Diskussion der Oberbürgermeister-Kandidaten: Konzept für alle Hallen gefordert

Diskussion der Oberbürgermeister-Kandidaten : Konzept für alle Hallen gefordert

Soviel steht fest: Die Bundes- und Beethovenstadt bekommt einen musischen Oberbürgermeister. Jedenfalls ergab der Kandidatentest der Festspielhausfreunde gestern Abend im Universitätsclub, dass sowohl Ashok-Alexander Sridharan (CDU) als auch Peter Ruthenstroth-Bauer (SPD) und Tom Schmidt (Die Grünen) nicht nur aus musikalisch affinem Hause stammen, sondern selbst auch Kinder haben, die sich für Musik - ob Pop oder Klassik - begeistern lassen.

Hier endeten aber schon die Parallelen der Kandidaten. Beim Beethoven-Prüfkatalog unter dem Oberbegriff "Stiefkind Beethoven? Bonns Zukunft als Beethovenstadt", den der Moderator und GA-Feuilletonchef Dietmar Kanthak aufgestellt hatte, wurden dann doch Unterschiede deutlich. Alle Drei nutzten den Spielraum, sich beim Schaulaufen der Kandidaten zu präsentieren.

Natürlich wurden auch in dieser Runde die Komplexe Beethovenhalle und Festspielhaus als Aufreger und eminente Zukunftsthemen zugleich erkannt. Während

Schmidt die Entscheidung, Planungsmittel für die Sanierung der Beethovenhalle freizugeben, für richtig hält - "Wir haben als Stadt die Verantwortung für das Denkmal Beethovenhalle und haben sie vergammeln lassen" -, will Sridharan bis Mitte 2016 ein belastbares Hallenkonzept vorliegen haben, in dem das Festspielhaus beinhaltet sei. "Es ist falsch, die Beethovenhalle isoliert zu sehen", sagte der CDU-Kandidat. Ruhenstroth-Bauer fordert die Stadt auf, "sich ehrlich zu machen", er lehnt den Beschluss ab, plädiert allenfalls für die 30-Millionen-Euro-Variante, wobei auch die wohl nicht finanzierbar sei.

Ähnliche Bedenken beim Festspielhaus. Der Grünen-Kandidat sieht weder Baufinanzierung noch Betrieb gesichert, glaubt ohnehin, dass ein Bau bis zum Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 nicht realisierbar ist. Deshalb setzt er auf die Sanierung der Beethovenhalle. Sein Koalitionspartner von der CDU, Sridharan, vertraut hingegen dem Businessplan und darauf, dass "sich die Fragen, die sich noch stellen, klären lassen". Für ihn ist das Festspielhaus eine Investition in die Zukunft Bonns.

Auch Ruhenstroth-Bauer sieht das so, kann aber ebenfalls Schmidts Bedenken verstehen: "Wir müssen die Fakten sehen." Das Festspielhaus sei finanzierbar, meinte er, "nicht nur wegen des Engagements der Post", auch der Bund stehe dahinter. Geschickt positionierte er sich gegen den SPD-OB Jürgen Nimptsch, den er ablösen möchte: Als der vor Jahren das Aus für das Festspielhaus verkündet habe (was Ruhenstroth-Bauer offenbar missfiel), hätten in Köln die Sektkorken geknallt, weil sich durch die Entscheidung Bonn als Kulturkonkurrent aus dem Spiel genommen habe.

Kontrovers auch die Diskussion um die Ängste der Kulturszene, durch das Festspielhaus Einbußen zu erleiden, wie Schmidt das erfahren haben will. Sridharan würde die Ängste ernstnehmen, wenn es denn welche gäbe, was er nicht meint. Ruhenstroth-Bauer: "Dass das Festspielhaus Sorgen macht, kann ich verstehen, aber sie sind grundlos."

Das Schaulaufen der Kandidaten offenbarte drei Persönlichkeiten, denen Kultur wichtig zu sein scheint und die gerne leidenschaftlich darüber streiten. Das ist schon ein Pluspunkt. Die Einzelwertung: Sridharan mit viel Faktenwissen, aber auch vorgestanzten Marketing-Statements, die nicht so überzeugend wirken; Ruhenstroth-Bauer geht als alter Hase mit Verwaltungserfahrung ins Rennen, was er auch breit demonstriert, wirkte beim Antworten aber eher weitschweifig; Schmidt tritt mit der Hypothek an, für die Schwergängigkeit von Prozessen in der Stadt mit verantwortlich zu sein.

Die Position der OB-Kandidaten

Das Festspielhaus-Projekt

Die Deutsche Post und zwei Festspielhausinitiativen haben angekündigt, die Baukosten des Projektes zu übernehmen. Die Stadt Bonn soll ein Grundstück an der Beethovenhalle baureif bereit stellen - die Kosten dafür hat der Rat auf 4,4 Millionen Euro gedeckelt. Die Post hat nach einem Architektenwettbewerb drei Entwürfe in der Auswahl.

Das Grundstück soll mit Erbbaurechtsvertrag an die Bauherrengesellschaft übertragen werden und nach 30 Jahren samt Festspielhaus an die Stadt zurückfallen. Betrieb und Verwaltung sollen bei einer Betriebsstiftung liegen, für die der Bund 39 Millionen Euro reserviert hat. Unter anderen soll auch die Stadt Bonn einzahlen: zehn Millionen Euro gestreckt auf 20 Jahre.

Die Post hatte einen Festspielhaus-Businessplan erstellen lassen. Dieser wird im Auftrag des Stadtrates von einer Beratungsfirma überprüft. Deren Urteil soll Grundlage für eine Ratsentscheidung am 18. Juni sein: Dann geht es darum, ob die Stadt Mitgründerin der Betriebsstiftung wird.

Mehr von GA BONN