"Symbol für Menschlichkeit": Mentorenprogramm für 500 Flüchtlinge gestartet

"Symbol für Menschlichkeit" : Mentorenprogramm für 500 Flüchtlinge gestartet

Die Evangelische Kirche, das Rote Kreuz und die Caritas starten ein Menorenprogramm für 500 Flüchtlinge. Persönliche Helfer für die Schutzbedürftigen sollen vor deren Ankunft geschult werden.

Es geht um 500 Flüchtlinge. Menschen aus Syrien, die derzeit in Lagern in Jordanien und dem Libanon hausen. Sie sollen in den nächsten Monaten nach Deutschland kommen: per Flugzeug, und nicht über den gefahrvollen Weg über das Mittelmeer. Als besonders Schutzbedürftige wurden sie ausgesucht vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, und von vornherein mit einem dreijährigen Aufenthaltsstatus ausgestattet. Und versehen mit einem persönlichen Helferkreis von jeweils fünf Personen, die sich schon vor Ankunft der Menschen in Deutschland Gedanken um deren Integration machen.

Das ist der Kern des Projektes „Nest – Neustart im Team“, das die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW), das Deutsche Rote Kreuz und der katholische Caritasverband gegenwärtig vorbereiten. Am Mittwoch stellten es Kirchenvertreter in Berlin der Öffentlichkeit vor.

„Als Kirchen haben wir immer wieder die Forderung nach legalen und sicheren Zugangswegen nach Europa erhoben“, sagte der Bevollmächtigte der EKD am Sitz der Bundesregierung, Prälat Martin Dutzmann. „Nest“ sei ein Pilotprojekt, dass die „Resettlement“-Programme der EU ergänze, bei denen sich Deutschland zur Aufnahme von rund 9700 Flüchtlingen verpflichtet habe. Zu den Besonderheiten von „Nest“ gehört, dass die jeweiligen Helferkreise auch Teile der Kosten für die Flüchtlinge übernehmen: Sie zahlen für mindestens zwei Jahre deren Kaltmiete.

Bislang hätten sich mindestens 25 entsprechende Mentorengruppen zusammengefunden, 13 davon im Bereich der EkvW, sagte der Bielefelder Oberkirchenrat Ulrich Möller. Sie werden von der EkvW etwa für die Mietkosten mit einem Fonds unterstützt, der derzeit 425 000 Euro enthält. „Wir wissen, dass dieses Programm allein die Probleme der Geflüchteten nicht lösen können wird“, sagt Möller. „Aber vielleicht ist es ein Stachel gegen die Gleichgültigkeit, gegen das Wegsehen und Verdrängen, ein Zeichen, ein Anfang, ein Symbol für Menschlichkeit.“ Das Programm habe das Potenzial, mittelfristig auch 150 000 und mehr Flüchtlinge in Deutschland erfolgreich zu integrieren.

Geschult werden die ehrenamtlichen Helfer am Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW in Schwerte-Villigst. „Das sind engagierte, sehr pragmatische, lösungsorientierte Menschen, gut im Gemeinwesen vernetzt, keine Traumtänzer“, sagt Edgar Born, der die dafür zuständige Stelle leitet. Alle hätten sich entschieden, nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Familien aufzunehmen. „Wir planen Ehrenamt von Anfang an ein als selbstbewusstes Element des Programms, weil genau dadurch die Integration gefördert wird.“ Dass das Programm auch scheitern könnte, oder Menschen nach Ablauf der drei Jahre keinen dauerhaften Aufenthaltsstatus bekommen könnten, davon ging am Mittwoch keiner der Kirchenvertreter aus. „Warum sollte das scheitern?“, fragte Born. „Das Programm bietet doch von ganz vielen Seiten das Versprechen, dass man es miteinander schaffen will.“

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