50. Todestag Konrad Adenauers

So lebte und wirkte Adenauer in Rhöndorf und Bonn

Bonn. Bonn und Rhöndorf sind die zentralen Schauplätze in Konrad Adenauers Zeit als Bundeskanzler. In lokale Themen mischte er sich nur selten ein. Wenn, dann jedoch richtig. Ein Blick auf sein Leben und sein politisches Wirken.

Kein Grund zum Weinen - das sind die verbürgten letzten Worte Konrad Adenauers. Zumindest berichten das später diejenigen, die es wissen müssen. Als der Altkanzler mit dahinschwindenden Kräften auf dem Sterbebett lag, so schildern es die anwesenden Verwandten, habe er auf ein altes Altarbild über seinem Bett gewiesen: Der sterbende Jesus wird von Gottvater mit einer zärtlichen Gebärde und weit ausgebreiteten Armen empfangen. "Da jitt et nix ze kriesche", also: Kein Grund zum Weinen - so habe sich Adenauer in rheinischem Idiom und fest verankert im christlichen Glauben ein letztes Mal tröstend an seine Kinder gewandt.

Wenn Kanzleramtsminister Peter Altmaier am kommenden Mittwoch die neue Dauerausstellung im Rhöndorfer Museum eröffnet und ihn seine Schritte dabei auch durch das Wohnhaus führen, dann wird er - wie fortan auch alle anderen Besucher - auf die Auferstehungsszene stoßen. Denn das Bild hängt nach Jahren der Abwesenheit wieder an seinem alten Platz.

Seit 1935 in Rhöndorf

1935 zog die Familie nach Rhöndorf. Erst wohnte sie an der Löwenburgstraße, vier Jahre später ließ sich Adenauer in dem Neubau am Zennigsweg nieder. Großbürgerlich, aber alles andere als prunkvoll, so lässt sich der frei stehende Wohnsitz wohl am ehesten beschreiben. Der Pensionär bestellte seinen Garten und sorgte dafür, dass die Standuhren synchron liefen. Als Kölner Oberbürgermeister hatten ihn die Nazis gleich 1933 abgesetzt.

15 Jahre später brachte sich Adenauer selbst an die Macht - natürlich in Rhöndorf. Ernsthaft rechnete angesichts der nahenden Bundestagswahl niemand mit dem 73-Jährigen - wohl aber auch nicht mit dessen Schlitzohrigkeit. So lud er angesichts ernstzunehmender Mitbewerber die Parteispitze zu sich nach Hause ein und verfuhr dabei frei nach dem Motto, dass Essen und Trinken nun einmal Leib und Seele zusammenhält.

Für den jungen Franz Josef Strauß, einen der Gäste, eine Offenbarung: "Überwältigender Eindruck für uns ausgehungerte Großstädter war ein Buffet von einer Reichhaltigkeit, wie ich es auf Privatkosten Adenauers weder vorher noch nachher jemals erlebt habe", erinnerte er sich später. Dazu habe der Gastgeber Weine entkorkt, "wie ich sie in meinem ganzen Leben noch nie getrunken hatte". Anschließend, als alle gut versorgt waren, verkündete Adenauer unvermittelt, "aus Parteikreisen" sei der Wunsch an ihn herangetragen worden, sich als Kanzler zur Verfügung zu stellen. Welche Parteikreise das gewesen sein sollten, blieb sein Geheimnis und wurde in der beschwingten Runde nicht näher thematisiert. Am 15. September 1949 wurde Adenauer zum ersten Kanzler der Bundesrepublik gewählt.

Im Ort sah man den berühmten Bürger nun etwas seltener, auch wenn er weiterhin regelmäßig seinen angestammten Platz in der Pfarrkirche Sankt Mariä Heimsuchung einnahm. Selbst dort waren die Autogrammjäger nicht fern. Einmal soll einer von ihnen den Pfarrer gefragt haben, ob denn der Adenauer komme. Der Pfarrer soll schlagfertig entgegnet haben, er wisse nur, dass der liebe Gott kommen werde.

Spuren im Siebengebirge

Aber auch außerhalb der Kirche hat Adenauer seine Spuren im Siebengebirge hinterlassen. Die legendäre Teppich-Szene auf dem Petersberg, in der Adenauer den Hohen Kommissaren der Alliierten buchstäblich auf Augenhöhe begegnete, gehört ebenso dazu wie das Deutsch-Französische Jugendwerk, das seit seiner Gründung bis zum Regierungsumzug nicht zufällig einen Steinwurf von Adenauers Haus seinen Sitz hatte. Bei Winzer Karl-Heinz Broel wartet ein grauer Hut Adenauers noch immer auf seinen Abholer.

Der Legende nach soll Adenauer bei einem Wein in Broels Gewölbekeller auch der Idee verfallen sein, Bonn zur Bundeshauptstadt zu machen. Dass ihm der Wein zusagte, beweisen bis heute die Bestellbestätigungen, die in schweren Rechnungsbüchern des Winzerkontors verewigt sind. Jedoch bestellten die Adenauers nicht kistenweise, sondern in der Regel klein portioniert. "Maß halten", so lautete das Motto. Über den Rhöndorfer Konditor Peter Profittlich, der den Kanzler mit Plänen für eine Seilbahn verärgert hatte, sagte er in einem seiner letzten Interviews: "Ach, der war sonst 'ne janz ordentliche Mann".

Beim Blick auf Rhöndorf gerät zuweilen in Vergessenheit, dass es in der Nähe noch ein weiteres Domizil gab. Im Pax-Haus mitten in der Unkeler Altstadt lebte Adenauer von Oktober 1935 bis April 1936. Wer über knarzendes Parkett den Speisesaal betritt und sich mit Blick auf den Rhein zum Frühstück niederlässt, der kann zwischen dem alten Mobiliar noch heute dem Adenauer-Aufenthalt gedanklich nachhängen. Denn weiterhin steht das von Nonnen geleitete Haus mit seinen 48 Betten generell allen Gästen offen.

Spuren in Bonn

Allgegenwärtig sind die Spuren des "Alten" naturgemäß in Bonn. Palais Schaumburg, die Redoute als Stammlokal für Adenauers Geburtstagsfeiern, Salonwagen und Dienst-Mercedes im Haus der Geschichte oder die Rathaustreppe als Schauplatz der Repräsentation bei vielen Staatsbesuchen - diese Bilder sind ebenso ins kollektive Gedächtnis gewandert wie die Skulptur des Bildhauers Hubertus von Pilgrim, die seit 1982 dem Bundeskanzlerplatz ein Gesicht gibt und zum beliebten Fotomotiv der Bonner Republik wurde.

Weniger bekannt ist, dass schräg gegenüber, im naturkundlichen Museum Alexander Koenig, nicht nur 1948/49 der Parlamentarische Rat tagte. Auch nutzte Adenauer das Museum nach seiner Wahl zum Kanzler im September 1949 zwei Monate lang als Dienstsitz, die Kabinettssitzungen wurden im Hörsaal abgehalten. Das Zimmer mit der Stuckdecke und den prächtigen Bücherwänden kann besichtigt werden. Auch hatte der Ehrenbürger im Kuppelsaal des Museums am 7. April 1946 seine erste große Rede an die Bonner gehalten: "Bonn hat die Aufgabe, ein geistiges und kulturelles Zentrum am Rhein zu sein."

Gelegentlich erhob der Bonner Ehrenbürger aber auch den Zeigefinger Richtung Stadtverwaltung. In einem Aufsatz zitiert Stephan Eisel aus einem Brief Adenauers vom 16. August 1949 an Oberstadtdirektor Johannes Langendörfer: "Wie ich zuverlässig höre, werden in Bonn derartig erhebliche Preise für Zimmer verlangt, dass das Wort Wucher fast zu maßvoll dafür ist. Ich bitte Sie, mit aller Energie dafür zu sorgen, dass derartige Überforderungen unterbleiben."

 

Fährmann Josef Kirfel blickt zurück

Ein Bonner pflegt die Erinnerung an Konrad Adenauer besonders intensiv: Sechs Jahre lang setzte Fährmann Josef Kirfel den Kanzler zwischen Dollendorf und Godesberg über den Rhein. "Meist ist er gegen 8.30 Uhr mit der Limousine gekommen. Dann standen bereits Autogrammjäger da. Ein paar hat der Kanzler immer unterschrieben, doch nicht alle. Wenn er keine Lust mehr hatte, setzte er sich in den Mercedes, um zu lesen", erinnert sich Kirfel.

Am 5. Januar, dem Geburtstag des "Alten", hat die Fähre stets mitten auf dem Strom eine Ehrenrunde gedreht. Als Dank hat Adenauer an diesem Ehrentag den Fährleuten immer einen ausgegeben. Am "Anfang war es ein Hunderter, dann sind es mehrere gewesen, er hat eben gewusst, dass das Geld seinen Wert verliert", sagt Kirfel, der seine Rührung kaum verbergen kann. Die Fähre ist nach dem Tod Adenauers auf dessen Namen getauft worden. Kirfel: "Dat wore mer dem Ahle schuldisch".