Landgericht Bonn: 22-jähriges Mitglied der "Black Jackets" muss sich verantworten

Landgericht Bonn : 22-jähriges Mitglied der "Black Jackets" muss sich verantworten

Als Mitglied der Bad Godesberger "Black Jackets" wollte der 22-Jährige, der sich seit Dienstag vor dem Bonner Landgericht verantworten muss, im vergangenen Jahr ganz groß sein. Recht kleinlaut sitzt er nun auf der Anklagebank, und seine Anwältin erklärt dem Gericht: Ihr Mandant sei sehr, sehr aufgeregt und bringe deshalb schon mal kein Wort heraus.

Entsprechend ironisch entgegnet Kammervorsitzender Wolf-gang Schmitz-Justen: "Das kann man sich gar nicht vorstellen." Eigentlich hätte der 22-Jährige zusammen mit vier weiteren Black Jackets, die vergangenen Freitag verurteilt wurden, auf der Anklagebank sitzen sollen. Doch als der Prozess gegen diese vier terminiert wurde, war der 22-Jährige nicht greifbar.

Am 23. Januar war er zwar zusammen mit ihnen festgenommen und verhaftet worden. Doch am 26. April war der 22-Jährige von der Haft verschont und in einer Kölner Einrichtung für junge Straftäter untergebracht worden. Dass er sich dort abgesetzt und in die Schweiz verschwunden war, wo seine Eltern lebten, teilte die Einrichtung der Bonner Staatsanwaltschaft jedoch nicht mit.

Die erwirkte zwar sofort einen internationalen Haftbefehl, doch als der junge Mann im Oktober in Handschellen nach Bonn zurückgebracht wurde, war es zu spät, um ihn noch mit den anderen vor Gericht zu bringen. Nun sitzt er also allein ohne seine Black-Jacket-Kumpel auf der Anklagebank. Die Vorwürfe gegen ihn lauten: Verstoß gegen das Waffengesetz und gewerbs- und bandenmäßiger Drogenhandel, der in Bad Godesberg kontrolliert werden sollte. Der anfängliche Vorwürf, an einem brutalen Überfall beteiligt gewesen zu sein, wurde fallengelassen: Der 22-Jährige wurde von den anderen Tätern entlastet.

Nun vor Gericht ist er bereit auszusagen und schildert, wie er als drittes von sechs Kindern syrischer Einwanderer nie den Ansprüchen des Vaters gerecht wurde, mit 16 aus dem Haus geworfen wurde und mit zwei Versuchen scheiterte, sich selbstständig zu machen. Die Black Jackets in Bad Godesberg habe er mitgegründet, doch so richtig etabliert hätten die sich nie: Warum er Black Jacket habe werden wollen, wird er gefragt. "Es ging eher um Freundschaft", sagt er und erklärt dann auf weitere Nachfragen: "Wir wollten Respekt haben und als Gruppe Präsenz und Stärke zeigen in Godesberg."