Folgen des Klimawandels: Klöckner will Mischwälder umbauen

Folgen des Klimawandels : Klöckner will Mischwälder umbauen

Agrarministerin Julia Klöckner schlägt Alarm für den Wald und wird von Umweltorganisationen gelobt. Doch für Anpflanzungen von Setzlingen fehlt das Personal.

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat die Lage des deutschen Waldes als dramatisch bezeichnet und will ihn mit der Anpflanzung von Dürre erprobten Laubbäumen vor dem Klimawandel retten. „Wir haben eine Zäsur draußen im Wald“, sagte sie nach einem Treffen mit Verbänden aus dem Energie-, Naturschutz- und Forstbereich. Für übergreifende Nothilfen stellt sie sich auf Bundeszahlungen von einer halben Milliarde Euro aus dem Klimafonds ein. Forstexperten fordern mehr als zwei Milliarden Euro.

Der Leiter des Instituts für Waldökosysteme, Andreas Bolte, mahnte: „2019 ist der Klimawandel endgültig im Wald angekommen. Ich sehe in diesem Jahr einen Warnschuss.“ Die Umweltorganisationen Greenpeace und WWF lobten das Treffen mit Klöckner.

Die Ministerin kündigte an, bei dem von ihr für den 25. September einberufenen nationalen Waldgipfel von Bund und Ländern würden Leitlinien zur Rettung des Waldes erarbeitet. Sie verwies darauf, dass in diesem Jahr schon jetzt Laubbäume ihre Blätter verlören, Buchen vertrockneten. Es geschehe „Dramatisches“. In rund zwei Jahren seien 110.000 Hektar Wald durch Dürre, Stürme und Schädlinge zerstört worden und stünden nicht mehr als „Helfer“ gegen CO2-Emmissionen bereit. „Hätten wir den deutschen Wald nicht, dann hätten wir 14 Prozent mehr CO2-Emissionen.“ Am Mittwoch hatte der Bund der Deutschen Forstleute erklärt, 2019 werde sich die zerstörte Waldfläche vermutlich auf 250 000 Hektar verdoppeln.

Es müsse Schadholz geborgen und Wälder aufgeforstet werden, sagte Klöckner. Sie betonte: „Ich stehe für klimaangepasste Mischwälder.“ Der Waldumbau werde Jahrzehnte dauern. Ein Problem sei, dass zwar eine Milliarde Setzlinge bereitstünden, die Forstwirtschaft aber nicht genügend Personal zum Einpflanzen habe, weil es in einigen Bundesländern Einstellungsstopps gebe. Sie könne sich aber vorstellen, dass sich Studenten, Auszubildende und Bürgerinitiativen unter fachlicher Anleitung für Pflanzaktionen engagieren würden, sagte Klöckner.

Experte Bolte beschrieb eine mögliche Hilfe aus dem Ausland. In Ungarn wachse etwa die Traubeneiche, die sich an Hitze und Trockenheit evolutionär angepasst habe. Es gebe allerdings viele Restriktionen, Setzlinge und Saatgut aus anderen Ländern einzuführen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der als Bundesratspräsident in diesem Jahr die Feiern zur Wiedervereinigung ausrichtet, rief die Bürger zu einer großen Baumpflanzaktion auf. Wenn jeder Mensch jedes Jahr zum Tag der Deutschen Einheit einen Baum pflanzte oder spendete, entstünde jährlich eine Waldfläche mit 83 Millionen Bäumen.

Gesche Jürgens von Greenpace beklagte, die natürliche Widerstandsfähigkeit der Wälder werde durch die industrielle Forstwirtschaft geschwächt.

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