Urlauber springt von Balkon

Brite verklagt Hotel auf Mallorca nach Balconing-Unfall

Jugendliche vor Bars und Diskotheken in Magaluf.

Jugendliche vor Bars und Diskotheken in Magaluf.

Ein britischer Urlauber hat ein Hotel auf Mallorca verklagt, nachdem er von einem Balkon gesprungen war und sich dabei verletzt hatte. Das Hotel in Magaluf soll die Arztrechnung bezahlen - für eine Verletzung, die sich der Brite selbst zugeführt hat.

Es ist eine Mutprobe meist jüngerer Mallorca-Urlauber, die oft mit schweren Verletzungen oder gar tödlich endet: das sogenannte Balconing, bei dem versucht wird, aus zum Teil extremer Höhe beispielsweise in den Hotel-Pool zu springen. 2018 gab es gleich mehrere Balconing-Todesfälle auf der Baleareninsel. Meist sind die Springer stark alkoholisiert oder stehen unter Drogeneinfluss - und können somit die Gefahr nicht einschätzen.

So offenbar auch beim jüngsten Fall, der sich - wie so viele Balconing-Fälle - im vor allem bei britischen Urlaubern so beliebten Ferienort Magaluf ereignet hat. Der junge Mann wollte laut "Mallorca Zeitung" am vergangenen Montag aus dem ersten Stock auf einen Baum springen. Doch die dünnen Äste hielten seinem Gewicht nicht stand und er stürzte fast ungebremst auf den Boden. Dabei brach sich der Brite das Schlüsselbein und mindestens eine Rippe.

Vorgetäuschter Unfall am Hotel-Pool

Anschließend behauptete der junge Mann, er sei am Pool ausgerutscht und habe sich dabei die schweren Verletzungen zugezogen. Besonders dreist: Die Arztrechnung in angeblicher Höhe von 37.000 Euro soll nun das Hotel bezahlen.

Doch das Hotel witterte schnell, dass hier etwas faul ist und engagierte ein Versicherungsunternehmen. Und tatsächlich: Die Experten brauchten gar nicht lange, um den Betrug zu beweisen. Denn der Brite war bei seinem Sprung gefilmt worden und das Video schließlich im Internet gelandet. Darauf ist genau zu erkennen, wie der junge Mann vom Balkon springt, durch den Baum stürzt und schließlich hart auf dem Boden aufschlägt.

Die Forderung des Urlaubers wurde somit zurückgewiesen. Ob das Hotel nun die Spieß rumdrehen wird und rechtliche Schritte gegen den Briten einleitet, ist nicht bekannt.

Trickbetrug wie "Durchfall-Masche"

Mallorca-Urauber hatten auch schon in der Vergangenheit versucht, Hotels abzuzocken. Vor allem britische Touristen zeigten sich dabei äußerst kreativ: So erstritten in den vergangenen Jahre etliche Briten Schmerzensgelder von Hotels, nachdem sie sich angeblich Lebensmittelvergiftungen zugezogen hatten. Allein 2017 identifizierte die spanische Polizei rund 800 mutmaßliche Betrüger, die als Touristen auf den Balearen durch vorgetäuschte Lebensmittelinfektionen die Erstattung ihrer Reisekosten erreicht haben sollen. Es handele sich ausnahmslos um Briten, die mit Hilfe von Anwaltskanzleien daheim Klagen gegen Reiseveranstalter und Hotels eingereicht hatten.

Die "Durchfall-Masche" sollen Urlauber aus Großbritannien in Spanien jahrelang praktiziert haben. Oft soll schon der Kauf eines Durchfallmittels und der dazugehörige Kassenbon als Beweis für eine Erkrankung im Hotel ausgericht haben. Doch die Masche flog schließlich auf - eine kriminelle Bande steckte hinter diesen Trickbetrügen.