Haus der Geschichte: Der Botschafter Philip Murphy über den amerikanischen Traum

Haus der Geschichte : Der Botschafter Philip Murphy über den amerikanischen Traum

Wenn man von den Amerikanern eins lernen kann, dann die Kunst der Inszenierung. Minuten bevor Philip Murphy, amerikanischer Botschafter in Deutschland, vor die 70 Schüler im Atelier im Haus der Geschichte tritt, dröhnt die Musik des aktuellen James-Bond-Films "Skyfall" aus den Boxen. Laut, sehr laut.

Schüler und Lehrer nehmen es belustigt-irritiert zur Kenntnis, während Sicherheitspersonal mit Knopf im Ohr durch die Stuhlreihen geht und alle, die eine Tasche dabei haben auffordern, diese hinaus zu bringen. Dann kommt der Botschafter herein, winkt wie ein Präsident auf der Gangway und wird eifrig beklatscht. "Guten Morgen, alles okay?" Murphy ist offensichtlich ziemlich gut gelaunt und quittiert den "NY"-Aufdruck auf dem Shirt eines Jugendlichen mit ein paar gesungen Zeilen aus Sinatras Hymne "New York" und einem kernigen "I love you man".

"Townhall-Meeting" nennt sich die Veranstaltung. Der Botschafter trifft sich regelmäßig und gern zum Austausch mit Schülern, teilt eine Mitarbeiterin des Generalkonsulats in Düsseldorf mit. Auch das erste Treffen dieser Art hatte Murphy 2009 im Haus der Geschichte.

Jetzt ist er auf Abschiedstour, denn im Juli geht es zurück in die Staaten. Schüler des Hardtberggymnasiums sind gestern mit dabei, außerdem das Vincenz-Palloti-Kolleg aus Rheinbach sowie eine Kölner Schule. Und den Schülern aus den Jahrgangsstufen 9 bis 13 will Murphy etwas über Helden erzählen, über Menschen mit Überzeugungen, die Besonderes geleistet haben und für ihre Ideale ihr Leben riskiert haben.

Das erste Bild ist das Schwarz-Weiß-Foto eines Paares. Es zeigt die Amerikanerin Mildred Fish Harnack und ihren Mann Arvid, deren Widerstand gegen Hitler mit dem Todesurteil endete. Dann folgen Dietrich Bonhoeffer und Otto Wels, schließlich Konrad Adenauer, der das Grundgesetz unterschreibt, und Willy Brandt auf Knien in Warschau. Und schließlich Murphys amerikanische Helden: Rosa Parks, Martin Luther King und Barack Obama. Wer hätte gedacht, dass der farbige Junge auf dem Foto einmal amerikanischer Präsident wird? "Why not you?

Dream big", sagt Murphy, und nimmt einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche. Die anschließende Fragestunde meistert er mit diplomatischen Geschick. Fragt man ihn, was er denn davon hält, dass der CIA die sozialen Netzwerke ausspioniert, antwortet Murphy, dass die persönlichen Freiheitsrechte zwar wichtig, der Schutz der Bürger das aber auch ist. Und nicht jeder, der aus persönlicher Überzeugung handelt, ist für Murphy ein Held.

Diejenigen, die über Wikileaks Staatsgeheimnisse ausplaudern, sind es für den eloquenten Botschafter jedenfalls nicht. Die kleine Geschichtsstunde, hier und da schwarz-weiß wie die Fotos, die Murphy hochhält, ist emotional und kommt bei den jungen Leuten gut an.

"Ich fand es sehr inspirierend und hatte eine richtige Gänsehaut", sagt Laura Henze vom Hardtberg-Gymnasium. "Er kann begeistern, das hat richtig Spaß gemacht", sagt Max Kronauer.

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