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GA-Ortsbesichtigung: "Spielplätze in Duisdorf nicht der Bringer"

GA-Ortsbesichtigung : "Spielplätze in Duisdorf nicht der Bringer"

"Das wird aber eine traurige Geschichte." Der Vater, der da auf dem Schulhof der Rochusschule gerade erfährt, dass der General-Anzeiger sich die Spielplätze im Ort anschaut, hat seine Meinung spontan gebildet. Eine traurige Sache ist es in der Tat, wenn man über den Schulhof blickt. Doch nicht nur an der Rochusschule ist die Situation nicht ideal.

In dem großen Sandkasten auf dem Schulhof der Rochusschule fehlt das Klettergerüst, das der Förderverein vor knapp zehn Jahren mit Spenden angeschafft hat und das bei einer Routinekontrolle im vorigen Jahr durch Defekte auffiel und abgebaut wurde. Geblieben sind nur die Holzeinfassung, der Sand und am Rande die drei Reckstangen.

Kein Wunder, dass bei den Jungen, die auf dem Schulhof sind, der Fußball die größte Attraktion sind. Man könnte auch sagen, Kicken gegen den Frust. Das Klettergerüst soll aber nach Ostern wieder aufgebaut werden, weiß Schulleiterin Birgit Klippel zu berichten.

Auch auf den anderen Spielplätzen im Duisdorfer Zentrum sieht es nicht viel besser aus. Unsere Ortsbegehung startet auf dem Areal am Burgweiher, zwischen Bahnhof und Aldi-Parkplatz. Matthias (7), der sich als Tester zur Verfügung gestellt hat, findet es hier ziemlich trostlos.

Der Spielplatz wird ständig von Erwachsenen als Abkürzung zwischen dem Bahnhof und dem Ortskern benutzt, der einzige Mülleimer ist übervoll. Eine Bank zum Ausruhen gibt es nicht. Das Klettergerüst erweist sich schnell als langweilig. Aber wenigstens sind die Wippe und ein Wipptier wieder da. Beide waren lange Zeit abgebaut, und dadurch war der Spielplatz quasi kaum nutzbar, erzählen die Eltern von Matthias, Anke und Ulrich Roos.

Ortswechsel. Der nächste Spielplatz liegt an der Heilsbachstraße. Auch nicht das Nonplusultra. Die Stahlrutsche, die im Sommer immer glühend heiß wird, steht seit Jahren dort, die Stufen daneben sind zu hoch für Kleinkinder, moniert das Ehepaar Roos. An dem "Kaufmannsladen" mit Theke spielt Matthias eigentlich gerne, aber das alleine wird schnell langweilig. Sand ist nur ganz wenig in den Sandkästen, dementsprechend fehlt der Fallschutz unter dem Klettergerüst. Immerhin: Im Park der Derletalschule gibt es eine Doppelschaukel, und das Spielhaus aus Holz erfreut sich auch ziemlicher Beliebtheit.

Dann lieber schnell zum nächsten Spielplatz ins Derletal. Dort hat die Stadt zwar ein neues Spielgerüst mit Rutsche aufgebaut, aber die erste Sprosse der Leiter ist zu hoch. Selbst der siebenjährige Matthias kommt nicht hoch, weil er so dick angezogen ist. Für Vierjährige wäre es unmöglich.

Und der Grundschüler mault: "Das ist alles dasselbe hier." Langweilig eben. Seine Eltern wissen, was sie dagegen tun: "An Wochenenden fahren wir oft nach Rheinbach in den Freizeitpark." Dort gibt es einen abgezäunten Spielplatz, der nachts abgeschlossen wird und auf den auch keine Hunde dürfen. Im Derletal ist das ein ständiges Ärgernis. Hundehalter gestatten es offenbar ihren Hunden, dass sie ihr Geschäft in den Sandkästen erledigen. Warum die Eltern auch nicht gerne den Spielplatz im Derletal benutzen: "Außerdem gibt es hier noch nicht einmal eine Parkbank."

Das war früher einmal anders, erinnert sich der Reporter. Und schaut sich erstaunt um. Denn das Angebot ist immer noch so wie vor zehn oder zwölf Jahren, als die eigenen Kinder hier herumtollten. Sogar manche der Spielgeräte sind immer noch dieselben.

Das gilt ganz besonders für den kleinen Spielplatz in der Alte Straße. Von Angebot kann man dort kaum sprechen. Eine Rutsche, fertig. Dazu gibt es wenigstens eine Parkbank für die Erziehungsberechtigten. Fairerweise muss man aber sagen, dass das Angebot schon früher von so trauriger Natur war.

Kein Wunder, dass viele Eltern mit ihren Kindern zum Spielplatztourismus neigen, finden Anke und Ulrich Roos. "Das ist alles nicht der Bringer hier." Auch Matthias meckert: "Jeder Spielplatz hat dasselbe..." Als er noch den Kindergarten im Finkenhof besuchte, hätten sie oft Ausflüge nach Tannenbusch, Beuel oder in die Rheinaue gemacht, um auf den schönen Plätzen dort zu spielen. "Aber wir sind nie ins Derletal gegangen", erinnert er sich. Offenbar wissen auch Kindererzieher, dass dort kein gutes Angebot auf ihre Schützlinge wartet.

Nun muss man strafmildernd erwähnen, dass im Winter fast jeder Spielplatz trist wirkt. Umso mehr, wenn dort keine Kinder spielen. In Duisdorf jedoch ist die Tristesse besonders ausgeprägt. Und womöglich ist es hier genau umgekehrt: Hier spielen keine Kinder, weil es so trist ist auf den Spielplätzen. Anke Roos kann das verstehen. Und außerdem gut beurteilen, denn sie ist in Duisdorf aufgewachsen. "Die Spielplatz-Landschaft hier", so sagt sie, "hat sich in den letzten 20 Jahren kein Stück weiterentwickelt."