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Ausverkauftes Palladium: So war das Konzert von Massive Attack in Köln

Ausverkauftes Palladium : So war das Konzert von Massive Attack in Köln

Guter Sound, viele alte Songs, zweifelhafte Gäste: Massive Attack überzeugen im ausverkauften Kölner Palladium nur teilweise.

Auch die Avantgarde von gestern kommt zwangsläufig in die Jahre. So feierten rund 4000 Fans im ausverkauften Palladium in Köln das 30-jährige Bestehen von Massive Attack, dem Aushängeschild einer damals neuen Musik-Mixtur, die von der Industrie schnell als Trip-Hop oder Bristol Sound vermarktet wurde. Die Stil-Mischung basiert auf Soul, Dance, Rap und Jazz, die mittels elektronischer Samples zusammengepuzzelt wird, unterlegt mit mal wuchtigen oder mal leichteren Dub-Rhythmen.

Das massive Gitter im Bühnenhintergrund erscheint als Visualisierung eines klaustrophobischen Seelenzustands, und in der Tat verströmen insbesondere die Songs der jüngsten EP „Ritual Spirit“, zu denen als Gäste der Sänger Azekel und die Young Fathers auf die Bühne kommen, eher die Niedergeschlagenheit einer massiven Depression, als die Aufbruchstimmung eines massiven Angriffs, wie der Bandname vermuten lassen könnte. Die Young Fathers hatten zuletzt wegen ihrer Israel-feindlichen Haltung für ein mehr als peinliches Ping-Pong-Spiel von Ein- und Ausladungen zur Ruhrtriennale gesorgt.

Überdurchschnittlich guter Sound in der Fabrikhalle

Doch zunächst ist es Horace Andy (Jahrgang 1951), der mit einem anrührenden „Hymn of the Big Wheel“ in die Anfänge der Gruppe, die damals von 3D (Robert Del Naja, Jahrgang 1966), Daddy G. (Grant Marshall, Jahrgang 1959) und Mushroom (Andrew Vowles, Jahrgang 1968) gegründet wurde, zurückleitet. Der Sound in der ehemaligen Fabrikhalle ist überdurchschnittlich gut und Andy singt mit überwältigender Emotionalität, wobei seine hohe, immer ein wenig klagende Stimme exakt die gleichen Phrasierungen wie auf den alten Studioaufnahmen reproduziert.

„Was ist der Sinn des Lebens?“ ist auf der digitalen Anzeigetafel im Bühnenhintergrund zu lesen. „Dem größeren Sein zu dienen“ erscheint sodann als Antwort, wobei das „größere Sein“ für Massive Attack offenbar doch in der Vergangenheit zu liegen scheint.

„Ritual Spirit“, gesungen von Azekel, klingt mehr nach Ritual als nach geistiger Erleuchtung. Die junge Stimme des Sängers, der auch mit den Gorillaz zusammenarbeitet, klingt eher zaghaft als sensibel, was bleibt ist Pathos, der sich in ätherischer Bedeutungslosigkeit verliert.

Auch wenn der Titel „Voodoo In My Blood“ heißt, so klingen die Young Fathers aus Edinburgh ziemlich blutarm, von Voodoo ist rein gar nichts zu spüren. Die Magie von Trip-Hop, die Kombination von schleppender Rhythmik und beseeltem Gesang, ist ihnen offenbar fremd.

Da ist dann eher der Applaus für „Angel“, gesungen von Horace Andy, voll und ganz berechtigt. Massive Attack wollte nie in eine musikalische Schublade gesteckt werden, und diese Tour sollte keine Nostalgie-Party werden. Beides ist nicht gelungen.