Bad Breisig: Grüne diskutieren über aktuelle Situation in Kindertagesstätten

Bad Breisig : Grüne diskutieren über aktuelle Situation in Kindertagesstätten

Die Schaffung neuer Kindergartenplätze, mit denen der anstehende Rechtsanspruch auf einen Ganztagsbetreuungsplatz auch für Kleinstkinder gewährleistet wird, strapaziert die Kommunen.

Zwar gibt es Landeszuschüsse zu den Investitions- und Betriebskosten, dennoch bleiben dicke Brocken an den Städten und Gemeinden hängen. Die Bad Breisiger Grünen haben sich nun des Themas angenommen und hierzu Elisabeth Bröskamp, Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag für Frühkindliche Bildung, Kitas, Familie und Kinder in den Kulturbahnhof zum lockeren Gespräch eingeladen.

Bad Breisigs Bürgermeister Bernd Weidenbach (CDU) nutzte die Gelegenheit, der Landtagsabgeordneten die Situation in der Quellenstadt darzulegen. "Bei der Schaffung neuer Kindertagesstättenplätze sind wir gut vorangekommen", vermeldete das Stadtoberhaupt.

Allerdings verfügte die Stadt auch über eine "kranke" Hauptschule, die geschlossen wurde und zu einem neun-gruppigen Kindergarten umfunktioniert werden konnte. Rund sieben Millionen Euro an Investitionskosten konnten so eingespart werden. Ein Glück für die Gemeinde, die tagtäglich alleine 3000 Euro an Kassenkrediten aufnehmen muss. Andere Städte müssen tief in ihre Portemonnaies greifen, um den vom Bund gemachten Auflagen Rechnung zu tragen.

Erhebliche Anstrengungen habe man im Landkreis Ahrweiler unternommen, die angeschlossenen Städte und Gemeinden bei der Schaffung weiterer Betreuungsplätze zu unterstützen, berichtete das grüne Kreistagsmitglied Ute Reuland. 80 Prozent der betroffenen Eltern würden wegen Ganztagsplätzen anfragen, sofern sie denn angeboten werden.

Während der Versorgungsgrad im Kreis Ahrweiler bereits recht hoch sei, sehe das in anderen Landkreisen derzeit noch anders aus, berichtete Elisabeth Bröskamp, selbst Mutter von vier Kindern. In zahlreichen Westerwaldgemeinden habe man fahrlässig auf Elternbefragungen verzichtet und stehe nun vor großen, nicht zu deckenden Bedarfen. In die Versorgungslücken springen dann gerne so genannte Tagespflegemütter.

Deren Dienste sind jedoch dann - und oftmals auch sehr plötzlich - nicht mehr gefragt, sobald sich die Kindergartenbetreuungssituation entschärft hat. Für die ohnehin bereits hinsichtlich des Salärs wenig zufriedenen Tagesmütter keine befriedigende Situation, zumal ihnen anvertraute Kinder allzu flott aus einem gerade vertraut gewordenen Umwelt entrissen werden.

Weiteres Problem: die Demografie. Die Landflucht der Bevölkerung und der gerade auf dem Land zunehmend feststellbare fehlende Nachwuchs macht langfristig allzu große Investitionen in Kindergärten fragwürdig. Schon jetzt stehen Grundschulschließungen im ländlichen Raum an. Bröskamp sieht in kleineren Gruppen und in damit einhergehender Qualitätsverbesserung einen Lösungsansatz, der allerdings zu bezahlen wäre.

Und damit war man wieder beim Ausgangspunkt der Diskussion. Bekanntlich ist das Land gefordert, die Kommunen finanziell so aus zustaffieren, dass sie die ihr auferlegten Aufgaben auch ausführen können. Gespräche der kommunalen Spitzenverbände mit Familienministerin Irene Alt, so berichtete Bröskamp, seien abgebrochen worden. Ergebnislos.

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