Tiger mit Biss: Tom Jones eröffnet Saison auf dem Kunst!Rasen in Bonn

Tiger mit Biss : Tom Jones eröffnet Saison auf dem Kunst!Rasen in Bonn

Die Kunst!Rasen-Saison 2018 ist eröffnet: Zum Auftakt am Donnerstagabend zeigte "Tiger" Tom Jones, dass er zwar grau, aber keinesfalls müde geworden ist.

Grau ist er geworden, der Tiger. Grau, aber keinesfalls müde. Auch mit 78 Jahren hat sich Tom Jones eine gewisse Geschmeidigkeit bewahrt, ist noch immer Charmeur und Entertainer und eben ein zum Grandseigneur gereiftes Sex-Symbol, bei dem so mache ältere Dame wieder zu Groupies wird. 55 Jahre sind seit seiner Debut-Single „Chills and Fevers“ vergangen, damals wie heute ein Flop und doch zugleich der Auftakt zu einer beeindruckenden Karriere, die Konzerte mit Elvis Presley in Las Vegas ebenso umfasst wie Auftritte zu Ehren der Queen. Jetzt hat der Waliser mit dem sonoren Bariton die KunstRasen-Saison 2018 eröffnet – und gezeigt, dass der Tiger noch immer erstaunlich gut brüllen kann.

Nur etwa 2200 Besucher haben sich von dem großen Namen in die Rheinauen locken lassen, erleben dafür aber einen Künstler in Bestform, der das Publikum zu einer Reise in seine eigene Vergangenheit einlädt. Der Blues kommt zu Wort, den Tom Jones hervorragend beherrscht, wie das zornige „Burning Hell“ von John Lee Hooker ebenso beweist wie das düstere „Soul Of A Man“ von Blind Willie Johnson. Dazwischen Country, Rock 'n Roll und mehr, darunter zahlreiche Interpretationen populärer Titel wie Otis Reddings „Dock Of The Bay“ oder Johnny Cashs „Ring of Fire“ (beides mit der Waliser Vorband Into The Ark), zwischen denen die eigenen großen Hits fast zu verschwinden drohen. Aber nur fast. Natürlich muss ein Tom Jones auch „Sex Bomb“, „Delilah“ und „It's Not Unusual“ anstimmen, und jedes Mal wird die Menge vor der Bühne noch ein bisschen euphorischer.

Und die Cover-Versionen? Gehören nun einmal zu Tom Jones dazu. Sein Talent bestand schon immer mehr darin, anderen Liedern einen eigenen Touch zu geben, dank seiner einprägsamen, souveränen Stimme – und dank exzellenten Musikern im Hintergrund. So auch an diesem Abend. Vor allem Scott McKeon an Gitarre und Banjo setzt ein ums andere Mal Akzente, erweist sich mal als schneidend und dominant, dann wieder als überaus dezent. Manches ist ganz bewusst sparsam instrumentiert, lässt Raum für eine große Stimme und jede Menge Pathos; anderes dagegen drückt aufs Tempo, darunter Randy Newmans „You Can Leave Your Hat On“ (das man sonst ja eher von Joe Cocker kennt) oder auch das funkige „Kiss“ von Prince, mit dem Tom Jones in den späten 80ern eines von mehreren erfolgreichen Comebacks feierte.

Etwa 100 Minuten füllt Tom Jones auf diese Weise, abwechslungsreich, aufregend, irgendwo zwischen schmalzig und rockig und doch stets einzigartig. Das Publikum ist dementsprechend selig und feiert eine Ikone, die mehr als 100 Millionen Platten verkauft hat und doch nicht von der Bühne lassen kann. Der Tiger will eben raus zum Spielen. Und das ist auch gut so.