Folgen des trockenen Sommers 2018: Hunderte Laubbäume im Kottenforst sind tot

Folgen des trockenen Sommers 2018 : Hunderte Laubbäume im Kottenforst sind tot

Nach den Fraßschäden des Borkenkäfers leidet der Kottenforst jetzt unter den Folgen des regenarmen Sommers im vergangenen Jahr. Viele Bäume stehen ohne Blattwuchs da.

Fast 30 Prozent des alten Laubbaumbestands im Kottenforst leiden unter den Folgen des extrem trockenen Sommers im Jahr 2018. Die Schäden machen sich vor allem durch Wachstumsstopp und Blattverlust bemerkbar. „Wer derzeit durch den Wald spaziert, bemerkt zahlreiche Bäume, die gar keine Blätter mehr tragen. Der Anblick erinnert an Herbst und Winter statt an Frühjahr und Sommer“, erklärte Uwe Schölmerich, Leiter des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Eifel, bei einem Rundgang durch betroffene Parzellen.

Bereits im Spätsommer des vergangenen Jahres standen einige Laubbäume ohne Blätter da und viele Waldbesucher sowie Förster fragten sich, wie die Bäume wohl 2019 aussehen werden. „Die Antwort kann man erst jetzt geben. Die Bäume haben wegen der geringen Wasserzufuhr kein sogenanntes Spätholz ausbilden können. Somit fehlen die Energiereserven für das nächste Jahr. Diese Reaktion auf die Trockenheit bezeichnet man als Naturdynamik“, sagte Schölmerich. Vor allem flachwurzelnde Laubbäume wie Birken und Weiden sind entweder komplett abgestorben oder haben nur noch wenige Blätter. Treiben die Bäume 2020 wieder aus? Dazu der Förster: „Nein. Die Bäume sind abgestorben. Diese Entwicklung bedeutet einen immensen Schaden für Waldökologie und Forstwirtschaft. Zuerst frisst der Borkenkäfer uns Tausende Nadelbäume im Kottenforst weg und jetzt schlägt die Trockenheit auch noch so heftig im Laubwald zu.“

Verfall im Kottenforst: Abgestorbene Buchen

Besonders auffällig ist die Entwicklung in den Naturwaldzellen, wo der Wald seit mehr als 40 Jahren sich selbst überlassen wurde, um die Waldentwicklung ohne menschliche Eingriffe zu studieren. Im Kottenforst gibt es zwei solcher Naturwaldzellen, die vor allem alte Eichen, Buchen, Hainbuchen und Winterlinden enthalten. Normalerweise ist es in diesen Waldzellen ziemlich dunkel, weil die Bäume ohne Durchforstung ein sehr geschlossenes Kronendach bilden. Die Naturverjüngung von Buche und Hainbuche läuft dort von selbst ab, da diese Baumarten sehr schattenliebend sind. Anders ist es bei den Eichen: Sie brauchen als junge Bäume viel Licht. „In normalen Jahren keimen herunter gefallene Eicheln und bilden einen dichten Teppich unter den alten Eichen. Doch schon im nächsten Jahr ist der Eichennachwuchs vergangen, weil sie zu wenig Licht bekommen, um zu wachsen“, betonte der Förster.

Dieses Jahr sieht es am Waldboden ganz anders aus. Alte Buchen sind wegen der Trockenheit abgestorben, Eichen sind durch Eichenwickler und Frostspanner etwas licht gefressen. Weil die Buchen absterben, fällt mehr Licht auf den Waldboden, was den jungen Eichen helfen wird, zu überleben. “Es bleibt spannend. Vielleicht geht das Trockenjahr 2018 als das Eichenverjüngungsjahr in die Geschichte ein“, sagte Schölmerich.

Massive Probleme: Mehr Regen benötigt

Und warum sterben im Kottenforst eher alte Buchen als alte Eichen ab? Dazu der Forstamtsleiter: „Im Kottenforst herrscht ein Bodentyp vor, der im Winter relativ nass, im Sommer eher trocken ist. Die Baumwurzeln der Buche können auf Grund dichter, fester Schichten nicht so tief in den Boden eindringen. Eichen können das besser und wurzeln daher tiefer.“ Folge: Bleibt der Regen aus, kommt die Eiche besser an die Feuchtigkeit im tieferen Boden heran. Damit steige die Konkurrenzfähigkeit der Eiche, die sonst der Buche im Kottenforst unterlegen sei, so der Waldexperte.

Gefragt, ob man das abgestorbene Holz noch forstwirtschaftlich nutzen kann, antwortete Schölmerich: „Höchstens noch als Brennholz. Wir werden aber den Großteil dieser Bäume im Wald lassen, um die Totholz-Reserven zu verbessern.“ In abgestorbenen Bäumen bilden sich schon nach kurzer Zeit neue Lebensformen für Insekten und Brutplätze für Vögel. 2019 ist bezüglich der Niederschläge im Kottenforst bislang weitgehend normal verlaufen. „Wir benötigen aber dringend mehr Regen und keine Hitzeperiode im Juli und August. Noch so ein trockenes Jahr in direkter Folge, dann bekommt der Wald massive Probleme“, prophezeit Uwe Schölmerich.

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