Gefährliche Stellen im Verkehr: Diese Orte in Bonn sind Unfallschwerpunkte

Gefährliche Stellen im Verkehr : Diese Orte in Bonn sind Unfallschwerpunkte

An 22 Orten in der Stadt kommt es in Bonn immer wieder zu Unfällen. Das sind mehr als im vergangenen Jahr. An neun Schwerpunkten waren Radfahrer in Unfälle verwickelt.

In Bonn gibt es im laufenden Jahr mehr Unfallschwerpunkte als im vergangenen: Derzeit nennt die Stadt 22 Orte, an denen es immer wieder zu Unfällen kommt. Im vergangenen Jahr waren es nur 15. Einmal im Jahr tagt die Unfallkommission der Stadt, die sich mit Gefahrenstellen im Straßenverkehr befasst. In der Kommission, die Ende Juni das letzt mal zusammenkam, sind Stadt, Polizei und Straßenbaulastträger (also Stadt, Kreis oder Land) vertreten. In der Kommission ist nicht mehr die Bonner Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) vertreten: „Unsere Beteiligung wurde aus formalen Gründen gestrichen, was ich nicht gerade zweckdienlich finde, denn die Radfahrersicht auf das jeweilige Unfallgeschehen hatte sich bewährt“, sagte Werner Böttcher, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC.

An neun der 22 Unfallschwerpunkte seien Radfahrer in Unfälle verwickelt gewesen, wie man Böttcher berichtet hätte – fast immer seien Radfahrer dabei übersehen worden. „Wie die Unfälle mit den Radfahrern ganz genau passiert sind, weiß ich leider nicht, da wir ja nicht mehr an der Kommission teilnehmen können“, sagte Böttcher verärgert. Der ADFC dürfe aber wenigstens an Ortsterminen teilnehmen. „Eingeladen wurden wir allerdings bislang zu keinem“, so Böttcher.

Auf GA-Anfrage erläutert die Stadtverwaltung ihre Entscheidung und verweist auf einen Erlass des Landesregierung. „Der ADFC ist nach geltendem Landesrecht kein ständiges, stimmberechtigtes Mitglied der Unfallkommission“, sagte Markus Schmitz vom Presseamt. „Als solche legt das Land in Paragraf 1.3 seines Erlasses zu den Aufgaben der Unfallkommission in NRW die Straßenverkehrs-, Straßenbau- und Polizeibehörden fest“. Deshalb habe die Stadt nun entschieden, den ADFC nicht mehr zu den Sitzungen der Unfallkommission einzuladen.

Das Gremium habe laut Erlass jederzeit die Möglichkeit, Fachleute zur Beratung hinzuzuziehen. „Davon wird die Stadt bei Bedarf weiterhin Gebrauch machen. Außerdem soll der ADFC anlassbezogen auch weiterhin zu Ortsterminen eingeladen werden“, sagte Schmitz. Nach dieser neuen Regelung sei der ADFC nach eigenen Angaben noch zu keinem Ortstermin von der Kommission eingeladen worden.

In Bad Godesberg gibt es acht, in Beuel eine und in der Bonner Innenstadt fünf Unfallschwerpunkte. In Kessenich ist ein Unfallschwerpunkt verzeichnet, in der Gronau und in Endenich jeweils zwei und drei in Tannenbusch. Darunter sind auch Kreisel und Fußgängerüberwege (siehe Grafik). „Bei einigen der aktuellen Stellen sind die Unfallzahlen rückläufig, sodass diese nur noch weiter beobachtet werden, bevor sie dann eventuell gestrichen werden können“, sagte Markus Schmitz vom Presseamt der Stadt Bonn. Die Ecke Belderberg/Rathausgasse war 2018 Unfallschwerpunkt, konnte nun aber gestrichen werden, weil die „Unfalllage inzwischen unauffällig“ sei, so Schmitz.

Meisten Unfälle am Trajetknoten

Die meisten Unfälle gibt es laut Unfallkommission am Trajektknoten auf der B9. „Hauptursache sind Spurwechsel“, erklärte Markus Schmitz. Aus diesem Grund hat die Stadt am Montag Markierungsarbeiten am Trajektknoten vorgenommen. Es stehen nur noch zwei Spuren nach Bad Godesberg führen. Nach dem Trajektkreisel folgt mit „deutlich weniger Unfällen“ der Bertha-von-Suttner-Platz/Belderberg. Hier komme es oft zu Zusammenstößen zwischen Rechtsabbiegern und Radfahrern. An dritter Stelle stehe die Kreuzung Viktoriabrücke/Endenicher Straße/ Wittelsbacher Ring. Dort würden oft Linksabbieger mit dem entgegenkommendem Verkehr, der aus verschiedenen Richtungen kommt, Unfälle verursachen.

„Um eine Unfallhäufungsstelle handelt es sich, wenn in einem Zeitraum von längstens einem Kalenderjahr oder von längstens drei Kalenderjahren bestimmte Richtwerte erreicht oder überschritten werden“, erklärte Günter Dick, Amtsleiter der Bürgerdienste. Die Unfälle werden dabei unter anderem nach Verletzungsgrad der Verkehrsteilnehmer in vier Kategorien unterteilt.

Die aktuellen Unfallhäufungsstellen hätten alle nur knapp die Richtwerte erreicht, um als solche Stellen kategorisiert zu werden, hieß es aus dem städtischen Presseamt. Wenn auf einer Kreuzung, an der pro Tag mehr als 15.000 Fahrzeuge unterwegs sind, innerhalb eines Jahres vier Unfälle geschehen, bei denen Beschilderung, Markierung oder Beleuchtung die Ursache sind, wird sie in die Liste aufgenommen. Bei Straßen mit einer Belastung von mehr als 30.000 Fahrzeugen erhöht sich die Zahl auf fünf Unfälle.

Hat die Unfallkommission eine Straße als Unfallhäufungsstelle klassifiziert, wird versucht, die gefährliche Stelle zu entschärfen: Die Verantwortlichen entfernen Büsche, versetzen Schilder, reduzieren die Höchstgeschwindigkeit, setzen Ampeln oder bauen neue Kreisverkehre. Ist im darauffolgenden Jahr erkennbar, dass weniger oder gar keine Unfälle mehr an der Stelle registriert werden, wird die Unfallstelle aus der Liste gestrichen. Keine Schwerpunktstelle für Unfälle ist die Ecke Bornheimer Straße/Heinrich-Böll-Ring. Dort verunglückte im Juni eine junge Radfahrerin tödlich. Dennoch möchte die Unfallkommission an dieser Stelle etwas ändern. „Dort wird die Markierung der Radfurt erneuert und rot eingefärbt. Zusätzlich wird an der Ampel der Haltebalken auf der Bornheimer Straße für den Radverkehr vorverlegt, damit der Individualverkehr den Radfahrer beim Warten besser im Blick hat“, sagte Schmitz.

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