Dauerbaustelle ab Sommer

Bad Godesberg droht Verkehrschaos durch Tunnelsperrung

Die Einfahrt des Straßentunnels an der Friedrichallee: Im ersten Bauabschnitt wird der Verkehr aus dem Süden dort in die Röhre geleitet.

Die Einfahrt des Straßentunnels an der Friedrichallee: Im ersten Bauabschnitt wird der Verkehr aus dem Süden dort in die Röhre geleitet.

Bas Godesberg. In den Sommerferien beginnen die Nachrüstungen im Bad Godesberger Straßentunnel. Eineinhalb Jahre werden die Arbeiten dauern. Selbst Experten erwarten ein Verkehrschaos.

„Das gibt ein Mordschaos, der Tatsache sind wir uns bewusst“: Wenn es um das wohl komplizierteste Verkehrsprojekt der Stadt seit Langem geht, beschönigt Tiefbauamtsleiter Peter Esch nichts. In den Sommerferien beginnt die aufwendige technische Nachrüstung des Bad Godesberger Straßentunnels, die gut anderthalb Jahre dauern wird. Für jeweils neun Monate muss dafür eine komplette Röhre gesperrt werden, in der anderen fahren die Autos dann im Gegenverkehr.

Die Planer haben lange überlegt, wie sie den Verkehr während der Bauphase leiten können. Dabei kam schnell heraus, dass eine Komplettsperrung der Tunnel nicht möglich ist. Das oberirdische Straßennetz mit seinen Ampeln würde all den Autos nicht Herr. Es würde auch nicht reichen, durch die jeweils offene Röhre den Verkehr wie heute zweispurig durchzulassen. Die Gegenrichtung müsste sich dann auch durch Godesbergs City quälen.

„Als der Tunnel 1999 in Betrieb genommen wurde, war er auf dem Stand der Technik – auch bezüglich der Sicherheit und Entrauchung“, sagt Esch. Doch die schweren Tunnelunfälle in den Alpen hätten gezeigt, dass es nicht reicht, Rauch nach althergebrachter Methode über seitliche Schlitze abzusaugen. Heute müssen Lüfter in der Decke her, von denen die Stadt nun für 7,5 Millionen Euro 30 Stück einsetzen lässt. 60 Prozent der Kosten übernehmen Bund und Land. Grundlage für die Nachrüstung sind die Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln von 2006 (RABT).

Neue Ventilatoren

Ursprünglich sollten die alten Ventilatoren beibehalten werden, dann hätte alles nur drei Millionen gekostet und die Bauzeit hätte nur sechs Monate gedauert. „Ein Lüftungsgutachten hat aber ergeben, dass die alten Aggregate nicht reichen“, sagt Esch. Neue, leistungsfähigere müssen her, die in drei mal drei Meter große Löcher in der flachen Decke eingesetzt werden und bei einem möglichen Brand in dessen Nähe die Luft absaugen. Der Qualm zieht dann durch eine Art Gewölbe über der Decke ab, gleichzeitig strömt frische Luft aus den Tunneleingängen nach.

Damit der Verkehr während der Bauzeit weiter durch den Tunnel fließen kann – dann mit Tempo 30 – müssen die Kreuzungen an den beiden Portalen umgebaut werden. Richtung Koblenz wird ab dem 23. Juli ein Fahrstreifen im Tunnel gesperrt, weil dann Arbeiten an Feuerlöschleitungen anstehen. Ab dem 4. August ist dann die rheinseitige Röhre für neun Monate geschlossen. Das Tiefbauamt rechnet damit, dass dann nicht nur die B9, sondern auch die Nebenrouten oft verstopft sein werden. An den Einfahrten werden die Fahrbeziehungen so geändert, dass der Durchgangsverkehr durch den Tunnel möglichst zügig fließen kann, wie Sachgebietsleiter Stefan Pieper sagt.

Die Bauphasen

Bauphase 1, Nordportal: Wer über die Elsässer Straße zur B9 fährt, darf nicht mehr rechts abbiegen. Auf der Wurzerstraße gegenüber entfällt der Linksabbieger in den Tunnel hinein. Die Kurzröhre zur Bonner Straße (City) wird in diese Richtung geschlossen, steht den Fahrern in Richtung Bonn aber weiter zur Verfügung.

Bauphase 1, Südportal: Die Rampe Koblenzer Straße (McDonald's) wird nur noch von Autos befahren, die aus dem Tunnel heraus in Richtung Mehlem unterwegs sind. In Gegenrichtung ist sie gesperrt. Stattdessen steht ein paar Meter weiter die Einfahrt Friedrichallee offen, über die alle im Tunnel nach links in die offene Röhre geleitet werden. Die Fußgänger können dann nicht mehr direkt die Friedrichallee überqueren und müssen einen Umweg in Kauf nehmen. „Das ist nicht schön. Aber es muss jeder seinen Beitrag leisten“, sagt Esch. Ab Mitte Mai 2019 kommt eine neue Verkehrsführung, wenn die bergseitige Röhre gesperrt wird.

Bauphase 2, Nordportal: Der Rechtsabbieger Elsässer- und Linksabbieger Wurzerstraße bleiben gesperrt. Wer aus Richtung Bonn in den Tunnel will, muss den Schlenker über Hochkreuzallee und Godesberger Straße nehmen und dann die dortige Rampe hinter dem Obi nutzen. Die Kurzröhre wird wieder voll befahrbar sein.

Bauphase 2, Südportal: Die Autos aus Richtung Bonn kommen an der Friedrichallee aus dem Tunnel heraus. Umgekehrt geht es über die Rampe Koblenzer Straße unter die Erde.

„Solch eine Maßnahme hat Bonn noch nicht gesehen“, sagt Esch zum Aufwand der Verkehrsführung. Sollte in den Röhren während der Bauzeit ein Unfall passieren, gibt es Nothaltebuchten, 
Rettungskräfte können durch die Baustellenröhre anrücken. Wegen Tempo 30 sind statistisch gesehen eher Blechschäden zu erwarten. Betonwände werden in den 
Röhren die Fahrbahnen voneinander trennen. Die Blitzer sollen weiter ihre Aufgabe erfüllen und werden aufs neue Tempolimit umgestellt.