Projekt der German Doctors: Bonner Ärztin kehrt von Einsatz aus Kenia zurück

Projekt der German Doctors : Bonner Ärztin kehrt von Einsatz aus Kenia zurück

Laura von der Emde musste bei ihrem Auslandseinsatz in Kenia mit wenig medizinischen Mitteln auskommen. Sie berichtet von lebensfrohen Menschen, die mit schlimmen Bedingungen in den Slums klar kommen müssen.

Viele junge Leute verlassen Deutschland heutzutage nach dem Schulabschluss oder während des Studiums. Sie machen im Ausland ein freiwilliges soziales Jahr, wollen reisen oder studieren. Dass man auch noch im Job eine Pause für Auslandsaufenthalte einlegen kann, zeigen die Erfahrungen der Bonner Kinderärztin Laura von der Emde. Kürzlich kehrte sie von ihrem Auslandseinsatz in Kenia, während dem sie sechs Wochen lang in einem Projekt der German Doctors tätig war, nach Bonn zurück. Wieder im deutschen Alltag angekommen, berichtet sie von ihrer Arbeit als Kinderärztin in einem Slum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Die 30-jährige Laura von der Emde, die aus Witterschlick kommt und in Bonn Medizin studiert hat, erfuhr von einer Freundin von der Arbeit der German Doctors. Nachdem sie drei Jahre lang praktische Erfahrung als Kinderärztin in Aachen gesammelt und danach auf der Intensivstation einer Bonner Kinderkardiologie zu arbeiten begonnen hatte, bewarb sie sich für das Projekt in Kenia. Etwa neun Monate vor Beginn des Projekts kam die Zusage, Ende März dieses Jahres ging es los.

Von der Emde landete an einem Samstag in Nairobi, schon am Montag hatte sie den ersten Arbeitstag in einem Health-Center mitten im Mathare, der mit 400 000 Bewohnern einer der größten Slums der Stadt ist. Im Health-Center mit dem Namen Baraka, was auf Suaheli „Segen“ bedeutet, war von der Emde im Team mit anderen deutschsprachigen Ärzten und etwa 80 einheimischen Mitarbeitern. Sie erklärt, dass sie ihr eigenes Behandlungszimmer mit einer Übersetzerin hatte, weil die meisten Patienten nur sehr wenig oder gar kein Englisch sprachen. Ihre Rolle als einzige Kinderärztin des Centers war hierbei sehr wichtig. „Über 50 Prozent der Bewohner des Slums sind Kinder unter 15 Jahren. Wenn man durch den Slum gelaufen ist, waren überall Kinder“, erzählt von der Emde.

Viele der Patienten waren Kinder

So seien auch sehr viele der Patienten Kinder gewesen, die sich für einen geringen Preis oder sogar kostenlos behandeln lassen konnten. „Hier arbeite ich auf einer Intensivstation, die total spezialisiert ist, dort ging es eher um die basismedizinische Versorgung“, so die Kinderärztin. Es sei jedoch spannend gewesen, zu lernen, mit dem auszukommen, was man zur Verfügung hat und wieder mehr direkt am Menschen zu arbeiten. „Dadurch, dass jeden Tag so viele Kinder kamen, kam man da auch ganz schnell rein, man musste ja mit der Flut von Patienten klar kommen.“

Laura von der Emde lebte selbst aus Sicherheitsgründen nicht im Slum, war aber einige Male zu Fuß dort unterwegs. „Es war für mich total wichtig, zu sehen, wie die Menschen wirklich leben, denn man gibt ja immer so tolle medizinische Tipps, die mit der Lebensrealität überhaupt nicht vereinbar sind“, sagt sie. Die Bewohner des Slums müssen für alles Miete und Gebühren bezahlen, es gibt keine soziale Absicherung, keine Krankenversicherung. „Man sagt ja immer ‚Sie müssen mehr trinken‘, aber die Menschen müssen fürs Wasser und für die Toilette zahlen.“

Das sei teilweise nicht so einfach gewesen, weil von der Emde wusste, dass die Behandlung in Deutschland möglich wäre, dort aber wegen der Kosten manchmal nicht durchgeführt werden konnte. Trotzdem berichtet sie mit Bewunderung von der Dankbarkeit der Patienten, die häufig lange Fußmärsche und Wartezeiten auf sich nähmen, um sich behandeln zu lassen. „Die Menschen sind total freundlich. Auch die Menschen im Slum, die ja wirklich unter sehr schlimmen Bedingungen leben, sind sehr lebensfroh. Auf den Straßen gibt es überall Musik und Leben!“

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