Das UN-Sekretariat der Bonner Konvention: Der Grundstein für Bonn als UN-Stadt

Das UN-Sekretariat der Bonner Konvention : Der Grundstein für Bonn als UN-Stadt

Vom Aal bis zum Zugvogel: Das UN-Sekretariat der Bonner Konvention (CMS) koordiniert die Zusammenarbeit der Vertragsstaaten und organisiert regionale Abkommen zum Schutz einzelner Arten.

Mit einem Abkommen zum Schutz der Seehunde in der Nordsee fing die Arbeit an. Heute bemühen sich die jeweiligen Vertragsstaaten der Bonner Konvention um den Schutz und Erhalt von rund 1200 wichtigen Tierarten weltweit, die in ihrem Lebenszyklus regelmäßig Ländergrenzen überqueren. Unterzeichnet wurde das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten – englisch Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS) – 1979 auf der Godesburg. Vier Jahre später trat die Bonner Konvention in Kraft. Heute koordiniert das Sekretariat der Konvention unter dem Dach des UN-Umweltprogramms die Zusammenarbeit der Vertragsstaaten vom Langen Eugen aus.

Was sind die Hauptaufgaben?⋌Das Sekretariat arbeitet im Auftrag der Regierungen für den Schutz wandernder Tierarten. „Dazu organisieren wir alle drei Jahre die Konferenz der Vertragsstaaten und die Arbeit des Ständigen Ausschusses“, sagt der Kanadier Bradnee Chambers, der das CMS-Sekretariat seit 2013 leitet. Auch die Diskussionen des CMS-Wissenschaftsrats bereitet das Bonner Sekretariat vor. „Daneben organisieren wir regionale Abkommen zum Schutz einzelner Arten. So haben wir jüngst 52 Staaten in Europa an einen Tisch gebracht, um dem Europäischen Aal zu helfen. Außerdem unterstützen wir Staaten bei der Ausarbeitung von Schutzplänen und bemühen uns um möglichst viel Aufmerksamkeit für die Belange der zu schützenden Arten“, sagt Chambers. In Deutschland stehen etwa die Großtrappe oder der Schweinswal unter dem Schutz der Bonner Konvention.

Warum und für wen ist diese⋌Arbeit wichtig?⋌„Singvögel in Deutschland zu schützen bringt wenig, wenn sie auf ihrem Zugweg nach Afrika regelmäßig zu Tode kommen“, erläutert Chambers. Indem man sich um herausragende Tierarten kümmere, würden auch die Lebensräume vieler weiterer Tier- und Pflanzenarten erhalten. „Viele der Tierarten unter dem Schutz der Konvention haben hohen Symbolwert für die Kultur und Geschichte von Ländern und Regionen“, sagt Chambers. Sie seien als Nationaltiere auf Wappen und Flaggen kaum wegzudenken oder würden spirituell verehrt. Aber es gehe auch um handfeste wirtschaftliche Interessen: Ohne Vögel und Fledermäuse als Bestäuber würde die Landwirtschaft gravierende Schäden erleiden. Geier wiederum seien als Aasfresser entscheidend für den Schutz vor Seuchen.

Wo liegen aktuelle⋌ Schwerpunkte?„Der Klimawandel hat vehemente Effekte auf viele bedrohte Tierarten“, warnt Chambers. Bei Meeresschildkröten etwa wüchsen prozentual wesentlich mehr Weibchen heran, wenn das Meerwasser nur wenige Grad wärmer werde, erklärt Melanie Virtue, die sich um die aquatischen Arten kümmert. Wichtig sei auch, den Ausbau erneuerbarer Energien möglichst artgerecht zu gestalten – oft mit einfachen Mitteln. „Wenn man Windräder nicht gerade in die Korridore der Zugvögel stellt, bei Flaute abschaltet und Reflektoren anbringt, damit Fledermäuse sie orten können, ist schon viel erreicht“, wirbt Chambers. Lärm im Meer durch Rammarbeiten für Windparks, Schiffsverkehr und militärisch genutzte Sonar-Ortung sowie unerwünschte Beifänge bei der Thunfischfischerei seien weitere aktuelle Problemfelder. „Insgesamt hat der Schutz der Biodiversität angesichts des Klimawandels deutlich an Schwung verloren“, bemerkt er. Mit einem neuen Zielkatalog will das Sekretariat das Thema bei der nächsten großen Konferenz 2020 in Peking wieder auf die internationale Agenda setzen.

Warum sitzt die Institution⋌in Bonn?⋌Nachdem infolge des ersten UN-Umweltgipfels 1972 in Stockholm die Konvention zum Schutz wandernder Arten in Bonn ausgehandelt worden war, lag es nahe, das Sekretariat als erstes der Weltorganisation auch hier anzusiedeln. Bonn wurde damit 1984 weitgehend unbemerkt UN-Standort. CMS legte damit den Grundstein für den Ausbau zur UN-Stadt nach dem Regierungsumzugsbeschluss 1991.

Wie zufrieden ist man mit⋌dem Standort?⋌„Bonn ist eine sichere, grüne, aufgeschlossene Stadt mit hervorragenden Schulen und der größten Krankenhausdichte jenseits von Israel“, sagt Exekutiv-Sekretär Chambers. Nachdem er und viele seiner Mitarbeiter vorher im Hauptquartier des UN-Umweltprogramms in Nairobi (Kenia) tätig waren, genießen sie den Rhein, die Radwege, Kunst und Kultur. „Nur ein wirklich gutes japanisches Restaurant fehlt“, sagt Chambers. Auch wenn die Botschaften geschlossen seien, werde man ohne Deutsch-Kenntnisse stets freundlich behandelt und bekomme mit der englischen Ausgabe des GA im Internet sogar lokale Nachrichten übersetzt. Als Fahrrad-Stadt sei Bonn allerdings noch zu sehr auf den Autoverkehr konzentriert, findet Mitarbeiterin Clara Nobbe: „Gegen auf Radwegen geparkte Autos sollte man entschiedener vorgehen.“

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