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Haus Hedwig: Viel Farbe in Rhöndorf

Haus Hedwig : Viel Farbe in Rhöndorf

Bei schönem Wetter flutet das Licht den ehemaligen Speisesaal des Müttergenesungswerks Haus Hedwig in Rhöndorf, lässt die scheckigen Wände aufleuchten, die die Kulisse zu einem ganz besonderen Schauspiel bieten.

„Es fühlt sich an, als würde die Farbe aus dem einen Bild von Katharina Grosse heraus durch die Farbtische von Yves Klein durch- und in das nächste Bild von Katharina wieder hineinfließen“, schwärmt die Sammlerin Andra Lauffs-Wegner in ihrer neuen Jahresausstellung.

Es ist die bereits vierte im KAT_A (Kunst am Turm), und sie zeigt wieder eine neue Seite dieser Sammlung. Während die letzte Präsentation – unter anderem mit der deutschen Biennale-Vertreterin Anne Imhof, die in Venedig den Goldenen Löwen holte – ausschließlich sehr aktuelle Positionen präsentierte, wirkt die Ausstellung 2018 im besten Sinne wie aus der Zeit gefallen. Es geht um Farbe und Licht, um den Aggregatzustand von Pigmenten und den nicht versiegenden Zauber der Malerei, schließlich auch um eine sehr originelle Begegnung zweier außergewöhnlicher Künstler.

Die 56-jährige Malerin Katharina Grosse, Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf, trifft auf Yves Klein, die 1962 gerade einmal 34-jährig gestorbene Lichtgestalt der Avantgardegruppe Nouveaux Réalistes. Genauer: Yves Kleins charakteristisches tiefes Ultramarinblau („International Klein Blue“, I.K.B.) begegnet dem überbordenden Farbkosmos von Katharina Grosse – ein Erlebnis.

Farbnebel und Überlagerungen

Grosse ist durch etliche Ausstellungen im Kunstmuseum Bonn und die riesige Scherbenform „In Seven Days Time“ vor dem Museum in der Region sehr präsent. Und doch gelingt es Lauffs-Wegner, neue Facetten dieses ungemein spannenden Werks zu zeigen. So begegnen einander ein Bild mit gazeartigen, diagonalen Schlieren von 2005 eine eher strenge, aus vier rechteckigen Farbfeldern bestehenden Arbeit von 2009 und das fast sechs Meter breite, hochkomplexe Werk von 2016, in dem der Fluss der Farbe anhand von tropfenden Farbspuren ablesbar ist. In der Kapelle von Haus Hedwig hängt eine weitere große gesprühte Arbeit von Grosse, die virtuos einen Pink-Grün-Gelb-Akkord durchdekliniert.

In der Ausstellung treffen Grosses Farbnebel, Schlieren und raffinierte Überlagerungen auf den Minimalismus von Klein, der meinte: „Ich glaube, in Zukunft wird man nur noch Bilder mit einer einzigen Farbe malen, Bilder, die zugleich nichts anderes als Farbe zeigen. Ich will damit sagen, es wird keine Zeichnung, keine Linie, keine Form mehr geben, nur mehr Einfarbigkeit, die schön gleichmäßig auf der Leinwand verteilt ist...“

Seine Vision ist nur Vision geblieben, wie das Farbschauspiel Grosses eindrucksvoll zeigt. Opulenz trifft auf Askese. Und Kleins betörendes, poetisches Blau, das sich in der Ausstellung in Farbschwämmen, Pigmenttischen und Bildern manifestiert, bleibt in seiner hypnotischen Sogkraft zeitlos faszinierend. „Ich bin mit Yves Kleins Kunst groß geworden“, erzählt Lauffs-Wegner, jedes Werk von ihm sei ein Stück Familiengeschichte. In ihrer Jahresschau zeigt sie auch weitere Werke: Im Park ist Robert Indianas Pop-Art-Ikone für alle Liebenden, „LOVE“, zu sehen. Ferner – vis-à-vis der Kaukasischen Flügelnuss, einem der mächtigen Bäume im Park – eine rückwärts rotierende Uhr von Alicja Kwade. Alles wie aus der Zeit gefallen.

Kat_A, Drachenfelsstraße 4-7, Bad Honnef-Rhöndorf. Führungen nach Anmeldung unter info@kat-a.de.