Männer an einer Dachkonstruktion gearbeitet hätten. Möglicherweise sei dabei etwas versteckt worden.

Namen auf der Gefährderliste

Kölns Kripochef Stephan Becker machte am Donnerstag deutlich, dass die Behörde „zum Handeln gezwungen“ gewesen sei. Es habe für den Einsatz keine Alternative gegeben. Denn neben dem Prediger habe sich auch der 21-Jährige „zunehmend radikalisiert“. „Wir haben Erkenntnisse, dass der 21-Jährige vor kurzer Zeit den Treueschwur auf den IS abgelegt hat und eine hohe Gewaltbereitschaft an den Tag legt“, betonte Becker. Der Mann wird nach Angaben aus Behördenkreisen einer Gruppe militanter Salafisten zugerechnet und steht auf der Gefährderliste der Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen. Diese schätzen den 21-Jährigen als labil und leicht beeinflussbar ein, wie es hieß. In dem abgehörten Gespräch zwischen den beiden soll über Bomben gesprochen worden sein. Auch ein Anschlag mit einem Auto soll ein Thema gewesen sein. Bei zwei weiteren Verdächtigen handelt es sich um zwei deutsche Konvertiten im Alter von 20 und 21 Jahren. Zudem wurden zwei Verdächtige auf der Baustelle gefasst, die aber später wieder auf freien Fuß gesetzt wurden.

Um weitere Erkenntnisse zu bekommen, wurde auch die ehemalige Wohnung des 30-Jährigen in Berlin durchsucht. In den Räumen in Düren fanden die Ermittler Baseballschläger und Messer. Außerdem stellten die Polizisten in Düren zwanzig Handys, Festplatten, Laptops und einen Router sicher. Zudem fanden sie eine Flasche mit Flüssigkeit, die am Donnerstag noch untersucht werden sollte. Bei dem Zugriff durch Spezialkräfte hätten die Männer „leichte Gegenwehr“ gezeigt, sagte ein Polizeisprecher. Zu ernsthaften Verletzungen sei es dabei nicht gekommen.

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