Stadt erneuert Sportplatz: Flüchtlingskicker in Bonn haben eigenen Kunstrasen

Stadt erneuert Sportplatz : Flüchtlingskicker in Bonn haben eigenen Kunstrasen

Bei einem Kreisligaspiel des FC Jawanan ist der neue Dransdorfer Fußballplatz inoffiziell eingeweiht worden. Die offizielle Eröffnung ist für den 18. Mai geplant.

Auch wenn die offizielle Eröffnung des neuen Kunstrasenplatzes der Andreas-Schönmüller-Anlage erst am 18. Mai stattfinden wird, hat er am Samstag bereits seine erste Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. Die leidvolle Erfahrung, was es bedeuten kann, auf einem Aschenplatz zu spielen und zu trainieren, musste der FC Jawanan bisher auf seinem zugewiesenen Platz in Tannenbusch machen, der mehrfach wegen Überschwemmung von der Stadt für unbespielbar erklärt wurde und dazu führte, dass der Verein nun sein Kreisligaspiel gegen die Sportfreunde Rot-Weiß Beuel auf der neuen Anlage nachholen musste.

„Kaum gegründet, konnte der FC Jawanan Bonn bereits im Januar einen Kunstrasenplatz bekommen“, schrieb Safi Khaliqi in seiner Einladung zu dem ersten Meisterschaftsspiel, das inoffiziell den neuen Platz eröffnete. Er kündigte an, mit Prominenten und Politikern der Bundesstadt Bonn das erste Meisterschaftsspiel mit einem großen Fest für Toleranz und Zusammenleben zu eröffnen. Vielleicht lag es an dem kalten und verregneten Sonntag, dass sich zu dem Spiel kaum mehr als jeweils eine Handvoll Spieler und Fans der jeweiligen Mannschaften vom Spielfeldrand aus das Spiel zwischen den viertplazierten Beueler Sportfreunden und dem auf Platz zwölf von 16 Teams stehenden FC Jawanan ansahen.

Fußballverein aus Geflüchteten

Auch wenn die erwartete Prominenz fehlte, freute sich Khaliqi als Gründer und Vorsitzender seines FC Jawanan, dass trotz des schlechten Wetters das Spiel auf dem Kunstrasen stattfinden konnte. Vor rund zwei Jahren hat er den ersten Fußballverein Deutschlands gegründet, der nahezu ausnahmslos aus Geflüchteten besteht. „Es ist ganz prima, wie es Herrn Khaliqi gelingt, die verschiedenen Nationen zusammenzuführen“, lobte auch Jürgen Bachmann, der Vorsitzende vom Fußballkreis Bonn die Integrationsarbeit des seit zehn Jahren in Deutschland lebenden Khaliqi, der bei der Stadt Bonn als Übersetzer arbeitet und Journalistik studiert. Für ihn ist der Fußballverein ein Ort, an dem sich die Geflüchteten nicht nur wohlfühlen sollen, sondern auch die Chance haben, Deutsch zu lernen.

Gesprochen und kommuniziert (Whatsapp) wird ausschließlich in deutscher Sprache. „Der Fußball verbindet unsere derzeit 58 Spieler aus zwölf Nationen“, ist sich der Vereinsvorsitzende sicher. Nicht ohne Stolz berichtet er von den vielen Ehrungen, die sein Verein inzwischen erfahren hat. Vom Preis für Zivilcourage der Stadt Bonn bis zu einem Anerkennungsschreiben des Bundespräsidenten. Nur an der Finanzierung des Vereins hapert es noch, so Khaliqi. „Ich kann von einem Flüchtling, der 320 Euro im Monat erhält, weder einen Vereinsbeitrag verlangen noch kann er selber Trikot oder Schuhe bezahlen“, so Khaliqi, der sein Team zurzeit auch trainiert. Trotz vieler Widrigkeiten ist er überzeugt, „jetzt geben wir Gas und kommen weiter“.

Wer mitspielen oder den Verein ehrenamtlich trainieren möchte, kann unter www.fc-jawanan-bonn.de Kontakt aufnehmen.

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