Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn": Bernhard Hoëcker: "Ich bin total langweilig"

Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn" : Bernhard Hoëcker: "Ich bin total langweilig"

Der Komiker liebt Bonn, auch wenn in seiner Heimatstadt nicht alles rund läuft.

Ein Café in der Südstadt. Loungemusik, Stuck an der Decke, Duftstäbchen auf dem Herren-WC. Den Treffpunkt hat Bernhard Hoëcker vorgeschlagen. Soeben kommt er hereinspaziert. Grüner Kapuzenpulli, ein Gang wie ein Flummi. "Entschuldige bitte, dass ich zu spät bin." Das ist sehr höflich geduzt. Zumal er auf die Minute pünktlich ist.

Zunächst höflich ist auch das Interesse an der selbst gekritzelten Zeichnung, die auf dem Tisch liegt. Es geht um Überlegungen, wie man idealerweise einen Dielenboden verlegt. "Also, ich würde ja...". Moment. Denkfehler. Hoëcker kneift die Augen zusammen, legt den Zeigefinger vor den Mund. Er grinst. Und findet Gefallen an der Sache. Dann redet er von Arrays, Tabellen und einem Computerprogramm, das er schreiben könnte.

"In Turbo Pascal würde ich das hinbekommen." Hoëcker nennt sich selbst einen Klugscheißer. Stimmt. Das Programmieren jedenfalls habe er sich selbst beigebracht. Mit dem C 64. Damals, in seiner Jugend, nachdem es ihn im Alter von zehn Jahren nach Bonn verschlagen hatte, wo er als Stürmer bei Rot-Weiß Lessenich keine allzu gute Figur macht. "Ich habe dann viel Tischtennis gespielt", sagt der heute 43-Jährige.

Mit dem Vater. Der Postler war. Zurück zum Computer. Vor dem vereinsame man jedenfalls nicht. Weil man sich ja austauscht. "Bücher lesen, das macht einsam". Wo waren wir stehengeblieben? Dielen? Arrays? Egal. "Ich hab' dann auch mit einem Kumpel eine Firma gegründet, aber nix ernstes." Schwer sei das alles nicht mit dem Computer. "Ich fand es leicht." Sollte auch jeder in der Schule lernen.

"Es ist ja auch gut, grob zu wissen, wie ein Auto funktioniert". Einmal, da habe er eine Website in Auftrag geben wollen. Derjenige, der die Wünsche umsetzen sollte, habe aber gemeint, dass das ziemlich kompliziert sei. "Und ich habe dann gesagt ,Na, so schwer stelle ich mir das aber nicht vor'", sagt Hoëcker. Man müsse doch nur dies und das machen, dann würde es schon klappen. So kam es dann wohl auch. Das ist lustig, wenn man es erzählt bekommt. Fliesenleger, Automechaniker oder Programmierer will man aber wohl eher nicht sein, wenn Hoëcker über die Schulter guckt. Ihn stört's nicht. "Wenn man ein bisschen Ahnung hat, wird man nicht überall verarscht."

Es reicht ja auch, wenn das die Fernsehkollegen machen. Weil er so klein ist. Und so wenig Haare auf dem Kopf hat. Was diesen Kopf irgendwie größer wirken lässt. Dass in dem Kopf einiges drin steckt, würde man vielleicht zunächst einmal gar nicht vermuten bei jemandem, der sein Geld vorrangig mit dem Abfackeln westfälischer Bauernhäuser oder dem Persiflieren anderer TV-Größen verdient.

Aber er würde vermutlich auch im weißen Kittel oder Cordsakko vor Studenten im Hörsaal eine gute Figur machen. Und das nicht nur, weil er gerne doziert. Hoëcker hat sogar etwas ganz Seriöses studiert, VWL in Bonn, bis zum Vordiplom. "Ja, ich bin total langweilig", sagt Hoëcker. Und: "Ich bin faul." Deswegen ließ er das Studium schleifen. Stattdessen trat er bei Lebensmittelmessen auf, als Koch verkleidet verteilte er mit Roboterbewegungen Kekse. Jonglieren, Comedy, irgendwann kam das Fernsehen. Und heute lebt Hoëcker in der Südstadt, weil er Altbauten liebt. Kinder, Hund und BMW-SUV. Sehr bürgerlich. Typisch Bonn?

Hoëcker findet, dass die Stadt total jung und international geworden ist. Aber nicht alles laufe rund, die Stadt gebe zu viel aus. Auch für Schwimmbäder. "Da gibt es eine riesige Initiative für das Melbbad, dann ist es offen, und keiner geht hin." Also, warum nicht zumachen und das Geld in Ganztagsbetreuung für alleinerziehende Mütter stecken, oder in Schulessen, dass ein Mal in der Woche etwas Vegetarisches auf den Tisch kommt.

Oder die Kultur: Es könne doch nicht angehen, dass die Stadt jeden Platz im Theater üppig bezuschusse. "Wenn das überall so wäre, würde ich jeden Tag in der Springmaus auftreten, es müsste auch keiner kommen". Nein, lieber ein kleineres Orchester und das Geld in Programme für Menschen stecken, die sonst nicht ins Theater gehen, um sie ins Theater zu holen. Sagt der Künstler Hoëcker, und redet sich erneut in Rage. Und diesmal klingt es gar nicht neunmalklug.

Typisch bönnsch

Das sagt Bernhard Hoëcker über seine Heimat:

An Bonn gefällt mir, dass es das Flair einer Kleinstadt, aber die Qualität einer Großstadt hat.

Ich vermisse die Biskuithalle.

Mein Lieblingsplatz ist das Bonner Loch, da sieht man, dass die Stadt noch Platz zum Entwickeln hat.

Typisch bönnsch ist, dass ich immer jemanden treffe, den ich kenne.

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